Negativzinsen ein Kaufargument für renditestarke Aktien

Für die UBS-Ökonomen drängen sich dividendenstarke Aktien aufgrund der Negativzinsen geradezu auf. Dabei setzen sie in Europa allerdings auf nicht alltägliche Unternehmen.
22.06.2016 08:46
Von Lorenz Burkhalter
Viele Unternehmen halten an hohen Dividenden fest.
Viele Unternehmen halten an hohen Dividenden fest.
Bild: cash

Die Zinsen in Europa fallen ins schier Bodenlose. Seit wenigen Tagen lässt sich nun auch mit deutschen Staatsanleihen mit einer Laufzeit von bis zu zehn Jahren kein Geld mehr verdienen. Die Rendite auf Verfall ist negativ. Grund sind die Wachstumsängste der Anleger.

Wie die Ökonomen der UBS Investmentbank schreiben, hat die Differenz zwischen den Anleihenrenditen und der durchschnittlichen Dividendenrendite von Aktien in Europa einen neuen Extremwert erreicht. Während die Rendite europäischer Unternehmensanleihen alleine in den vergangenen drei Wochen von 1,37 auf 1,21 Prozent gefallen sei, sei die Dividendenrendite im Zuge rückläufiger Aktienkurse von 3,4 auf 3,7 Prozent gestiegen, so die Experten. Das überrascht nicht, hat der breit gefasste Stoxx Europe 600 Index in dieser Zeitspanne doch rund 8 Prozent eingebüsst.

Brexit sorgt für Risikoscheu

Bei der UBS Investmentbank macht man vor allem die extreme Risikoscheu der Anleger im Zusammenhang mit dem drohenden Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union für diese Entwicklung verantwortlich. Um die Situation zu veranschaulichen, verweisen die Ökonomen auf den zuletzt tiefsten Umfragewert der Stimmungserhebungen der American Association of Individual Investors (AAII) seit 20 Jahren oder den bankeigenen Global Indicator of Risk Aversion. Den Experten zufolge hat dieser ebenfalls einen Extremwert erreicht.

Noch gebe es bei den vorauseilenden Konjunkturindikatoren jedoch keine Anzeichen einer Verschlechterung, so die Ökonomen. Weder bei den Economic Surprise Indicators, noch bei den Einkaufsmanager-Indizes sei bisweilen ein Rückschlag auszumachen.

Stolz bewertete defensive Sektoren

Für die Experten ist diese Entwicklung ermutigend für die europäischen Aktienmärkte. Ihren Berechnungen zufolge liegt die Dividendenrendite der im Stoxx Europe 600 Index vertretenen Unternehmen auf Basis der diesjährigen Schätzungen bei 4 Prozent. 15 Prozent dieser Aktien weisen sogar eine Dividendenrendite von 6 oder mehr Prozent auf.

Überdurchschnittlich hohe Ausschüttungen findet die UBS Investmentbank vor allem bei den Finanzwerten sowie den Aktien von Energiekonzernen und Versorgern. Bei den Energiekonzernen warnt die Schweizer Grossbank jedoch vor Nachwirkungen des Ölpreiszerfalls der letzten Jahre.

Was die als dividendenstark geltenden defensiven Aktien und Sektoren anbetrifft, geben sich die Ökonomen überraschend zurückhaltend. Sie verweisen dabei auf das auf einem Mehrjahrestiefststand liegende Verhältnis zwischen der Bewertung konjunkturabhängiger und defensiver Aktien.

Die Experten setzen deshalb auf konjunkturabhängige Aktien mit einer attraktiv hohen Dividendenrendite und einem vergleichsweise geringen Ausschüttungsanteil des jeweiligen Jahresgewinns. Konkrete Namen nennt die UBS Investmentbank dabei allerdings nicht.