Negativzinsen in kleinen Ländern sinnvoller

In kleineren und offenen Volkswirtschaften funktionieren Negativzinsen besser als in grossen Währungsräumen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage unter Ökonomen.
20.02.2016 12:55
In der Schweiz gelten seit rund einem Jahr Strafzinsen.
In der Schweiz gelten seit rund einem Jahr Strafzinsen.
Bild: www.snb.ch

Bloomberg hat 63 Ökonomen befragt, die Zentralbanken im Euroraum, der Schweiz, Dänemark, Schweden und Japan analysieren. In all diesen Währungsräumen wurden negative Zinsen eingeführt. Im Ergebnis sind die Ökonomen der Meinung, dass Zinsen unter null besser in kleineren, offenen Volkswirtschaften funktionieren als in grösseren Volkswirtschaften, wo mit dem Instrument das Wachstum angekurbelt oder fallenden Preisen entgegengewirkt werden soll.

Bewertung der Zinspolitiker

90 Prozent der Ökonomen heben den Daumen bei der dänischen Notenbank und 70 Prozent sehen das Experiment der Schweizerischen Nationalbank (SNB) optimistisch. Die Ähnlichkeiten der beiden liegen auf der Hand: sie sind in relativ offenen Volkswirtschaften tätig und haben negative Zinsen eingeführt, um ihre Währungen zu schützen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat 2014 negative Einlagezinsen eingeführt. Sie sind Teil des Instrumentariums, mit dem EZB- Präsident Mario Draghi versucht, eine Deflation abzuwenden und die Kreditvergabe zu stärken. Die Inflationsrate war im vergangenen Jahr viermal unter null gefallen, und die Geldpolitiker gehen davon aus, dass dies auch in den nächsten Monaten wieder geschehen kann. Daher ist es verständlich, dass drei Fünftel der befragten Ökonomen die Politik der EZB als unwirksam bewerten.

Die schwedische Riksbank griff im vergangenen Jahr zu negativen Zinsen und wollte damit die Disinflation bekämpfen. Aber in den Augen der Ökonomen schneidet sie noch schlechter ab als die EZB. Der Pessimismus hielt die Riksbank jedoch nicht davon ab, ihren Benchmark-Reposatz noch weiter abzusenken, von minus 0,35 Prozent auf 0,50 Prozent.

Bei der japanischen Zentralbank, deren Negativzinsen erst in der vergangenen Woche wirksam wurden, sollten die Ökonomen eine Einschätzung für die künftige Entwicklung abgeben. Das Ergebnis war ein noch trostloserer Konsens: nur 27 Prozent sagten, die überraschende Massnahme von BoJ-Gouverneur Haruhiko Kuroda werde letztlich dabei helfen, die Deflation zu bekämpfen oder die ins Stocken geratene Wirtschaft anzukurbeln.

Wie weit noch ins Negative?

Die Ökonomen waren der Ansicht, dass die Zentralbanken in Schweden und Dänemark bereits am Maximum der Negativzinsen angekommen sind. Bei der EZB erwarten sie beim Einlagenzins eine weitere Absenkung um 20 Basispunkte. In dem Umfang wird laut Median-Schätzung auch eine weitere Absenkung durch die Bank von Japan erfolgen, auf dann minus 0,30 Prozent.   

Die Schweizer SNB ragt mit ihrer Bereitschaft, weiter in den negativen Bereich zu gehen heraus. Die Ökonomen rechnen letztendlich mit einem Einlagensatz von minus 1,0 Prozent. Damit hätte sie noch 25 Basispunkte Extra-Spielraum, wie aus einer separaten Umfrage von Bloomberg hervorgeht. Diese kommt zu dm Ergebnis, dass die SNB den Zins, wenn nötig, bis auf minus 1,25 Prozent senken könnte.

Dauer bis 2018

Bei allen fünf Zentralbanken rechnen die Umfrageteilnehmer damit, dass die Zinsen bis mindestens 2018 unter null bleiben werden. Mit fünfeinhalb Jahren wird es dann bei der dänischen Notenbank die längste Phase mit negativen Zinsen sein. Für den Euroraum und die Schweiz dürften es etwa vier Jahre werden, für Schweden und Japan etwa drei Jahre.

(Bloomberg)