Negativzinsen machen Cash für Schweizer Millionäre unattraktiv

«Nur Bares ist Wahres» - dieses Motto gilt für viele reiche Schweizer nicht mehr. Denn hier horten Millionäre wegen der Negativzinsen deutlich weniger Bargeld.
25.06.2016 19:12
Villenbesitzer in der Schweiz halten weniger Bargeld als früher.
Villenbesitzer in der Schweiz halten weniger Bargeld als früher.
Bild: Pixabay

Das geht aus einer diese Woche veröffentlichten Umfrage der Beratungsgesellschaft Capgemini im Zuge ihres jährlichen weltweiten Vermögensberichts hervor. Während die Reichen in der Schweiz ihr Vermögen im Vorjahr noch zu 28,2 Prozent in Barmitteln angelegt hatten, sank dieser Anteil Anfang 2016 auf 21,4 Prozent.

"Das ist durch das Marktumfeld getrieben", sagte Capgemini-Consulting-Berater Tobias Wolf. "Dadurch, dass die Kunden keinen Zins bekommen, suchen sie alternative Anlagemöglichkeiten." Entsprechend hätten sie verstärkt in Immobilien und alternative Investments wie Rohstoffe oder Hedge Fonds investiert.

Die Nationalbank hebt von Banken ab einem gewissen Freibetrag Strafzinsen von 0,75 Prozent auf Giroguthaben ein. Die Banken geben diese Strafzinsen an institutionelle Anleger wie Versicherungen oder Pensionsfonds weiter. Privatkunden sind in den meisten Fällen bislang davon nicht betroffen.

Doch Marktführer UBS hatte zuletzt angekündigt, bei einer Verschärfung des Umfelds diese Gebühren eventuell auch an sehr vermögende Kunden weiterzureichen. Sollten sich mehrere Banken dazu entschliessen, könnte das die Flucht der Millionäre aus Barmitteln noch verstärken. "Das ist eine Konsequenz daraus - auf der Suche nach Alternativen", sagte Wolf. Der Beratungsgesellschaft zufolge gibt es in der Schweiz 358.400 Millionäre.

Weltweit dürfte die Zahl der Reichen in den kommenden zehn Jahren am stärksten in Asien wachsen. Bereits im Vorjahr lag das Vermögen in der Region Capgemini zufolge mit 17,4 Billionen Dollar erstmals über jenem Nordamerikas mit 16,6 Billionen Dollar.

(Reuters)