Nehmen die Börsen den Schwung mit in die neue Woche?

Der Zinsentscheid der US-Notenbank steht im Zentrum des Geschehens in der nächsten Börsenwoche. Eine Vorschau.
11.12.2016 15:49
Gebäude der Schweizer Börse SIX in Zürich. In der vergangenen Woche stieg der Swiss Market Index 4 Prozent.

Mit der Verlängerung der Wertpapierkäufe hat EZB-Chef Mario Draghi die Anleger in Feierlaune versetzt. Seine Kollegin Janet Yellen von der US-Notenbank könnte ihnen in der neuen Woche die Suppe allerdings versalzen, warnen Experten. Da eine Zinserhöhung der Fed am Mittwoch als sicher gelte, sei der Ausblick für das kommende Jahr wichtiger.

"Die Sorge der Märkte ist, dass die Wortwahl raschere Anhebungen signalisiert", sagt Volkswirt Kota Hirayama vom Vermögensverwalter SMBC Nikko Securities. Bislang erwarten Investoren für 2017 meist zwei weitere Schritte.

Spekulationen auf einen Wirtschaftsboom unter dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump hatten in den vergangenen Wochen allerdings zeitweise Spekulationen auf eine anziehende Inflation und häufigere Zinserhöhungen geschürt. Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner rechnet jedoch nicht mit einer Wende bei den sogenannten Dots, den Prognosen der Fed für die Inflationsentwicklung. "Denn die Planungen der neuen Regierung sind noch nicht völlig klar. Die Fed wird daher abwarten wollen, wo die Reise hingeht."

Vor diesem Hintergrund ist eine Fortsetzung der Rally an den Börsen nicht zu erwarten, betont Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG Markets. In der vergangenen Woche stieg der Swiss Market Index 4 Prozent, der deutsche Dax um mehr als sechs Prozent und verzeichnete damit vor dem größten Wochengewinn seit etwa einem Jahr. Der Dow Jones und der Nikkei legten je 3 Prozent zu.

Nur wenige Konjunkturdaten auf dem Terminplan

Einen Tag nach der Fed berät auch die Bank von England (BoE) über die Geldpolitik. Experten rechnen hier mit einem unveränderten Schlüsselsatz, nachdem die Zentralbank im August den Leitzins gesenkt hatte, um die wirtschaftlichen Folgen des Brexit-Referendums abzufedern. Trotz der Verunsicherung wegen des bevorstehenden Ausstiegs Großbritanniens aus der EU verlor die dortige Wirtschaft im dritten Quartal kaum an Schwung.

In der neuen Woche stehen nur wenige Konjunkturdaten auf dem Terminplan. In den USA lassen am Tag nach der Fed-Zinsentscheidung das Konjunkturbarometer der Federal Reserve Bank von Philadelphia und die Inflationszahlen weitere Rückschlüsse auf das Tempo der erwarteten US-Zinserhöhungen zu. Am Mittwoch stehen außerdem die Daten zur dortigen Industrieproduktion auf der Agenda.

Am Dienstag liefert der ZEW-Index Hinweise auf die Laune der deutschen Börsenprofis. Die Stimmung in den deutschen und europäischen Firmen spiegeln die entsprechenden Einkaufsmanager-Indizes (Donnerstag) wider. Dank des Rückenwindes durch die Weltwirtschaft erwarten Experten einen Anstieg.

Noch dünner ist der Terminplan der Firmenbilanzen. Zu den wenigen Unternehmen, die Geschäftszahlen vorlegen, gehört der US-Netzwerkausrüster Oracle (Donnerstag). Außerdem öffnet Inditex, der Betreiber der "Zara"-Bekleidungskette, die Bücher.

Am Freitag ist zudem "Hexensabbat" - der große Verfall an den Terminmärkten. In den Tagen zuvor schwanken die Aktienkurse üblicherweise stark, weil Investoren die Preise derjenigen Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen.

(Reuters)