Nestlé-Aktie kann sich fangen

Nestlé kann mit dem Neunmonatsumsatz nicht punkten. Auch mit der Reduktion des Wachstumsziels hatten nur die wenigsten Analysten gerechnet. Die Aktie grenzt die Kursverluste nach einem schwachen Handelsauftakt ein.
20.10.2016 11:26
Von Lorenz Burkhalter
Noch-Konzernchef Paul Bulcke kämpft mit einer nur langsam wachsenden Nestlé.
Noch-Konzernchef Paul Bulcke kämpft mit einer nur langsam wachsenden Nestlé.
Bild: Bloomberg

Was die Spatzen am Hauptsitz von Nestlé schon seit Tagen von den Dächern pfeifen, ist seit dem frühen Donnerstagmorgen bittere Gewissheit: Der Umsatz wächst beim Nahrungsmittelkonzern nur schleppend aus eigener Kraft.

Zwar hat sich das organische Wachstum auf das dritte Quartal bezogen leicht beschleunigt. Allerdings zeichnet sich heute schon ab, dass die bislang angestrebten 4,2 Prozent vom vergangenen Jahr nicht erreicht werden.

Deshalb krebst das Unternehmen bei diesem Ziel zurück, wovon nur die wenigsten Analysten im Vorfeld ausgingen.

An der Schweizer Börse SIX verliert die Nestlé-Aktie zur Stunde noch 0,8 Prozent auf 74,05 Franken. Kurz nach Handelsbeginn wurden zeitweise sogar Kurse um 73,15 Franken bezahlt, was auch dem Schweizer Aktienmarkt zusetzte.

Wie der für die Zürcher Kantonalbank tätige Autor in einem Kommentar schreibt, verfehlt das organische Umsatzwachstum die Konsenserwartungen leicht. Beim wichtigen Volumenwachstum mache Nestlé jedoch im Konkurrenzvergleich weiterhin eine sehr gute Figur, so lautet sein Lob.

Keine grösseren Gewinnschätzungsreduktionen erwartet

Seines Erachtens hat das Unternehmen gerade bei den im vergangenen Jahr stark gestiegenen Marketingausgaben noch Spielraum für Anpassungen. Der Experte rechnet deshalb trotz des tieferen organischen Umsatzwachstums mit einer deutlichen Margenverbesserung. Dementsprechend glaubt er nicht an grössere Gewinnschätzungsreduktionen. Die Nestlé-Aktie wird bei der Zürcher Kantonalbank weiterhin mit "Übergewichten" zum Kauf empfohlen.

Der Berufskollege der Bank Vontobel kann seine Enttäuschung über die organische Umsatzentwicklung und die Reduktion der diesbezüglichen Jahresprognosen nicht verbergen. Allerdings gibt er sich nicht besonders überrascht, nachdem die Rivalen Unilever und Danone mit einer ähnlichen Wachstumsflaute zu kämpfen hatten. Der Experte rechnet bei den bankeigenen Schätzungen nur mit geringen Anpassungen und hält vorerst sowohl an seiner Kaufempfehlung als auch am Kursziel von 88 Franken für die Aktie fest.

Hohe Erwartungen an den zukünftigen Konzernchef

Enttäuscht zeigt sich auch der für Baader Helvea tätige Analyst. Obschon die Erwartungen an Nestlé seines Erachtens schon im Vorfeld der Umsatzveröffentlichung nach unten angepasst wurden, sind nun auch diese verfehlt worden. So richtig überrascht zeigt er sich allerdings nicht, dass der Nahrungsmittelhersteller beim Wachstumsziel für das Gesamtjahr zurückkrebst. Gut sei, dass der zukünftige Konzernchef sein Amt nun von einer tieferen Basis aus antreten könne, so schreibt der Experte weiter. Er stuft die Aktie wie bis anhin mit "Hold" und 83 Franken ein.

Wie Händler ergänzen, sind die Erwartungen an den Nachfolger des langjährigen Konzernchefs Paul Bulcke allerdings hoch.