Nestlé angeblich an Mead Johnson interessiert

Nestlé soll laut einem Medienbericht Interesse an Mead Johnson haben. Analysten sind jedoch skeptisch.
19.01.2017 11:22
Steht Nestlé vor einer weiteren Übernahme?
Steht Nestlé vor einer weiteren Übernahme?
Bild: Bloomberg

Der Lebensmittelkonzern prüfe eine Übernahme des US-Herstellers von Vitamin- und Babyprodukten, schrieb das Händlerportal "Streetinsider.com" am Mittwoch unter Berufung auf eine Quelle. 

Die Aktien von Mead Johnson schlossen an der Wall Street am Mittwoch auf dem Tageshöchststand bei 75,25 USD. Händler verwiesen auf den Bericht, wonach Nestlé ein Auge auf das US-Unternehmen aus dem Bundesstaat Illinois geworfen habe. Nestlé wollte die Marktgerüchte auf Anfrage von AWP nicht kommentieren.

Die Experten der ZKB sagen, dass die Transaktion aus finanzieller Sicht drinliege. Dies aufgrund des geplanten Verkaufs der L'Oreal-Beteiligung, die aktuell 23,6 Mrd CHF wert sei, was weit über Mead Johnsons Börsenwert von 13,9 Mrd USD liege.

ZKB-Analyst Patrick Schwendimann sieht die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme von Mead Johnson durch Nestlé jedoch bei lediglich 30%. Als Grund nennt er, dass beide Konzerne im Bereich Babynahrung in China bereits stark sind. Nestlé müsste voraussichtlich Aktivitäten in China verkaufen, damit die chinesischen Wettbewerbsbehörden grünes Licht geben.

Synergiepotenzial

Analysten von Morgan Stanley sehen zwar Synergiepotenzial im rasch wachsenden Segment Nutrition, weisen jedoch darauf hin, dass diverse Behörden zahlreicher Länder den Deal verhindern könnten. Gemäss Analyst Matthew Grainger würde das kombinierte Unternehmen im Bereich Kleinkinderernährung in Märkten wie den USA, Kanada, Mexiko, Hong Kong, Thailand und den Philippinen mehr als 50% Marktanteil erreichen.

Ohnehin sei es für Nestlé strategisch sinnvoller, den Markt weiterhin mit den bestehenden Marken zu bewirtschaften. Ein gutes Beispiel für eine passende Übernahme sei die Akquisition der Babynahrungsparte von Wyeth im Jahr 2012 gewesen. Damit habe sich Nestlé eine starke Position in Schwellenmärkten ins Haus geholt.

Gemäss Morgan Stanley wird Nestlés neuer Chef Ulf Mark Schneider weiterhin Ausschau nach Übernahmezielen halten, um das bestehende Portfolio zu optimieren. Nestlé habe dafür genügend Kapital. Für Übernahmen hätte der Nahrungsmittelriese eine Feuerkraft von bis zu 26 Mrd. CHF.

An der Börse wirft die News kaum Wellen: Bis um 11.00 geben die Nestlé-Aktien um 0,5% nach und notieren bei 73,40 CHF, der am SMI gemessene Gesamtmarkt gibt mit minus 0,52% im gleichen Umfang nach.

(AWP)