Nestlé bekommt an der Börse Quittung für schlechte Zahlen

Nestlé ist in der Periode von Januar bis September etwas unter den der Erwartungen gewachsen und hat den Ausblick für das Wachstum im Gesamtjahr gesenkt. Schlechte Nachrichten für den Aktienkurs.
20.10.2016 07:45
Nestlé-Babynahrung in einem Supermarkt in Peking.
Nestlé-Babynahrung in einem Supermarkt in Peking.
Bild: Bloomberg

Organisch legte der weltgrösste Nahrungsmittel-Hersteller in der Neunmonatsperiode um 3,3 Prozent zu (H1: +3,5 Prozent), wobei bei dieser wichtigen, um Wechselkurse und Zukäufe bereinigten Umsatzkennzahl 2,5 Prozent auf internes Realwachstum (RIG) und 0,8 Prozent auf Preisanpassungen zurückzuführen waren.

Der Gesamtumsatz betrug 65,5 Mrd CHF und wurde beeinflusst von einem negativen Wechselkurseffekt (-1,7 Prozent), aber auch Akquisitionen waren per Saldo negativ (-0,6 Prozent, wie der weltgrösste Nahrungsmittelkonzern am Donnerstag mitteilte.

Die Wachstumsdynamik hat sich im dritten Quartal damit nicht wieder beschleunigt. Nach einem Wachstum von 3,9 Prozent im ersten Quartal fiel Nestlé im zweiten Jahresabschnitt auf den relativ tieferen Wert von 3,1 Prozent zurück. Nun errechnet sich aus den Neunmonatszahlen ein Wachstum für die Periode Juli bis September von knapp 3 Prozent. Vorbörslich fällt die Aktie deutlich. Das Minus von 2,4 Prozent reisst wegen der hohen Indexgewichtung der Aktie zudem den ganzen SMI nach unten.

Markterwartung nicht getroffen

Mit den vorgelegten Zahlen hat Nestlé die Markterwartungen (AWP-Konsens) nicht erreicht. Analysten hatten das organische Wachstum bei 3,5 Prozent (Bandbreite 3,4-4,6 Prozent) und das interne Realwachstum bei 2,6 Prozent (2,5-2,8 Prozent) geschätzt, der Umsatz wurde bei 66,0 Mrd gesehen.

Das organische Wachstum erreichte in den Industrieländern 1,9 Prozent und in den aufstrebende Märkte 5,3 Prozent. In den drei Regionen lag das Wachstum bei 4,8 Prozent in Nord- und Südamerika (AMS), bei 2,1 Prozent in Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika (EMENA) und bei 2,5 Prozent in Asien, Ozeanien und Subsahara-Afrika (AOA).

Nur schwache Preisanpassungen

Konzernchef Paul Bulcke meinte zum Ergebnis: "In einem von Deflation und niedrigen Rohstoffpreisen geprägten Umfeld setzten wir weiter auf Volumenwachstum, was zu internem Realwachstum am oberen Ende der Branche sowohl in Industrieländern als auch in aufstrebenden Märkten führte. Die Preisanpassungen blieben schwach, nahmen aber zu."

Nestlé hat aufgrund der neuesten Zahlen den Ausblick für das Wachstum gesenkt. Der Konzern erwartet für das Gesamtjahr 2016 neu ein organisches Wachstum um 3,5 Prozent. Bisher war von einem organischen Wachstum wie im Vorjahr (4,2 Prozent) die Rede. Weiter wird wie üblich eine Verbesserung der Margen und des nachhaltigen Gewinns je Aktie bei konstanten Wechselkursen und der Kapitaleffizienz angestrebt.

Die Nestlé-Aktie ist mit 75,40 Franken etwa gleich viel wert wie zum Jahresanfang. Im Sechs-Monate-Rückblick ist die Aktie um 1,3 Prozent gestiegen. Anleger erhoffen sich einen Kursschub, wenn der neue CEO Ulf Mark Schneider Anfang 2017 die Nachfolge von Paul Bulcke übernimmt.

(AWP/cash)