Nestlé droht in China eine saftige Busse

China wirft westlichen Anbietern Preisabsprachen bei Kindernahrung vor. Die Behörden haben eine Untersuchung eingeleitet. Als Marktführer ist auch Nestlé davon betroffen.
03.07.2013 09:00
Lorenz Burkhalter

Seit Ende der Siebzigerjahre gilt in China die sogenannte Ein-Kind-Politik: Jedes Ehepaar darf nur ein Kind in die Welt setzen. Daran hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert.

Dennoch wächst der chinesische Markt für Kindernahrung zweistellig. Das ist auch westlichen Anbietern nicht verborgen geblieben. Sie haben ihre Präsenz im Reich der Mitte in den letzten Jahren kontinuierlich verstärkt. Spätestens seit einem Skandal rund um verseuchtes Milchpulver im Jahre 2008 gilt Kindernahrung aus dem Westen sowieso als das Mass aller Dinge.

Nestlé mit starkem Standbein

Davon profitiert auch Nestlé. Mit einer Grossübernahme im vergangenen Jahr ist der Westschweizer Nahrungsmittelkonzern zum Weltmarktführer aufgestiegen. In China bringt es Nestlé Schätzungen zufolge auf einen Marktanteil von nicht weniger als 40 Prozent.

Die starke Marktstellung könnte für das Unternehmen nun aber zum Problem werden. Nachdem die Preise für Kindernahrung in den letzten Jahren um mehr als 30 Prozent gestiegen sind, werfen die chinesischen Behörden den westlichen Anbietern Wettbewerbsverstösse vor. Eine mittlerweile eingeleitete Untersuchung dürfte für Licht ins Dunkel sorgen.

Der für Kepler Cheuvreux tätige Nahrungsmittelanalyst gilt in Marktkreisen als Koryphäe auf seinem Gebiet. In einem Kommentar schreibt er, dass sich die Anbieter auf ein Bussgeld einstellen müssen. Bei den betroffenen Unternehmen sei ein solches allerdings verschmerzbar.

Die Gefahr von Marktanteilsverlusten an die chinesischen Mitbewerber hält der Experte hingegen für gering. An der Dominanz westlicher Hersteller wie Mead Johnson, Danone oder Nestlé werde sich so schnell nichts ändern.

Tiefere Preise aber keine Marktanteilsverluste

Der chinesische Markt für Kindernahrung gelte als einer der rentabelsten weltweit. Aufgrund der von den chinesischen Behörden eingeleiteten Untersuchung sei deshalb mit Preisdruck zu rechnen. Um mehr als 10 Prozent sollten die Preise jedoch nicht fallen, so schätzt der Experte.

Zu mehr als dem berühmten «Sturm im Wasserglas» wird die Untersuchung gegen westliche Kindernahrungshersteller in China für Nestlé demnach wohl nicht.