Nestlé kommt in China straffrei davon

China hat die Untersuchung gegen mehrere Kindernahrungshersteller nach gut einem Monat abgeschlossen. Sechs Anbieter werden gebüsst. Für Nestlé erweist sich die Angelegenheit als Sturm im Wasserglas.
07.08.2013 08:02
Von Lorenz Burkhalter
Nestlé kommt in China straffrei davon
Bild: Bloomberg

Anfang Juli leitete China eine Untersuchung gegen mehrere Kindernahrungshersteller ein. Am Donnerstagmorgen verhängten die Behörden nun Strafen wegen unerlaubten Preisabsprachen. Neben den lokalen Anbietern Biostime International und Friesland werden auch vier westliche Unternehmen mit einem Bussgeld von umgerechnet 100 Millionen Franken belegt.

Nestlé geht hingegen straffrei aus. Experten hatten im Vorfeld alleine für das Westschweizer Unternehmen mit einer Busse von bis zu 120 Millionen Franken gerechnet. Diese Schätzung stützte sich auf den jährlichen Umsatzbeitrag von rund einem Prozent aus dem chinesischen Kindernahrungsgeschäft ab.

Preissenkungen ein indirektes Schuldeingeständnis

Kurz nach Bekanntwerden der Untersuchung gegen zahlreiche Kindernahrungshersteller wegen unerlaubten Preisabsprachen kündigten mehrere der betroffenen Unternehmen Preissenkungen im Umfang von 5 bis 10 Prozent an. Darunter neben der bereits zu einem Bussgeld verurteilten Biostime International auch Anbieter wie Nestlé.

Diese Preissenkungen einem indirekten Schuldeingeständnis gleich. Die Frage sei daher nicht ob, sondern bloss in was für einem Ausmass Bussbescheide verhängt würden, so hiess es in den letzten Wochen immer wieder.

Der chinesische Markt für Kindernahrung gilt als einer der rentabelsten weltweit. Seit einem Skandal im Zusammenhang mit Verunreinigungen im Jahre 2008 gilt Kindernahrung aus dem Westen als das Mass aller Dinge, was den Anbietern in den letzten Jahren zweistellige Wachstumsraten bescherte. Diese Zeiten gehören nun allerdings der Vergangenheit an. Weniger aufgrund des Verdachts wegen Preisabsprachen als vielmehr wegen erst vor wenigen Tagen entdeckten Verunreinigungen in Produkten des australischen Anbieters Fonterra. Denn diese dürften der chinesischen Regierung gerade gelegen kommen, um die Marktstellung der heimischen Anbieter zu stärken.