Nestlé und Roche auf dem Vormarsch

Der Schweizer Aktienmarkt zeigt am Freitag eine klare Reaktion auf die Einbussen vom Vortag und gewinnt deutlich an Wert.
29.01.2016 12:55
Der Hauptsitz von Nestlé in Vevey: Die Aktien sind am Freitag gesucht.
Der Hauptsitz von Nestlé in Vevey: Die Aktien sind am Freitag gesucht.
Bild: Bloomberg

Steigende Ölpreise und die überraschende Einführung von Negativzinsen in Japan hätten unter den Anlegern so kurz vor dem Wochenende zum Stimmungsumschwung geführt, heisst es am Markt. Angeführt von Finanzaktien und Zyklikern kletterte der Leitindex SMI bereits zu Handelsbeginn zurück über die Schwelle von 8'200 Stellen und pendelte sich bis am Mittag um die Marke von 8'250 ein. Aber auch die Schwergewichte Roche und Nestlé legen deutlich zu.

Während das Marktgeschehen weiterhin massgeblich von den Schwankungen in den Ölnotierungen bestimmt werde, habe die Bank of Japan mit ihrem Zinsentscheid die Marktteilnehmer positiv überrascht, heisst es in einem Händlerkommentar. Die japanischen Notenbanker senkten den Zins von +0,1% auf -0,1% in den negativen Bereich und auch das Wertpapierkaufprogramm wurde bis auf weiteres unverändert auf jährlich 80 Billionen Yen belassen. Zudem lockerte die chinesische Zentralbank ihre expansive Geldpolitik weiter. Neue Impulse erwarten Anleger am Nachmittag von den Zahlen zum US-BIP im vierten Quartal.

SMI klar im Plus

Bis um 12.05 Uhr steigt der Swiss Market Index (SMI) um 1,22% auf 8'252,18 Punkte. Damit fehlen dem Leitindex weniger als 20 Zähler, um die Woche doch noch im Plus abschliessen zu können. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, gewinnt 1,00% auf 1'239,46 Stellen, während der breite Swiss Performance Index (SPI) um 1,11% auf 8'537,39 zulegt. Von den 30 SMI/SLI-Titeln notieren 27 im Plus und nur deren drei im Minus.

Kühne+Nagel (+2,0%) haben bis zur Handelshälfte bei den Blue Chips die Führung übernommen, dicht gefolgt von Galenica (+1,9%) und vom Nahrungsmittelmulti Nestlé (+1,8%). Weit vorne in der Tabelle sind auch Roche (+1,6%) zu finden. Das Pharma-Schwergewicht hatte wie auch sein Pendant Novartis (Kurs aktuell: +0,7%) mit Jahreszahlen die Anleger enttäuscht und an der Börse stark an Wert eingebüsst.

Im Nachgang zum Zahlenausweis sehen eine Reihe von Analysten die Kurseinbussen der Roche-Genussscheine als übertrieben an. Banken wie die Credit Suisse, JP Morgan, Morgan Stanley oder Vontobel haben zwar ihre Kurszielschätzungen gesenkt, doch empfehlen sie die Papiere nach wie vor zum Kauf. Themen wie die eher konservative Prognose für 2016, höhere Steuern und Wechselkurseinflüsse seien vom Management bei einem Analysten-Call mit einem überwiegend positiven Unterton erklärt worden, begründet etwa der CS-Analyst. Und auch bei JP Morgan wurden die detaillierteren Aussagen des Managements zu den Aussichten begrüsst.

Zu den weiteren Gewinneraktien gehören derweil weiterhin Finanzwerte wie Swiss Life (+1,7%), Bâloise oder UBS (je +1,3%). Die CS-Papiere (+0,6%) sind dagegen ins Mittelfeld zurückgefallen. Alle SMI-Banken - inklusive Julius Bär (+0,3%) - werden nächste Woche ihre Zahlen für das vergangene Quartal bzw. Geschäftsjahr abliefern.

Auf der Verliererseite stehen nach wie vor Actelion (-0,8%), und auch die Partizipationsscheine von Schindler sowie Sonova büssen leicht an Wert ein. Sonova wurden von der HSBC auf "Reduce" zurückgestuft.

Während es zu Wochenschluss bei den Blue Chips in Sachen News ziemlich ruhig ist, haben am breiten Markt mehrere Unternehmen über das abgelaufene Geschäftsjahr 2015 berichtet. Die Maschinenhersteller Rieter (Aktie: +2,8%) und Starrag (+2,2%) legen an der Börse trotz deutlicher Rückgänge beim Umsatz und Auftragseingang zu. Immerhin habe sich der Auftragseingang bei Rieter im zweiten Halbjahr besser als erwartet entwickelt, was positiv gewertet werden könne, so ein Analyst. Starrag hat angekündigt, die Kosten senken und so die Profitabilität verbessern zu wollen.

Ganz im Gegensatz zu den beiden Industrieunternehmen steigerten die Immobiliengesellschaft BFW (+1,0%) und die Liechtensteiner VP Bank (+4,1%) den Gewinn im vergangenen Jahr stark. Vor allem die VP Bank übertraf mit dem Ergebnis die Erwartungen. Kuoni seinerseits hatte bereits am Vorabend Gerüchte bestätigt, wonach die schwedische Beteiligungsgesellschaft EQT Partners im Bieterwettbewerb die besten Karten hat. Die volatile Kuoni-Aktie büsst derweil 5,5% ein.

(AWP)