Netzwerkausrüster - Nokia kappt Prognosen deutlich - Aktienkurs sackt ab

Wegen hoher Investitionen in die neue 5G-Mobilfunktechnik hat der Netzwerkausrüster Nokia seine Aktionäre mit deutlich zusammengestutzten Prognosen geschockt. Analysten bleiben jedoch optimistisch.
24.10.2019 12:45
Nokia hat sich vom Mobiltelefonhersteller zum Netzwerkausrüster gewandelt.
Nokia hat sich vom Mobiltelefonhersteller zum Netzwerkausrüster gewandelt.
Bild: ZVG

 In diesem und im kommenden Jahr werden die Finnen erheblich weniger Gewinn machen als bisher angepeilt, teilte der Konzern am Donnerstag bei der Vorlage seiner Zahlen für das dritte Quartal in Espoo mit. Hintergrund seien der Druck auf die Margen und die Notwendigkeit, mehr Geld in den 5G-Aufbau zu stecken. Auch die Dividendenzahlung will Nokia zunächst aussetzen.

An der Börse sorgten die Nachrichten für einen Kurssturz, die Nokia-Aktie sackte kurz nach Handelsbeginn um 23 Prozent ab. Am Mittag lag sie immer noch rund 20 Prozent im Minus. Der Trend ist bei Nokia ohnehin klar negativ: Seit Jahresbeginn haben die im Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gelisteten Papiere rund ein Viertel an Wert verloren. Damit liegt Nokia am Index-Ende. In den zurückliegenden 12 Monaten steht ein Verlust von rund 20 Prozent zu Buche.

Der harte Kampf um Marktanteile im 5G-Geschäft hinterlässt bei den in der Vergangenheit lange Zeit kriselnden Finnen seine Spuren. Obwohl Konzernchef Rajeev Suri von einem starken vierten Quartal ausgeht, verwies er auf die anhaltenden Risiken, die mit der Aufbauphase der neuen Mobilfunknetze durch Telekomkonzerne einhergingen und die das Unternehmen im dritten Quartal zu spüren bekommen habe. Etwa durch hohe Kosten und Preisdruck, Schwierigkeiten mit der Profitabilität in China und Unsicherheiten hinsichtlich der Folgen einer Fusion in Nordamerika. Damit dürfte der geplante Zusammenschluss der US-Mobilfunkanbieter Sprint und T-Mobile US gemeint sein.

Hohes Investitionsvolumen

Suri kündigte zudem an, dass die Finnen unter anderem in die Digitalisierung interner Prozesse investieren werden, um Produktkosten zu reduzieren und die Produktivität zu erhöhen. Hinzu kommen weitere Investitionen in die Software des Unternehmens.

Die Senkung der Gewinnprognose für die Jahre 2019 und 2020 ist die Konsequenz der Investitionen und anhaltenden Marktrisiken. Eine Erholung erwartet Suri erst im Jahr 2021. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll 2019 nun bei rund 21 Cent liegen. Zuvor war Nokia von 25 bis 29 Cent ausgegangen. Bei der bereinigten operativen Marge erwartet der Konzern jetzt rund 8,5 Prozent. Bislang war der Netzwerkausrüster von 9 bis 12 Prozent ausgegangen.

Beim Ausblick für 2020 ruderte Nokia noch stärker zurück. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll im kommenden Jahr bei 25 Cent liegen, es könnten auch fünf Cent mehr oder weniger sein. Zuvor lag die erwartete Spanne bei 37 bis 45 Cent. Die operative Marge soll bei rund 9,5 Prozent liegen, vorher waren es noch 12 bis 16 Prozent.

Das Nokia-Management teilte zudem mit, dass es keine Dividende für das dritte und vierte Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahrs 2018 ausschütten werde. Auch damit wolle der Konzern seine Investitionen in den 5G-Ausbau und das eigene Wachstum absichern. Auf lange Sicht will Nokia aber, weiterhin eine Quartalsdividende ausschütten. Diese sei jedoch abhängig vom jeweiligen Gewinn. Erst wenn die Kassenlage auch wieder besser sei und das Unternehmen einen Mittelbestand von rund 2 Milliarden Euro erreiche, sollten wieder Ausschüttungen fliessen.

Analysten bleiben zuversichtlich

Aus Sicht von Analyst Sandeep Deshpande von der US-Bank JP Morgan rückt durch die Reduzierung der Gewinnziele und die vorläufige Aussetzung der Dividendenzahlung in den Hintergrund, dass Nokia im dritten Quartal beim Umsatz und operativen Ergebnis positiv überrascht habe. Auch Alexander Duval von der US-Investmentbank Goldman Sachs hob hervor, dass die Kennnziffern besser als erwartet ausgefallen seien. Allerdings werde dies von den deutlich reduzierten Ergebniszielen überschattet.

Zwischen Anfang Juli und Ende September steigerte Nokia zwar den Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro. Der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn ging aber um 2 Prozent auf 478 Millionen Euro zurück. Unter dem Strich fuhr Nokia einen auf die Aktionäre entfallenden Überschuss von 82 Millionen Euro ein, nachdem im Vorjahr noch ein Verlust von 79 Millionen Euro für den im Umbau befindlichen Konzern zu Buche stand.

Nokia kämpft unter anderem mit dem schwedischen Konkurrenten Ericsson und dem chinesischen Konzern Huawei um Marktanteile im 5G-Geschäft. Alle Anbieter drücken ihre Produkte zu niedrigen Preisen in den Markt, in der Hoffnung auf lukrativere Anschlussgeschäfte. Inzwischen habe Nokia 48 Verträge im 5G-Bereich abgeschlossen und 15 Netzwerke bereits in Betrieb genommen, sagte Suri.

(AWP)

 

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