Neue iPhones - Der grosse Wurf bleibt Apple verwehrt

Apple will den Markt mit drei neuen iPhones aufrollen. Bei allen Modellen überrascht vor allem der hohe Verkaufspreis. Entsprechend unterkühlt reagieren die Anleger.
13.09.2018 11:22
Lorenz Burkhalter
Das Logo von Apple an einem Store in New York.
Das Logo von Apple an einem Store in New York.
Bild: Bloomberg

Mit Spannung blickten Anleger und Smartphone-User am Mittwochabend in Richtung Cupertino in Kalifornien. Dort präsentierte Apple die neuste Generation seines Smartphones iPhone. Wie das iPhone Xs fällt auch das Xs Max durch einen grösseren Bildschirm und eine leistungsfähigere Kamera auf. Mit dem preisgünstigeren Modell XR bringen die Amerikaner ausserdem wieder Farbe in die iPhone-Welt. Das Gerät ist in sechs verschiedenen Farben zu haben.

So unterschiedlich die Analystenreaktionen auch sein mögen - zumindest in einem Punkt ist man sich in Expertenkreisen einig: Der grosse Wurf bleibt Apple mit den neuen Modellen des Verkaufsschlagers iPhone verwehrt.

Geht die Hochpreisstrategie auf?

Bei den Analysten von Julius Bär ist man einzig vom hohen durchschnittlichen Verkaufspreis der geräte überrascht. Was bei Apple gut für die Margen sei, werde das Absatzvolumen begrenzen, so lautet das Fazit.

Damit spielt Julius Bär auf die Preisgestaltung an. Denn selbst das günstige iPhone XR ist eher im oberen Preissegment angesiedelt. Schon das der Öffentlichkeit vor einem Jahr vorgestellte Jubiläumsmodell iPhone X verkaufte sich aufgrund seines hohen Preises schleppender als ursprünglich erwartet.

Kursentwicklung der Apple-Aktie über die letzten 12 Monate (Quelle. www.cash.ch)

In der Schweiz wird das iPhone XR ab 879 Franken erhältlich sein. Beim iPhone Xs Max reichen die Preise gar bis 1739 Franken.

Dass Apple mit einer Hochpreisstrategie auf den immer intensiveren Wettbewerb mit anderen Herstellern wie Samsung oder zuletzt auch Huawei reagiert, überrascht viele Beobachter. Sie bezweifeln, dass sich mit dieser Strategie Marktanteile verteidigen, geschweige denn der Konkurrenz solche abjagen lassen. Das dürfte gerade für die Schwellenländer gelten, reicht die Kaufkraft vieler Konsumenten dort doch nicht für ein teures Smartphone.

Sensorenhersteller AMS bei allen drei Modellen «mit an Bord»

In New York ging die Apple-Aktie Mittwochnacht um 1,2 Prozent tiefer bei rund 221 Dollar aus dem Handel. Nachbörslich wurden gar noch tiefere Kurse bezahlt. Allerdings war die Aktie des iPhone-Herstellers in den letzten Wochen sehr gefragt. Alleine seit Mitte Juni errechnet sich ein Kursplus von fast 20 Prozent.

Als kurstreibend erwies sich das Engagement des Milliardärs Warren Buffett, der seinen Apple-Anteil in letzter Zeit immer mehr ausgebaut hat. Buffetts Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway besitzt nach den letzten Angaben 252 Millionen Titel des iPhone-Herstellers und ist damit drittgrösster Aktionär.

Anders reagieren die Aktien von europäischen Apple-Zulieferern auf die iPhone-Präsentration. Nachdem die Aktie des Sensorenherstellers AMS zuletzt einen ziemlich schweren Stand hatte, gewinnt sie zur Stunde 4,3 Prozent auf 68,70 Franken. Wie die Credit Suisse festhält, steuert AMS erwartungsgemäss bei allen drei Modellen den 3D-Sensor bei. Welche Komponenten der Rivale Dialog Semiconductor beisteuern wird, ist der Schweizer Grossbank zufolge hingegen noch nicht bekannt. Dennoch notiert die Aktie von Dialog Semiconductor mit 19,45 Euro um 3,4 Prozent über dem Schlussstand vom Vortag.

Als eigentlicher Gewinner gilt STMicroelectronics. Folglich nimmt die Aktie des Halbleiterherstellers Fahrt auf und gewinnt 2,4 Prozent auf 15,63 Euro. Wie einem Kommentar von Kepler Cheuvreux entnommen werden kann, werden nach aktuellem Kenntnisstand mehr Komponenten aus dem Hause STMicroelectronics in die neuen iPhone-Modelle verbaut als in die bisherigen Geräte.

 

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