Neuer CEO - Ford zieht nach Kurssturz die Notbremse

Ford zieht angesichts des Vertrauensschwunds an der Börse die Notbremse und setzt Vorstandschef Mark Fields vor die Tür.
22.05.2017 15:44
Jim Hackett, CEO Ford.
Jim Hackett, CEO Ford.
Bild: ZVG

An seine Stelle rückt Jim Hackett, der bisher die für autonomes Fahren zuständige Tochter Smart Mobility leitet. Der 62-Jährige soll die Abläufe straffen und Ford fit für die Zukunft machen, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Den Wechsel an der Spitze nutzt der zweitgrösste US-Autobauer für einen grösseren Umbau der Führungsetage. Fields hatte das Vertrauen von Chairman Bill Ford, dem Enkel des Konzerngründers, und anderen Direktoriumsmitgliedern verloren. Er stand unter Druck, weil der Aktienkurs seit seinem Amtsantritt um fast 40 Prozent eingebrochen ist. An der Wall Street kam der Wechsel gut an: Die Ford-Aktie legte um 1,5 Prozent zu.

Analysten erwarten, dass der als Sanierer bekannte Hackett den von Fields eingeleiteten Sparkurs verschärfen soll. Damit will Ford zum Lokalrivalen General Motors (GM) aufschließen, der bereits stärker auf die Rendite als auf Größe und Stückzahlen achtet.

Der 56-jährige Fields hatte vor drei Jahren die Führung des Konzerns aus Dearborn nahe der US-Autohauptstadt Detroit übernommen. Damals befand sich der nach China weltweit zweitgrößte Automarkt auf dem Höhepunkt der Erholung nach der Weltwirtschaftskrise von 2009. Inzwischen bröckeln die Neuzulassungen jedoch und die Branche steht vor einer ungewissen Zukunft. Das macht auch Marktführer GM und dem italienisch-amerikanischen Konkurrenten Fiat Chrysler zu schaffen, der Nummer drei in den USA.

Alle grossen Autobauer investieren derzeit massiv in Elektromobilität, Vernetzung und selbstfahrende Autos. Gleichzeitig müssen die Autobauer bei schrumpfen Verkaufszahlen stärker aufs Geld schauen. Fields wurde von Analysten angelastet, zu stark auf die neuen Technologien gesetzt und dabei die Profitabilität aus den Augen verloren zu haben. Der Rückgang des Aktienkurses führte zuletzt dazu, dass der kalifornische Elektroautobauer Tesla Ford beim Marktwert überflügelte. Mit dem Wechsel an der Unternehmensspitze will Ford vergraulte Investoren zurückzugewinnen.

Fields hatte die Warnzeichen erkannt und bereits einen Plan aufgelegt, um die Kosten um drei Milliarden Dollar zu drücken. Doch führte dies nach Meinung von Analysten nicht schnell genug zum Erfolg. Deshalb legte der Konzern nach und kündigte einen massiven Stellenabbau in Verwaltung und Vertrieb in Nordamerika und Asien an.

"Sonnyboy" nichts für harte Zeiten

"Es ist nicht so, dass Ford offenkundig Probleme hat", sagte Arndt Ellinghorst vom Investmentberater Evercore ISI. Fields sei jedoch womöglich nicht der Richtige für einen Kurswechsel. "Man hat mit ihm einen Sonnyboy an der Spitze gehabt, der sehr gut positive Nachrichten verkünden kann, der das Unternehmen aber vielleicht nicht hart genug geführt hat." Ellinghorst geht davon aus, dass Hackett mehr Gewicht auf Profitabilität und Sanierung legen werde.

Hackett steht bislang der erst vor gut einem Jahr gegründeten Ford-Sparte vor, die das Traditionsunternehmen bei selbstfahrenden Autos und Mobilitätsdiensten voranbringen soll. Gerade hier wollten Bill Ford und sein Direktorium mehr Sicherheit haben, dass sich Investitionen in fahrerlose und elektrogetriebene Autos sowie in Fahrdienste auch lohnen.

(Reuters)