Nicht mit allen Rohstoffen geht's bergab

Bei den meisten Rohstoffen und Metallen sinken die Preise, was die Achterbahnfahrt der Finanzmärkte noch verstärkt. Ein Edelmetall bildet derzeit die grosse Ausnahme - es profitiert von einer der aktuellen Krisen.
30.09.2015 01:05
Von Marc Forster
Das Edelmetall mit dem schönen Namen Palladium erfährt einen Kursschub.
Das Edelmetall mit dem schönen Namen Palladium erfährt einen Kursschub.
Bild: iNg

Der Commodity Index von Bloomberg fällt weiter. Der Chart steht mittlerweile bei 87,7 Punkten; Zum Jahresanfang hatte der Wert noch bei 103,8 Punkten gelegen. Das letze Mal über 100 Punkte befand sich der Indikator Anfang Juli.

Die Gründe: Die Sorgen um Chinas Konjunktur und das Kaffeesatzlesen über den Zeitpunkt der Zinserhöhung in den USA bewegten die Preise in jüngster Zeit stark. Ebenfalls ein wichtiger Treiber für die Rohstoffpreise in den vergangenen Tagen war der Skandal um manipulierte Abgaswerte bei VW. Der sogenannte "Dieselgate" wirkte sich aber nicht in jedem Fall negativ aus.

Die unruhige Lage an den Rohstoffmärkten ist ein Spiegelbild der von Unsicherheit geprägten Stimmung in Anlegerkreisen. Unter diesem Aspekt wirft cash einen Blick auf die wichtigsten Rohstoffe und wagt jeweils eine Zukunftsprognose.

Platin: Platin ist ein wichtiger Bestandteil von Diesel-Katalysatoren, welche dazu dienen, den Schadstoffausstoss von Fahrzeugen deutlich zu senken. Im Gefolge des VW-Skandals, der die Diesel-Technologie bei Autos in ein schiefes Licht rückte, ist der Platinpreis auf ein Sechs-Jahres-Tief gefallen. Sollten Konsumenten wegen der publik gewordenen VW-Manipulationen weniger Diesel kaufen, wäre dies schlecht für Platin.

Dazu beitragen kann, wenn die Richtlinien für Diesel-Motoren verschärft werden: Würden Diesel-Autos dadurch teurer, wäre dies der Nachfrage abträglich. Anderthalb Wochen nach Bekanntwerden der VW-Schummeleien ist aber noch nicht absehbar, ob die bisher beliebte Diesel-Technologie bei Autos wirklich auf den absteigenden Ast geraten ist. Solange die VW-Geschichte nicht ausgestanden ist, und wenn möglichweise noch andere Hersteller in den Wirbel hineingezogen werden, dürfte der Platin-Preis in jedem Falle unter Druck bleiben.

Palladium: Palladium ist ein Platinoid und ist das Element, das bei Benzin-Katalysatoren zum Einsatz kommt. "Des einen Leid, des andern Freud", könnte man dazu sagen: Der Vertrauensverlust in den Diesel wegen VW hat den Benzinmotor wieder in den Vordergrund berückt. Der Chart zeigt daher eindrücklich, dass es bei Platin und Palladium wegen der VW-Krise eine fast spiegelbildliche Entwicklung gibt.

Vergleich des Preises für Platin und Palladium innerhalb von drei Monaten zeigt die "Scherenbewegung".  (Grafik: cash.ch)

Gold: Zwei Auftritte von Janet Yellen innert Wochenfrist haben den Goldpreis bewegt. Die Bekanntgabe vom 17. September, dass die Zinsen noch nicht erhöht werden, half dem Goldpreis in die Höhe. Ihre Ankündigung in einer Rede an der University of Massachusetts in Amherst am 25. September, dass die Zinserhöhung wohl noch 2015 komme, hat den Preisanstieg dann wieder gebremst.

In einem Kommentar schreibt die Saxo-Bank, dass es die volatilen Aktienmärkte, Sorgen um die Schwellenländer und eine Gold-Nachfrage aus Indien waren, welche das Edelmedtall kürzlich auf einen Wert über 1150 Dollar pro Feinunze Gold trieb. Insgesamt seien die "Bären" am Markt aber verunsichert, was auf einen in nächster Zeit steigenden Goldpreis schliessen lasse. Ein Goldpreis-Anstieg hängt von der Verfassung der Weltwirtschaft, dem Verlauf der Aktienmärkte und natürlich der Fed ab. Zudem dürfte der Goldpreis auch den aktuellen Wert haben, weil Zentralbanken viel Gold gekauft haben.

Der Goldpreis in der Drei-Monate-Frist (Grafik: cash.ch)

Stahl und Kupfer: China fragt Rohstoffe nach wie kein anderes Land. Die Sorgen, dass die weltweit zweitgrösste Volkswirtschaft weiter erlahmen könnte, drückt auf den Stahlpreis. Der Einkaufsmanager-Index des Wirtschaftsmagazins "Caixin" zeigte vor einer Woche, dass die Stimmung so schlecht wie zuletzt 2009 ist. Dazu hat der Kurskollaps des Bergbauimperiums Glencore die Stimmung deutlich getrübt.

Auch der Kupferpreis leidet klar wegen China. Investoren sind bei Kupfer "bearish" geworden und haben hohe Short-Positionen aufgebaut. Im Moment warten die Märkte für Stahl und Kupfer auf neue Wirtschaftsdaten aus China, die noch diese Woche veröffentlicht werden sollen und die mehr Aufschluss über die Nachfrage geben sollen. Das Ausmass von Terminkontrakten zu Kupfer zeigt gemäss einer Erhebung der Analysten von ETF Securities, dass sich die Markteinschätzung für Kupfer ins Positive zu drehen beginnt.

Rohöl: Der Ölpreis fällt wegen Überkapazitäten seit langem, und betroffene Schweizer Firmen, die vom Öl- und Gasgeschäft abhängig sind, können ein Lied davon singen: Bei Transocean oder Sulzer sind die Aktienkurse in letzter Zeit aus unterschiedlichen Gründen gefallen, aber der Ölpreis hat dabei mitgespielt.

In den letzten Wochen hat sich der Preis allerdings bei beiden Sorten Brent und West Texas Intermediate (WTI) stabilisiert. Das heutige Preis-Level für Öl könnte dazu führen, dass die Förderländer die Produktion zu drosseln beginnen. Dies würde bedeuten, dass der Ölpreis 2016 nachhaltig steigt. Auch stärkere Öl-Lieferungen aus dem Iran könnten daran nichts ändern. Das Fragezeichen kommt aber wiederum aus China: Sollte dort die Nachfrage zurückgehen, bliebe ein Druck auf den Preis bestehen.

Der Preis für Rohöl zeigt eine Stabilsierung im September (Grafik: cash.ch)