Niederländischer Notenbankchef - «EZB-Massnahmen sind nicht angemessen»

Neben Österreichs Notenbankchef kritisiert nun auch sein niederländischer Kollege Klaas Knot die jüngsten Entscheidungen des EZB-Ratst öffentlich.
13.09.2019 13:00
Die Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt.
Die Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt.
Bild: Bloomberg

Der Chef der niederländischen Notenbank, Klaas Knot, hat die jüngsten Entscheidungen des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB) deutlich kritisiert. "Dieses breite Massnahmenpaket, insbesondere die Wiederaufnahme der Anleihekäufe, steht in keinem Verhältnis zu den gegenwärtigen wirtschaftlichen Bedingungen, und es gibt triftige Gründe, an seiner Wirksamkeit zu zweifeln", schreibt Knot auf der Internetseite der niederländischen Notenbank (DNB) am Freitag. Es gebe weder die Gefahr einer Deflation, noch gebe es Anzeichen für eine Rezession.

Die Wirtschaft des Euroraums sei voll ausgelastet, schreibt Knot. Zudem würden die Löhne steigen. Die aktuell sehr lockeren Finanzierungsbedingungen würden weder die Kreditversorgung noch den Konsum oder die Investitionen behindern. Stattdessen gebe es derzeit einen Mangel an sicheren Vermögenswerten. Dies trage zu Überreibungen an den Immobilienmärkten bei.

Knot räumt ein, dass es angesichts der konjunkturellen Abschwächungen, länger dauern werde, bis die EZB das Inflationsziel von unter, aber knapp zwei Prozent erreiche. Dieses Ziel sei aber nicht ausser Reichweite.

Insbesondere die Entscheidung der EZB, die Anleihekäufe wieder aufzunehmen, war im EZB-Rat offenbar umstritten. So sollen sich laut Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg neben Knot die Notenbankchefs Deutschlands, Frankreichs, Österreichs und Estlands gegen neue Käufe von Anleihen ausgesprochen haben. Zudem hätten sich die Direktoren aus Deutschland, Sabine Lautenschläger, und aus Frankreich, Benoit Coeure, den Abweichlern angeschlossen./jsl/bgf/jha/

(AWP)