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«Noch immer ein organisiertes Chaos»

Die Schweizer Börse hat auch zwei Wochen nach dem Ende der Euro-Kursuntergrenze nicht zum Alltag zurückgefunden, sagt cash-Guru Alfred Herbert im cash-Börsen-Talk. Er gibt Einschätzungen zu SMI und Euro-Frankenkurs.
29.01.2015 23:00
Von Daniel Hügli
Alfred Herbert im cash-Börsen-Talk vom 29. Januar.
Bild: cash

Etwas über zwei Wochen sind vergangen seit dem grossen Knall, als die Schweizerische Nationalbank (SNB) das abrupte Ende der Kursuntergrenze zum Euro verkündete. Es folgten Chaos-Tage an den Finanzmärkten, der Swiss Market Index (SMI) stürzte an zwei Handelstagen 16 Prozent ab. Seither hat der Index wieder etwa 5 Prozent aufgeholt. Eine nicht untypische Bewegung, sagt cash-Guru Alfred Herbert im cash-Börsen-Talk

"Eine alte Börsenregel besagt, dass ein Drittel bis die Hälfte nach solchen Abstürzen bald aufgeholt ist, bevor sich die Händler wieder organisieren." Herbert kann sich vorstellen, dass sich die Schweizer Aktien noch etwas weiter erholen können. Er nennt zum Beispiel die Aktie von Lonza, die nach dem SNB-Schock rund 30 Prozent abgesdackt war und seither wieder über 10 Prozent geklettert ist.

Eine gewisse Stütze bildet die "Dividendensaison", die mit den Jahresabschlüssen und den Generalversammlungen der Unternehmen eben begonnen hat. Anleger haben angesichts des widrigen Zinsumfeldes fast keine andere Wahl, als Aktien zu kaufen, und sie decken sich nun vorzugsweise mit Titeln mit hohen Dividendenrenditen ein.

Der Schweizer Aktienmarkt bleibt allerdings extrem schwankungsanfällig. Es herrscht laut Herbert nach wie vor ein "organisiertes Chaos an allen Fronten". Die Entwicklung des SMI wird in Zukunft wesentlich vom Kursverlauf des Euro zum Franken abhängen. Fällt der Euro, sinkt auch der SMI - und umgekehrt. 

Euro hält sich erstaunlich gut

In der ablaufenden Woche konnte sich der Euro - nach dem europakritischen Wahlergebnis von Griechenland vom letzten Wochenende - für viele Beobachter überraschend gut halten. Er bewegte sich in einer Spanne von 1,02 und 1,04 Franken. 

Laut Herbert steckt die Schweizerische Nationalbank dahinter, die am Markt interveniere und somit den Aufwertungsdruck auf den Franken etwas nehme. Herbert selber wagt noch keine Prognose zum künftigen Verlauf des Kurspaares Euro/Franken. "Ich kann mir noch keine Meinung bilden aufgrund von Fakten."

Aber generell habe "der Franken seine besten Zeiten gesehen", so Herbert im cash-Börsen-Talk. Negativzinsen, dann sich anbahnende Probleme bei der Schweizer Exportindustrie und dem Schweizer Tourismus sprächen für einen weiter sich abschwächenden Franken. Gegen eine solche Tendenz liefen die nach wie vor grossen Streitigkeiten in der Eurozone. "Das nächste Problem wird Griechenland sein. Das kommt in grossen Schritten auf uns zu", so Herbert. 

Der neue griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras will trotz Warnungen der internationalen Geldgeber nicht am strikten Sparkurs des Landes festhalten. Zudem will er eine Neuregelung zum Abbau des 320 Milliarden Euro grossen Schuldenberges Griechenlands aushandeln und Tausende entlassene Beamte wieder einstellen. 

Fast etwas in den Hintergrund gerückt wegen des SNB-Knalls und der Griechenland-Wahlen ist der Beginn der Jahresberichterstattung der Schweizer Unternehmen. In der ablaufenden Woche haben die Pharmagiganten Roche und Novartis ihre Zahlen vorgelegt. Novartis kam mit der Jahresleistung bei den Investoren besser an als Roche, weshalb man laut Herbert Umschichtungen beobachten kann von den Roche-Genussscheinen zu Novartis-Aktien.

Im cash-Börsen-Talk äussert sich Alfred Herbert detailliert zu Roche und Novartis, er gibt Details zum Börsengang von Sunrise am 6. Februar und er äussert sich zum erstaunlichen Jahresstart, den der Silberpreis hinter sich hat.