«Noch nie zuvor waren Aktien günstiger»

Die Citigroup nennt Einflussfaktoren, welche die Aktienmärkte über die nächsten 12 Monate noch einmal kräftig anschieben werden. Weshalb Aktien noch nie so günstig wie jetzt waren.
11.12.2014 08:43
Von Lorenz Burkhalter
Kaum eine andere Grossbank ist so zuversichtlich für europäische Aktien wie die Citigroup.
Kaum eine andere Grossbank ist so zuversichtlich für europäische Aktien wie die Citigroup.
Bild: iNg

Die europäischen Aktienmärkte waren in den letzten Wochen und Monaten einem Wechselbad der Gefühle ausgesetzt. Zwischen den Jahreshöchstständen von Mitte Juni bei 3325 Punkten und den Tiefstständen vom Oktober bei 2790 Zählern liegen beim viel beachteten EuroStoxx 50 Index knapp 16 Prozent. Seit Jahresbeginn errechnet sich, in Euro betrachtet, ein mageres Plus von 1,3 Prozent.

Nach schwierigen Monaten geht die Citigroup von einem versöhnlichen kommenden Jahr für die Aktienanleger aus. Die für die amerikanische Grossbank tätigen Strategen sehen die europäischen Aktienindizes bis Ende 2015 um 20 Prozent steigen, Dividendenzahlungen aufgerechnet. Ihre Botschaft: Noch nie zuvor waren Aktien günstiger als heute.

Dabei wird die Aktienbewertung ins Verhältnis zu den Renditen für Unternehmensanleihen gesetzt. Allerdings waren die Zinsen auch noch nie zuvor so tief, der ultralockeren Zins- und Geldpolitik führender Zentralbanken sei Dank.

Die sechs «B's» für das kommende Aktienjahr

Für die Strategen der Citigroup steht fest, dass die europäischen Aktienmärkte im Laufe des nächsten Jahres noch einmal kräftig steigen sollten. Sie nennen sechs Einflussfaktoren, welche für höhere Kurse sprechen. Alle beginnen im Englischen mit einem «B»:

Bazookas: Dieser Begriff geht auf eine Äusserung von Notenbankchef Mario Draghi zurück. Im Winter 2011 warnte er die Märkte davor, dass die Europäische Zentralbank (EZB) mit der grossen Kanone auffahre werde, um Europa zu retten. Die amerikanische Grossbank sieht in einem Rückkaufprogramm für europäische Staatsanleihen einen wichtigen Kurstreiber für hiesige Aktien.

Bull Markets: Die Strategen rechnen mit einer weiteren Jagd nach Rendite. In Zuge dessen werden Anleger ihre Wertschriftendepots vermehrt in Richtung Aktien umschichten und so für eine dauerhafte Nachfrage sorgen.

Bubbles: Dass an den Aktienmärkten Bewertungsblasen entstehen, schliesst man bei der Citigroup nicht aus. Allerdings sei dies erst in zwei bis drei Jahren der Fall, so heisst es.

Barbells: Heisst auf deutsch soviel wie "Langhantel" und wird von den Strategen als Symbol für die zunehmende Ertragskraft europäischer Unternehmen angeführt. Mit dem zur Schwäche neigenden Euro im Rücken wird diesen im kommenden Jahr ein Gewinnwachstum von 10 bis 15 Prozent zugetraut. Einen substanziellen Beitrag erhoffen sich die Amerikaner aus dem Bankensektor.

Banks: Womit wir auch schon bei den Bankaktien angelangt sind. Diesem Marktsegment wird im Hinblick auf das kommende Jahr eine überdurchschnittliche Kursentwicklung zugetraut. Damit steht die Citigroup allerdings nicht alleine da. Auch die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse sind zuversichtlich, was europäische Bankaktien anbetrifft.

Buybacks: Durch die historisch tiefen Zinsen sollte es europäischen Unternehmen möglich sein, günstig Fremdkapital aufzunehmen und damit eigene Aktien zurückzukaufen. Auch die soliden Bilanzen und die reichlich vorhandenen Barmittel sprechen den Strategen zufolge für gross angelegte Aktienrückkäufe.

Die Citigroup ist deutlich zuversichtlicher für europäische Aktien als andere Grossbanken. Diese trauen den Aktienmärkten im Hinblick auf das kommende Jahr ein Aufwärtspotenzial von durchschnittlich um die 10 Prozent zu. Die zur Bewertung von Aktien gemachten Aussagen sind allerdings mit Vorsicht zu geniessen, sind die Zinsen doch an einem noch nie so tiefen Punkt angelangt und nur ein Resultat der ultralockeren Zins- und Geldpolitik.