Noch stärkerer Euro? - Europa als Nutzniesser des Trump-Trubels

Während in den USA die politischen Turbulenzen zunehmen, sendet die Euro-Zone Signale der Stärke aus. Davon dürften europäische Anlageklassen sowie der Euro profitieren, ist ein bekannter Ökonom überzeugt.
28.05.2017 11:12
Paris: Ausgangspunkt des jüngsten Aufschwungs für Europa.
Paris: Ausgangspunkt des jüngsten Aufschwungs für Europa.
Bild: Pixabay

Vorsicht in Bezug auf die US-Politik und eine relativ stärkere wirtschaftliche Entwicklung in der Eurozone könnten dazu führen, dass globale Asset-Manager Anlagegelder nach Europa umschichten, wobei der Euro der grosse Nutzniesser wäre. Diese Einschätzung vertritt Didier Saint-Georges, Managing Director und Mitglied im Anlageausschuss von Carmignac.

Europa befinde sich in einer sehr guten Lage, da sowohl der Konjunkturzyklus als auch die politische Visibilität zu seinen Gunsten sprächen, sagte er im Interview mit Bloomberg in Tokio. "Ich würde davon ausgehen, dass Europa mit Blick nach vorne ein grosser Nutzniesser von Asset- und Geldflüssen wird."

Carmignac, mit Sitz in Paris, betreute nach Angaben auf seiner Webseite Ende März ein Anlagevolumen von 60 Milliarden Euro.

Europäische Fonds profitieren bereits

Der Euro ist in diesem Monat erstmals seit November auf über 1,10 Dollar gestiegen, getrieben von der Wahl Emmanuel Macrons zum französischen Präsidenten. Die Zuflüsse in europäische Aktienfonds erreichten in der Woche zum 10. Mai einen wöchentlichen Rekord von 5,5 Mrd. Euro, wie aus Angaben von EPFR Global Data hervorging.

Die Aussicht, dass Frankreich und Deutschland eine engere Partnerschaft eingehen, um Europa zusammenzuhalten, könnte Saint-Georges zufolge zu einem noch stärkeren politischen Aufwärtspotenzial für den Euro führen. Zudem könnte die Gemeinschaftswährung von einer weniger lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank unterstützt werden.

In den USA ziehen dunkle Wolken auf

Auf der anderen Seite des Atlantiks hat sich der Ausblick für die USA mit den politischen Turbulenzen um Präsident Donald Trump umwölkt. Investoren zeigten sich besorgt im Hinblick auf seine Fähigkeit, Massnahmen wie die Steuer- und die Gesundheitsreform umzusetzen.

"Wenn man sich die Dynamik der US-Wirtschaft in Bezug auf die Verbraucherausgaben und die Unternehmensinvestitionen ansieht, kann die Dynamik nicht stark genug werden, wenn es keine Steuerreform gibt", sagte Saint-George. "Wenn die Steuerreform bis nächstes Jahr verzögert wird oder überhaupt nicht kommt, dann haben wir ganz klar ein politisches Problem."

(Bloomberg)