Norwegen - Der weltgrösste Staatsfonds wappnet sich gegen Handelsstörungen

Der Mann, der den grössten Staatsfonds der Welt verwaltet, versucht herauszufinden, wie viel Schaden ein umfassender globaler Handelskrieg seinem Portfolio zufügen könnte.
30.09.2018 15:33
Yngve Slyngstad, CEO des norwegischen Staatsfonds.
Yngve Slyngstad, CEO des norwegischen Staatsfonds.
Bild: Bloomberg

Yngve Slyngstad, der 55-jährige Vorstandsvorsitzende des norwegischen Fonds mit einem Volumen von einer Billion Dollar, ist für Investments in mehr als 70 Ländern und 9.000 Unternehmen auf der ganzen Welt verantwortlich. Mit einem Engagement in diesem Umfang analysiert er die Signale aus den USA und China genauer als die meisten anderen.

"Es ist durchaus möglich, dass es Brüche im Handel geben wird", sagte Slyngstad in einem Interview mit Bloomberg TV in New York.

Der Fonds, der Norwegens Öl-Erlöse im Ausland investiert, wurde geschaffen, um die Früchte der Globalisierung und des damit verbundenen Wachstums zu ernten. Der Investor besitzt rund 1,4 Prozent der globalen Aktien und hält sich eng an die Indizes, sodass es schwierig ist, den Störungen für die Weltwirtschaft zu entgehen.

Slyngstad macht sich Sorgen über das Los Chinas in dieser neuen Weltordnung. Aber er hinterfragt auch die Zukunft der globalen Lieferketten, die die Produktion bestimmen und auf die sich Unternehmen wie Apple verlassen, um iPhones in China herzustellen.

"Die interessante Frage langfristig ist, ob die globalen Lieferketten neu konfiguriert werden", sagte er. "Ob das tatsächlich zu zwei regionalen Lieferketten führt, eine die auf die USA ausgerichtet ist, und eine für China, oder werden wir noch, wie heute, eine globalisierte Lieferkette haben."

Der Fonds hat in den letzten Jahren versucht, seine Investments auf der ganzen Welt gleichmässiger zu verteilen, indem er einen Anteil von rund zehn Prozent in Schwellenmärkten aufbaut und sogar in Frontier-Märkte vorstösst. Die Folgen des Handelskriegs waren im Ergebnisbericht für das zweite Quartal kaum zu übersehen, da der Fonds mit Schwellenländeraktien 5,7 Prozent und mit chinesischen Aktien 4 Prozent verlor.

Gleiche Anteile

Der Fonds hat wenig Möglichkeiten, sich vor einem Handelskrieg zu verstecken, aber er bleibt seinem Ziel treu, die Investments auf eine breitere Basis zu stellen. "Wir investieren einfach gleichgrosse Anteile auf der ganzen Welt", sagte Slyngstad.

Der Anlagehorizont des Fonds ist sehr langfristig und basiert auf der Erwartung, dass ethische Entscheidungen hier und jetzt tatsächlich wirtschaftlich sinnvoll sind. Mit Blick auf mehrere Generationen erwartet der Fonds, dass Aufmerksamkeit für den Schutz der Meere und des Klimas finanzielle Vorteile bieten.

Der Fonds hat bereits Kohle-Investments ausgeschlossen und vorgeschlagen, all seine Öl- und Gasaktien abzustossen, um die Gesamtabhängigkeit Norwegens vom Ölsektor zu reduzieren. Dies wird derzeit von der norwegischen Regierung geprüft.

Geld verdienen

Laut Slyngstad besteht für den Fonds kein Konflikt zwischen der Rettung der Umwelt und der Jagd nach guten Erträgen. Es gibt nur ein langfristiges Ziel: "Das ist der Versuch, Geld zu verdienen."

"Wir denken nur sehr langfristig darüber nach", sagte er. "Deshalb betrachten wir das Gesamtrisikobild."

Ein Risiko, das den Fonds nicht beunruhigt hat, ist der Brexit. Der Fonds hat weiterhin in Grossbritannien und London investiert, wo er in grossem Umfang Immobilien besitzt, darunter einen erheblichen Teil der Regent Street.

"Unser Vertrauen in London ist stark", sagte Slyngstad. "Nicht in erster Linie als Finanzzentrum, sondern als eine Welthauptstadt. Es gibt dort viele Aktivitäten, die für die Weltwirtschaft von entscheidender Bedeutung sind. Daher werden wir langfristige Investoren in London und Grossbritannien im Allgemeinen sein."

Was den Rest seiner Expansion in globale Städte auf der ganzen Welt betrifft, so hat sich diese in den letzten Jahren etwas verlangsamt. Der Fonds verfügt über ein Immobilienportfolio im Volumen von 26 Milliarden Dollar, das er auf rund 7 Prozent seines Anlagevolumens aufstocken will.

"Wir haben die derzeitigen Preise nicht wirklich attraktiv gefunden, deshalb haben wir in den letzten Jahren nicht so viel investiert", sagte er.

(Bloomberg)