Norwegen setzt auf Schweizer Problemkind

Die Liste der Schweizer Firmenbeteiligungen von Norwegens Staatsfonds wird immer länger. Auch am Modekonzern Vögele ist der Fonds beteiligt. Auffällig ist, dass die Skandinavier vermehrt auf Turnaroundkandidaten setzen.
05.09.2013 08:32
Von Lorenz Burkhalter

Es vergeht kaum eine Woche, an der sich Norwegens Staatsfonds nicht bei einem weiteren Schweizer Unternehmen als Aktionär zu erkennen gibt. Seit Donnerstag ist bekannt, dass die Skandinavier auch bei Charles Vögele eine Beteiligung von knapp über 3 Prozent aufgebaut haben.

Eigenen Angaben zufolge verwaltet der Fonds mittlerweile mehr als 600 Milliarden Dollar. Gut 60 Prozent dieser Gelder sind in Aktien angelegt. Alleine in der Schweiz sind die Skandinavier eigenen Angaben zufolge mit rund 6 Prozent ihrer Aktienanlagen an nahezu 100 Firmen beteiligt.

Dabei setzt Norwegens Staatsfonds nicht nur auf gängige Unternehmen wie UBS, Credit Suisse, Julius Bär, Roche, Zurich, Nestlé oder Novartis. Über die letzten Wochen und Monate ist er vermehrt auch bei kleineren Schweizer Firmen eingestiegen. Alleine in der Zeit seit Anfang Jahr haben die Skandinavier bei Nobel Biocare, Clariant, Rieter, Valora, Logitech, Gategroup und Meyer Burger Beteiligungen von jeweils etwas mehr als 3 Prozent aufgebaut.

Indexiertes Anlegen oder gezielte Wetten?

Auffällig ist, dass sich die meisten dieser Unternehmen entweder inmitten eines operativen Turnarounds oder in einem Transformationsprozess befinden. Dasselbe gilt im weitesten Sinne auch für die beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse sowie für Julius Bär. Auch an diesen drei Firmen hält der Fonds substanzielle Beteiligungen.

Für gewöhnlich orientieren sich Grossinvestoren wie der Staatsfonds Norwegens mit ihren Anlagen sehr stark an den jeweiligen Aktienindizes. Rein rechnerisch müssten die Skandinavier in Europa rund zwei Prozent jedes Unternehmens besitzen.

Dass es sich bei den Schweizer Firmenbeteiligungen mehrheitlich um Turnaroundkandidaten handelt, dürfte allerdings mehr als nur ein Zufall sein. Deshalb ist das Engagement der Skandinavier für die jeweiligen Unternehmen und ihre Verantwortlichen dennoch so etwas wie ein Vertrauensbeweis.

Vorsitzender des Strategierates sprach mit cash

"Die Norweger besitzen zwei Prozent jedes Unternehmens in Europa. Somit gibt es eine Menge von Unternehmen, an denen die Norweger knapp unter oder über drei Prozent halten", sagte Elroy Dimson im Frühjahr Gespräch mit cash. Dimson ist Vorsitzender des Strategierates des "Norwegian Government Pension Fund", wie der Staatsfonds auf englisch offiziell heisst.

"Verantwortungsvolles Investieren ist heute ein grosses Thema in Europa. Und Norwegen wäre stolz darauf, der verantwortungsbewussteste Investor der Welt zu sein", sagte Dimson weiter. Seine Aufgabe zusammen mit vier anderen Strategieratsmitgliedern ist es, das norwegische Finanzministerium darin zu beraten, wie die etwa 600 Milliarden Dollar des Staatsfonds angelegt werden sollen.

Dieses Anlagevolumen macht den Fonds zu einem der grössten Investoren weltweit. Die eigentliche Fondsverwaltung kommt der Norges Bank Investment Management (NBIM) zu, die Teil der Norwegischen Zentralbank ist. Sie soll möglichst hohe Renditen für Norwegens künftige Generationen erwirtschaften.