Notenbanken geben Aktienbörsen weiter den Takt vor

Über Wohl und Wehe der internationalen Finanzmärkte entscheiden Börsianern zufolge in der neuen Woche die Notenbanken aus den USA und Japan.
24.07.2016 12:42
Fed-Chefin Janet Yellen dürfe die Zinsen nicht anheben, aber Hinweise auf die künftige US-Geldpolitik geben.
Fed-Chefin Janet Yellen dürfe die Zinsen nicht anheben, aber Hinweise auf die künftige US-Geldpolitik geben.
Bild: pixabay.com

Vor allem der Zinsentscheidung der Fed am Mittwoch fieberten Investoren entgegen. Zwar gilt eine Anhebung als ausgeschlossen. Die Märkte werden aber auf die Details. Interessant sei vor allem die Frage, ob jemand gegen die Beibehaltung des Schlüsselsatzes von 0,25 bis 0,5 Prozent gestimmt habe. Dies würde Spekulationen auf eine Straffung der US-Geldpolitik noch in diesem Jahr schüren.

Commerzbank-Analyst Christoph Balz sagt für Dezember eine US-Zinserhöhung voraus, gefolgt von zwei weiteren 2017. Voraussetzung hierfür sei allerdings ein Ausbleiben weiterer Börsenturbulenzen sowie eines anhaltenden Wachstums. Seit der US-Zinswende vom Dezember 2015, spekulieren Börsianer darüber, wann die Fed die nächste Zinserhöhung folgen lässt.

Die Beratungen der Bank von Japan (BoJ) am Freitag stehen dagegen unter umgekehrten Vorzeichen: "Eine weitere Lockerung der Geldpolitik liegt auf der Hand", schreibt Frederic Neumann, leitender Volkswirt der HSBC in einem Kommentar. "Die Märkte erwarten rasche und entschlossene Massnahmen."

Italien-Banken im Fokus

Neben der Geldpolitik stehen die europäischen Banken erneut im Rampenlicht. Am Freitagabend (MESZ) sollen die Ergebnisse des Banken-Stresstests veröffentlicht werden. Die Bankenaufsicht EBA prüfte dabei 51 Institute auf ihre Krisenfestigkeit. Anders als bei der grossen Überprüfung 2014 gibt es keine Mindesthürde für die Kapitalausstattung - damit kann formal auch kein Institut durchfallen.

Dennoch treiben die italienischen Geldhäuser vielen Investoren Sorgenfalten auf die Stirn, weil sie auf einem 360 Milliarden Euro hohen Berg fauler Kredite sitzen. Das ist etwa ein Drittel aller Problemdarlehen in der Euro-Zone. Die italienische Regierung bemüht sich seit Monaten um eine Einigung mit der EU über staatliche Beihilfen für die maroden Institute des Landes. "Nach dem Banken-Stresstest ist die EU gefordert", betont Niall Delventhal, Analyst des Brokerhauses DailyFX. "Ich bin optimistisch, dass eine Lösung gefunden wird."

Ein weiteres Sorgenkind ist die Deutsche Bank, deren Chef John Cryan stets betont, dass sein Haus kein zusätzliches Kapital benötige. DailyFX-Experte Delventhal erwartete vom Stresstest allerdings keine bösen Überraschungen. Unabhängig davon legt die Deutsche Bank am Mittwoch ihre Quartalsbilanz vor. Analysten erwarten im Schnitt einen Mini-Gewinn von elf Millionen Euro.

Bilanzsaison auf Hochtouren

Auch in der Schweiz legen mit Julius Bär (Montag), Vontobel (Dienstag), Credit Suisse (Donnerstag) und UBS (Freitag) vier grosse börsenkotiierte Banken ihre Zahlen vor. Ebenfalls am Freitag präsentiert der SMI-Konzern Swiss Re die Zweitquartalszahlen. Zahlreiche weitere Unternehmen aus dem breiten Markt veröffentlichten in der letzten Juliwoche ebenfalls ihre Ergebnisse.

Bei den Konjunkturdaten richtet sich das Augenmerk der Börsianer auf den Ifo-Index am Montag. Er lässt Rückschlüsse darauf zu, wie stark sich das Brexit-Referendum auf die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen auswirkt. Am Donnerstag folgt das vergleichbare Stimmungsbarometer für die Unternehmen der Euro-Zone. Hinweise auf die Aussichten für die US-Zinsen erhoffen sich Börsianer von der ersten Schätzung des US-Wachstums im zweiten Quartal (Freitag).

(Reuters)