Novartis bleibt Nummer zwei in Basel

Die Börse jubelt über das Novartis-Ergebnis, die Analystenschar ist gespalten. In einem sind sich die Experten aber einig: Der Zahlenkranz für das vergangene Jahr ist kein Reisser. Bevorzugt wird ein anderer Titel.
29.01.2014 09:07
Von Lorenz Burkhalter
Das von Novartis veröffentlichte Jahresergebnis weiss nicht so recht zu überzeugen.

Im frühen Handel legt die Novartis-Aktie am Mitwoch im Gleichschritt mit dem Gesamtmarkt 0,6 Prozent zu. Damit setzt der Titel nach der Präsentation der Jahreszahlen 2013 die Kurserholung fort. Seit Anfang Jahr liegt Novartis knapp 1 Prozent im Plus. 

Trotz dem Jubel an der Börse werden die Zahlen des Pharmakonzerns in Analystenkreisen sehr kontrovers beurteilt - wie kaum bei einer anderen Schweizer Aktie. In einem ist man sich indes einig: Der am Mittwoch vorgelegte Zahlenkranz lässt zu wünschen übrig. 

Novartis verfehlte die Konsensschätzungen im Schlussquartal des vergangenen Jahres sowohl beim Gruppenumsatz als auch beim Kern-EBIT. Einzig der Kern-Reingewinn fiel leicht besser als erwartet aus. Die Aussagen der Firmenverantwortlichen zum laufenden Jahr entsprechen weitestgehend den bisher gemachten und decken sich mit den Konsensschätzungen. Dementsprechend nüchtern fallen auch die ersten Analystenkommentare aus.

Margen im Pharmageschäft und bei Alcon rückläufig

Bei Vontobel heisst es, die Zahlen seien im Rahmen der Erwartungen ausgefallen. Von den Schlüsselmedikamenten hätten Gilenya und Afinitor leicht enttäuscht. Dennoch sei der Umsatz in diesem Bereich etwas höher als erwartet ausgefallen, was sich vom Gruppenumsatz allerdings nicht sagen lasse. Eine leichte Schwäche bei der Tochter Sandoz im US-Markt und negative Wechselkurseffekte hätten Spuren hinterlassen.

Im Pharmageschäft und bei Alcon sei die operative Marge stärker als befürchtet gefallen. Der Analyst glaubt deshalb, dass das Geschäftsmodell von Novartis den Herausforderungen nicht gewachsen sei. Im laufenden Jahr drohe Schlüsselmedikamenten wie Gilenya oder Lucentis vermehrt Wettbewerb. Die Aktie wird bei Vontobel deshalb mit «Reduce» und einem Kursziel von gerademal 62 Franken zum Verkauf empfohlen.

MainFirstBank zieht Roche vor

Der Analyst der MainFirst Bank bezeichnet die während des Schlussquartals erzielte Umsatzentwicklung als bestenfalls knapp im Rahmen der Erwartungen liegend. Auf den Stufen operativer Kerngewinn und Gewinn je Aktie seien die bankeigenen Schätzungen allerdings um je 6 Prozent verfehlt worden. Die wichtigsten Geschäftszweige und die meisten Schlüsselprodukte seien den Erwartungen gerecht geworden.

Einzig bei Alcon und im Bereich nicht verschreibungspflichtiger Medikamente habe die Margenentwicklung enttäuscht und auch der Free Cash Flow sei schwach ausgefallen, was die Schwierigkeiten des breit abgestützten Geschäftsmodells unterstreiche. Der Analyst glaubt, dass sich das Interesse des Marktes wieder auf das Entwicklungsprojekt Serelaxin verlagere und gibt dem Genussscheinevon Roche ganz klar den Vorzug. Die Aktie von Novartis wird hingegen mit einem Kursziel von 68 Franken zum Verkauf empfohlen.

Sein Berufskollege von Kepler Cheuvreux bezeichnet den vorliegenden Zahlenkranz als im Rahmen der Erwartungen liegend. Die Ergebnisqualität sei insgesamt zwar gut, es gebe allerdings auch Schwachstellen. So beispielsweise der im Jahresvergleich um 13 Prozent rückläufige Free Cash Flow oder den um 4 Prozent tieferen Kerngewinn je Aktie. Der Analyst bleibt deshalb bei seiner neutralen Einschätzung der Aktie.