Novartis-CEO: «Es sieht viel besser als im ersten Quartal aus»

CEO Joseph Jimenez sieht Novartis auf dem richtigen Weg. Seine Hoffnungen beruhen vor allem auf einem neuen Medikament. Dafür nimmt er einen kurzfristig tieferen Gewinn in Kauf.
19.07.2016 11:35
Von Pascal Züger
Joseph Jimenez, CEO Novartis, im Video-Interview.
Bild: cash

Der Basler Pharmakonzern Novartis hat seine eigene Prognose, die Zahlen in etwa auf dem Niveau des Vorjahres zu halten, im zweiten Quartal 2016 erfüllt. Zu konstanten Wechselkursen ergab sich beim Umsatz eine unveränderte Entwicklung.

Beim Leukämiemedikament Glivec sind die Markenrechte abgelaufen, aber das schreckt CEO Joseph Jimenez nicht. "Wenn man bedenkt, dass wir trotz auslaufendem Patentschutz für Glivec praktisch den gleichen Umsatz wie vor einem Jahr erzielt haben, dann bedeutet es, dass unsere Wachstumsprodukte Gilenya und Cosentyx diese Ausfälle mehr als kompensiert haben", erklärt er im Video-Interview. Gilenya ist ein Medikament zur Behandlung von Multipler Sklerose, während Cosentyx bei Schuppenflechte eingesetzt wird. 

Die Anleger scheinen mit dem Resultat aber nicht gänzlich zufrieden zu sein, im Handel wird die Aktie derzeit mit minus 0,8 Prozent abgestraft (Stand 11.00 Uhr) . Das könnte mit dem vom Konzern heute vorsichtiger als bisher formulierten Gewinnausblick zusammenhängen. Grund dafür sind zusätzliche Vorabinvestitionen für noch nicht lange am Markt erhältliche Medikamente wie Cosentyx und Entresto.

Verkäufe von Entresto entscheidend

Grosses erwartet Jimenez vor allem vom Herzmedikament Entresto, welches in den USA von der Medical Association "als Standard in der Behandlung von Herzfehlern" festgelegt wurde. Deshalb werde man dort die Investitionen ausweiten und die Zahl der Aussendienstmitarbeitenden, welche Entresto verkaufen, verdoppeln. "Es sieht viel besser als noch im ersten Quartal aus", so ein zuversichtlicher Jimenez.

Diese hohen Investitionen in Entresto könnten den Konzern gemäss Jimenez in diesem Jahr zwar "ein paar Prozentpunkte des Betriebsertrages kosten", für den langfristigen Erfolg von Novartis sei dies aber der richtige Weg. Man stecke viel in dieses Medikament, da nun endlich die positiven Nachrichten gekommen seien, auf welche man gewartet habe. "Jetzt maximieren wir das Potential von Entresto."

Entresto wurde im vergangenen Jahr eingeführt. Lange Zeit schien das Medikament zur Behandlung von chronischen Herzschwächen jedoch ein Flop zu werden. Wegen der zunächst fehlenden Rückerstattung des Kaufpreises durch die Krankenkassen verlief der Verkaufsstart in den USA harzig. Die US-Zulassung hatte Novartis im Juli 2015 erhalten, im September folgte die Schweizer Bewilligung, im November diejenige für die EU.

Warum Novartis bei der Immun-Onkologie mittelfristig eine führende Rolle spielen wird und wie die weiteren Aussichten für die Augenheil-Sparte Alcon sind , erläutert Joseph Jimenez im Video-Interview.

(Mit Material von AWP)