Novartis greift Konkurrenz mit Biosimilars an

Der Pharmakonzern Novartis will seinen Rivalen mit Nachahmerversionen von wichtigen Biotech-Medikamenten Milliarden-Umsätze abnehmen.
20.06.2016 06:25

Bis 2020 will der Basler Konzern sogenannte Biosimilars von fünf wichtigen Arzneien auf den Markt bringen. Mit den Originalversionen dieser Mittel erzielten die Konkurrenten Roche, Johnson & Johnson, AbbVie sowie Amgen im vergangenen Jahr einen Gesamterlös von 44 Milliarden Dollar, wie der Basler Pharmakonzern mitteilte.

Die Nachahmerversionen könnten bis zu 75 Prozent billiger als die Originalmedikamente sein, sagte Novartis-Chef Joe Jimenez. Bislang bietet Novartis drei Biotech-Nachahmermittel an.

Angesichts des Kostendrucks im Gesundheitssystem setzt Novartis auf eine hohe Nachfrage nach günstigeren Nachahmermedikamenten. Doch die Herausforderungen sind hoch. Die Biotech-Medikamente können nicht exakt nachgebaut werden. Der Aufwand für die Entwicklung und Zulassung ist daher deutlich höher als bei klassischen Generika.

In den USA wartet Novartis auf grünes Licht

Während die Europäische Arzneibehörde EMA bereits drei Biosimilars von Novartis zugelassen hat, fehlt in den USA noch grünes Licht der Arzneibehörde FDA. Ärzte seien skeptisch, ob die Medikamente der Originalversionen entsprechen, räumte Marc McCamish ein, der für die Biopharma-Entwicklung der Novartis-Generikasparte Sandoz zuständig ist. Zudem drohen die Produzenten der Originalarzneien mit Patentklagen.

AbbVie argumentiert zum Beispiel, dass sein Medikament Humira zur Behandlung rheumatoider Arthritis noch bis 2022 Patentschutz geniesst. Novartis sieht dies anders und zählt Humira zu den fünf Medikamenten, von denen der Konzern bis 2020 eine Nachahmerversion auf den Markt bringen will. AbbVie erlöste mit Humira 2015 weltweit 13 Milliarden Dollar.

Zudem plant Novartis Nachahmerversionen der Amgen-Arznei Neulasta, die zur Behandlung von Infektionen bei Krebspatienten eingesetzt wird, und des Rheumamittels Enbrel ebenfalls von Amgen, des Rheumamittels Remicade von Johnson & Johnson sowie des Roche-Krebsmedikaments Rituxan, das auch als MabThera bekannt ist.

(SDA)