Novartis offenbar vor Kauf eines US-Generikaherstellers

Kaum hat Novartis sich eine neue Struktur gegeben, könnten schon bald wieder Veränderungen anstehen.
14.11.2016 11:45
Die Novartis-Tochtergesellschaft Sandoz ist hinter Teva Nummer zwei im weltweiten Generika-Business.
Die Novartis-Tochtergesellschaft Sandoz ist hinter Teva Nummer zwei im weltweiten Generika-Business.
Bild: Bloomberg

So ist der Pharmakonzern laut Nachrichtenagentur Bloomberg derzeit in Übernahmegesprächen mit dem US-Generikahersteller Amneal Pharmaceuticals. Gleichzeitig erklärt Verwaltungsratspräsident Jörg Reinhardt in der Wochenendpresse, man halte sich bei der kriselnden Augensparte Alcon alle Optionen offen. An der Börse werden die Fragezeichen der Investoren grösser.

Wie Bloomberg am Montagmorgen unter Bezug auf mit der Angelegenheit vertraute Quellen berichtet, könnte Novartis mit dem Zukauf des US-Unternehmens seine eigene Generika-Tochter Sandoz stärken. Die beiden Unternehmen könnten schon bald zu einer Einigung kommen, heisst es im Bericht weiter. Allerdings seien noch keine endgültigen Entscheidungen getroffen worden.

Ein Verkauf der nicht gelisteten Amneal könnte das Unternehmen mit bis zu 8 Milliarden Dollar bewerten. Das US-Unternehmen arbeite derzeit mit einem Berater, um mögliche Optionen auszuloten.

Bei Novartis hiess es auf Anfrage von AWP, man kommentiere keine Marktgerüchte.

Bislang lautete die Devise: «Nur ergänzende Zukäufe»

Die Nachricht kommt etwas überraschend. Immerhin hatte Novartis-CEO Joseph Jimenez erst bei der Vorlage der Quartalszahlen im Oktober erneut betont, dass man nicht an grösseren Übernahmen interessiert sei, sondern vielmehr an sogenannten "bold-on aquisitions", also Zukäufen, die das bereits bestehende Portfolio optimal ergänzen oder abrunden. Sollte man tatsächlich eine grössere Übernahme in Betracht ziehen, dann müsse sie für die Aktionäre des Pharmakonzern auf den ersten Blick nachvollziehbar sein, hatte der Manager seinerzeit noch angefügt.

Gleichzeitig hatten sich gerade Analysten seit der Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten vergangene Woche zum Thema Fusionen und Übernahmen in der Branche geäussert und erklärt, dass durch Trump und seine angedachten Programme die Aktivitäten hier wieder etwas ansteigen dürften, da beispielsweise die angedachten Steuererleichterungen für Unternehmen ihre Spuren in deren Kriegskassen hinterlassen dürften.

Geduld mit Augensparte Alcon ist nicht unendlich

Während das Unternehmen also angeblich über eine Vitaminspritze für seine Generika-Tochter nachdenkt, wird bei der Augentochter Alcon klar, dass die Geduld des Managements nicht unendlich ist. Man denke über die Zukunft der Sparte nach, sagte VRP Reinhardt im Interview mit der "Sonntagszeitung".

Novartis konzentriere sich darauf, die Wende voranzutreiben. "In Zukunft halten wir uns aber alle Optionen offen. Da stellt sich auf lange Sicht die Frage, ob wir der beste Eigentümer für Alcon sind", sagte Reinhardt.

Der VR-Präsident wiederholt damit letztendlich Aussagen, die das Management ebenfalls schon gemacht hat. Immer wieder hatte zuletzt auch Jimenez erklärt, Ziel sei es, Alcon zunächst beim Umsatz wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Was danach komme, sei dann zu entscheiden. Allerdings lässt auch diese Wende länger als bislang gedacht auf sich warten. Ursprünglich sollte Alcon ab der zweiten Jahreshälfte 2016 eine allmähliche Besserung aufweisen - dieses Ziel wurde nun auf das frühe 2017 verschoben.

An der Börse haben sich die zunehmenden Fragen am Montagmorgen eins zu eins im Kurs gespiegelt. Starteten die Novartis-Aktien noch mit Kursgewinnen von mehr als 1 Prozent in den Handel, schmolz dieses bis etwa 11.45 Uhr auf 0,1% zusammen, was den Kurs auf 72,55 CHF bringt. Der Leitindex SMI gewinnt zeitgleich 0,6% hinzu.

(AWP)