Novartis und Credit Suisse reissen Schweizer Börse in die Tiefe

Kursverluste der Credit Suisse und der Marktschwergewichte haben am Donnerstag die Schweizer Börse belastet.
28.07.2016 17:40
Ein schwerer Brocken lastet am Donnerstag auf den Schweizer Börsenindizes: Die Aktie von Novartis.
Ein schwerer Brocken lastet am Donnerstag auf den Schweizer Börsenindizes: Die Aktie von Novartis.
Bild: Bloomberg

Die Firmenergebnisse aus dem In- und Ausland seien zwar mehrheitlich gut ausgefallen, hätten aber nicht ausgereicht, um den Markt weiter nach oben zu bringen, sagen Händler. Nach den jüngsten Gewinnen neigten die Anleger zu Gewinnmitnahmen. Der SMI büsst bis Handelsschluss 1,5 Prozent auf 8095 Punkte ein. Anfangs war der Leitindex bis auf 8254 Zähler gestiegen.

Zudem habe die Charttechnik ein Verkaufssignal ausgesandt. "Seit April bewegt sich der SMI in einem Kanal zwischen 7600/7700 und 8250 Punkten seitwärts. Wir haben uns einmal mehr am oberen Ende der Handelsspanne den Kopf gestossen", sagt ein Händler. "Der SMI hat ein steigendes Dreieck herausgebildet. Eine solche Formation gilt als kurzfristiges Verlaufssignal", sagt ein anderer Börsianer.

Die US-Notenbank habe den Märkten auch keine positiven Impulse verliehen. Die Fed beliess die Leitzinsen wie erwartet unverändert. Sie hatte sich aber die Tür für eine Zinserhöhung offengehalten.

CS-Aktie aus den Portfolios gekippt

Massiv unter Druck standen die Aktien der Credit Suisse. Nach einem Plus von rund 3 Prozent im frühen Handel stürzte der Kurs um fast 7 Prozent ab. Zum Börsenschluss beträgt der Abschlag noch 5 Prozent. Die Abgaben stammten zu einem Grossteil aus dem Ausland, heisst es. Händler sagten, auf den ersten Blick sei das Ergebnis besser als erwartet. Die Anleger störten sich aber an der Auflösung von Kreditrückstellungen und den sinkenden Erträgen. Auch Gewinnmitnahmen drückten auf den Kurs, nachdem sich die CS-Aktien von ihrem Rekordtief von 9,75 Franken zum Monatsanfang bis auf 11,95 Franken hochgearbeitet hatten. "Zudem hat die Führung der Credit Suisse mit der Aussage, die Bank sei kein Übernahmeziel, etwas Fantasie herausgenommen", sagt ein Börsianer. Die Grossbank hat im zweiten Quartal einen Gewinn von 170 Millionen Franken erzielt und damit überraschend gut abgeschnitten.

Auch Befürchtungen, die Aktien von CS und der Deutschen Bank könnten aus dem Stoxx-50-Index fallen, könnten die Kurse der beiden Banken belastet haben. Viele Grossanleger messen sich an einem der wichtigen Börsenindizes.

Bankaktien büssten europaweit 2,6 Prozent ein. "Die Angst vor negativen Überraschungen beim Stresstest der EZB macht sich bemerkbar", sagt ein Händler. Am Freitag legt zudem die grösste Schweizer Bank UBS Ergebniszahlen vor. Die UBS-Aktien sinken um 2,1 Prozent.

Die Anteile von EFG International, die nach dem Zwischenbericht am Mittwoch ein Viertel an Wert gewonnen hatten, fielen wegen Gewinnmitnahmen um 9,5 Prozent.

Schwergewichte belasten den SMI massiv

Ein Grossteil des Indexrückgangs ist den schwergewichtigen Pharmawerten geschuldet. Novartis sacken um 2 Prozent ab. Es kursierten Spekulationen, Novartis könnte ein Auge auf den Rivalen Astra-Zeneca werfen. Astra-Zeneca-Konzernchef Pascal Soriot hatte am Donnerstag ohne weitere Angaben gesagt, er glaube, ein Rivale könnte an der Medikamentenpipeline interessiert sein.

Die Anteile von Roche sinken um 1,5 Prozent. Mit Nestlé verliert ein weiteres Marktschwergewicht 1 Prozent an Kurswert.

Gefragt waren dagegen die Aktien von Logitech mit einem Plus von 13,6 Prozent. Der Computerzubehör-Hersteller schnitt im ersten Geschäftsquartal besser ab als ein Jahr zuvor und hob ihre Prognose an.

Dagegen büsst Clariant nach den Halbjahreszahlen 3,6 Prozent an Wert ein. Der Gewinn des Chemiekonzerns schrumpfte um 10 Prozent auf 128 Millionen Franken. Kosten etwa für die Verlagerung von Teilen der Produktion nach Indien schmälerten das Ergebnis. Clariant hält Ausschau nach ergänzenden Zukäufen und will dafür bis zu 150 Millionen Franken auf den Tisch legen.

Zykliker im Verkauf

Die Anteile zyklischer Werte rutschten in die Minuszone. Die Kurse von Adecco, Geberit und Swatch sinken um mehr als 1 Prozent, ABB geben 0,4 Prozent nach.

Am breiten Markt rücken die Papiere von Bobst 2,7 Prozent vor. Die Verpackungsmaschinen-Firma erhöht nach einem guten Halbjahr ihre Umsatzprognose.

Die Aktien von Dätwyler verlieren 1,5 Prozent. Die Übernahme der britischen Premier Farnel steht auf der Kippe. Die US-Firma Avnet hat das Angebot von gut einer Milliarde Franken der Innerschweizer Firma überboten. Dätwyler teilte mit, die Optionen zu prüfen.

(Reuters)