Nun wirft auch die UBS bei Richemont das Handtuch

Einst stand Richemont hoch in der Gunst der Banken. Auch die UBS empfahl die Aktie des Luxusgüterherstellers vier Jahre lang zum Kauf. Nun wirft sie überraschend das Handtuch.
31.08.2016 09:27
Von Lorenz Burkhalter
Der Absatz bei der Richemont-Tochter Cartier erwies sich bisweilen als widerstandsfähig.
Der Absatz bei der Richemont-Tochter Cartier erwies sich bisweilen als widerstandsfähig.
Bild: Bloomberg

Noch bis vor wenigen Monaten galt der Luxusgüterkonzern Richemont als der Liebling unter den Vertretern aus dem Swiss Market Index (SMI). Es gab kaum eine Bank, welche der Anlagekundschaft die Aktie nicht zum Kauf empfahl.

Doch nichts ist mehr, wie es einmal war. Nach dem überraschend schwachen Jahresergebnis vom Mai dieses Jahres entziehen Banken dem Unternehmen reihenweise ihre Liebe.

Neuerdings auch die UBS Investmentbank. In einer heute Mittwoch erschienenen Studie stuft sie die Aktie erstmals seit gut vier Jahren von "Buy" auf "Neutral" herunter. Mit 62 Franken liegt das 12-Monats-Kursziel knapp 7 Prozent über dem Schlussstand vom Vortag.

Mitte September steht der Zwischenbericht an

Wie die für die Schweizer Grossbank tätige Studienautorin schreibt, hat sie sich in den vergangenen Wochen mit mehreren Uhrenhändlern aus Hongkong getroffen. Diese Gespräche hätten den schwierigen Ausblick für die Schweizer Uhrenindustrie und die Richemont-Tochter Cartier bestätigt, so ergänzt sie.

Im Hinblick auf den Zwischenbericht für die ersten fünf Monate des Fiskaljahres 2016/17 von Mitte September hält die Analystin das Chancen-Risiko-Verhältnis bestenfalls für ausgeblichen. Der Grund: Die zuletzt überraschend solide Entwicklung der Richemont-Aktie. Zu den heutigen Kursen nehme die Unternehmensbewertung eine Erholung der operativen Marge (EBIT) von 15 Prozent für das laufende Jahr auf mittelfristig rund 20 Prozent vorweg, was die Studienautorin allerdings anzweifelt.

Mit dieser vorsichtigen Haltung steht die Analystin nicht alleine da. In den vergangenen drei Monaten haben gleich mehrere ihrer Berufskollegen bei Richemont das Handtuch geworfen, unter anderem jene der Citigroup, HSBC oder Morgan Stanley. Bei der Credit Suisse wird die Aktie des Luxusgüterherstellers aus Genf seit Anfang August sogar mit "Underperform" und einem Kursziel von gerademal 50 Franken zum Verkauf empfohlen.

Eine Achterbahnfahrt für die Aktionäre

Erhebungen der Nachrichtenagentur AWP zufolge rät mittlerweile nur noch knapp jede zweite Bank zum Kauf der Richemont-Aktie. Neben der Credit Suisse empfehlen sie sogar zwei weitere Banken zum Verkauf.

Kursentwicklung der Richemont-Aktie seit September 2012, Quelle: www.cash.ch

Als die UBS-Analystin die Aktie im September vor vier Jahren von "Neutral" auf "Buy" heraufstufte, notierte diese mehr oder weniger auf dem Stand von heute. Innerhalb weniger Monate kletterten die Kursnotierungen damals in die Nähe von 100 Franken.

Seither geht es aber wieder bergab, wenn auch von starken Kurs- und Stimmungsschwankungen begleitet. Während den Anlagekunden der UBS Investmentbank in den vier Jahren unter dem Strich nicht viel geblieben ist, legte der Swiss Market Index (SMI) immerhin um knapp einen Viertel zu.