Nur eine europäische Bankaktie ist im grünen Bereich

Ein Blick auf die Kursentwicklung 2016 von grossen europäischen Banken zeigt: Die Credit Suisse tummelt sich inmitten angeschlagener italienischer Institute. Und nur eine Aktie weist eine positive Performance auf.
12.07.2016 06:46
Von Pascal Züger
Leuchtwerbung von Standard Chartered im Zentrum von Bangkok.
Leuchtwerbung von Standard Chartered im Zentrum von Bangkok.
Bild: cash

Banken in Europa haben es derzeit alles andere als leicht. Der Branchenindex hat in diesem Jahr ganze 34 Prozent eingebüsst - oder anders ausgedrückt: ein Drittel des Börsenwertes der grösseren Banken in Europa wurde innerhalb eines halben Jahres wegradiert. Alleine seit dem Brexit-Votum am 24. Juni ging es mit dem Index 22 Prozent herunter. 

Aber alleine dem Brexit die Schuld für die Misere in die Schuhe zu schieben, greift zu kurz. Die Probleme gehen tiefer: Die Bankenbranche in Europa konnte sich nie so wirklich von den Folgen der Finanzkrise aus den Jahren 2007/8 erholen. Die Kapitaldecken bleiben dünn, vor allem bei italienischen Instituten. Die Erträge stehen unter Druck, vielerorts laufen harte Sparprogramme. Die Bekanntgabe von Restrukturierungprogrammen (die nicht selten erfolglos stecken bleiben) gehören zur Tagesordnung. Kurz: Der Brexit deckt nun schonungslos auf, dass die Wunden europäischer Banken nie wirklich verheilen konnten.

Bricht man die Performance in diesem Jahr auf einzelne Titel herunter, wird das Ausmass der Bankenmisere noch deutlicher: Von den 39 europäischen Banken und Finanzdienstleistern im BEBANKS Index von Bloomberg konnte 2016 gerade Mal eine einzige Aktie zulegen. Alle anderen büssen an Wert ein, teils sogar massiv (siehe Tabelle unten).

Die beste Bank kommt aus… Grossbritannien!

Doch welches ist die einzige Bank Europas, welche trotz turbulentem Umfeld in diesem Jahr immerhin 4 Prozent zulegen konnte? Es ist Standard Chartered mit Sitz in London. Ausgerechnet eine britische Bank - stuften Analysten als Brexit-Folge britische Banken doch gleich reihenweise herab. Die Institute müssten sich auf steigende Kreditausfälle, eine geringere Kreditnachfrage und höhere Refinanzierungskosten einstellen, so der Tenor nach dem Brexit-Votum.

Trotzdem kann sich ein Londoner Finanzinstitut mit dem Titel der bestperformenden Bank-Aktie in diesem Jahr schmücken. Wie ist das möglich? Was auf den ersten Blick völlig kontraintuitiv klingt, wird bei genauerem Betrachten des Geschäftmodells von Standard Chartered plausibler: Die Briten haben zwar London als Standort, ihr Geschäftsschwerpunkt liegt allerdings in Asien - das gleiche gilt übrigens auch für HSBC, die ebenfalls unter den Top 10 der Bankaktien in diesem Jahr zu finden ist (Performance in diesem Jahr: minus 12 Prozent).

Der Brexit löste keinen starken Kurs-Knick bei Standard Chartered aus, doch die Aktie der Bank startete in diesem Jahr von einem tiefen Niveau. Denn in den letzten zwölf Monaten fiel die Aktie um über 40 Prozent. Eine aufsteigende Tendenz ist erst seit Februar 2016 beobachtbar, wie dieser Chart zeigt.

Jahresperformance der Aktie von Standard Chartered. Quelle: cash.ch

Dabei schien die britische Grossbank ausgerechnet im Februar am Boden zu liegen, als die Jahreszahlen 2015 offengelegt wurden: Eine gestiegene Vorsorge für faule Kredite im Rohstoffsektor und hohe Kosten für den Konzernumbau sorgten 2015 für einen Verlust von 2,2 Milliarden Dollar

Umbauarbeiten bei Standard Chartered im Gange

Altlasten, die der seit Juni 2015 amtierende CEO Bill Winters nach und nach wegzuräumen versucht: Er strich kurzerhand die Dividende, 15'000 Arbeitsplätze und sammelte Kapital von mehr als fünf Milliarden Dollar. Ausserdem strich Winters die Jahresboni der Manager. All die Massnahmen konnten die Bilanz etwas stärken.

Für die Bank ist der Weg zurück auf die Erfolgsspur aber noch immer ein weiter: Die Umbauarbeiten sollen noch bis Mitte 2017 andauern, wie das Management selbst Ende April verlauten liess. Und CEO Winters verkündete ausserdem, dass die finanzielle Entwicklung der Bank auch 2016 gedämpft bleibe.

Nichtsdestotrotz scheinen die Anleger so langsam an den Erfolg dieser Restrukturierungsbemühungen zu glauben, in den letzten 4 Wochen stieg der Kurs um ganze 14 Prozent an. Eine Performance, die derzeit unter Banken eine grosse Rarität darstellt.

Nächste Gelegenheit, zusätzliche Anleger vom eingeschlagenen Weg zu überzeugen, bietet sich Standard Chartered am 3. August: Dann werden die Halbjahreszahlen 2016 veröffentlicht.

Skandinavier top, Italiener und CS flop

Zwar bleibt ihnen der Spitzenplatz verwehrt, doch zeigen sich mit sechs Titeln auch auffallend viele skandinavische Finanzinstitute in den Top 10 der besten Bankaktien 2016. Die Danske Bank (Performance dieses Jahr: minus 8 Prozent) ist hinter Standard Chartered zweitbeste Bankaktie,  die Swedbank (minus 9 Prozent) drittbeste. Das alles ist kein Zufall: Die Skandinavier sind stark im traditionellen Kreditgeschäft verankert. Was vielleicht eher langweilig daherkommt, macht die Banken aber krisenresistenter.

Und geht es nach dem Analyst von Exane BNP Paribas, so hat vor allem die Swedbank die besten Aussichten: Zwar sei es die "teuerste Bank Europas", aber gleichzeitig auch "die profitabelste und am besten kapitalisierte". Hinzu kommt die attraktive Dividendenrendite der Swedbank (5,8 Prozent) und das allgemein hohe Wirtschafswachstum Schwedens (4,2 Prozent im ersten Quartal).

Am anderen Ende der Rangliste tummeln sich - wenig überraschend - viele italienische Banken. Am schlimmsten traf es die Aktie der Banco Popolare aus Verona - minus 77 Prozent in diesem Jahr. Italiens Geldhäuser haben wegen der Wirtschaftsflaute der vergangenen Jahre einen Berg an faulen Krediten von rund 360 Milliarden Euro aufgehäuft. Ein milliardenschwerer Rettungsfonds der italienischen Regierung soll den Banken unter die Arme greifen. Noch ist aber unklar, ob ein solches Programm mit den EU-Bankrichtlinien vereinbar wäre.

Inmitten der kriselnden Italiener ist unter den Flop 10 auch eine Schweizer Grossbank vertreten: Die Credit Suisse. Der Kursverlust von 50 Prozent in diesem Jahr ist alles andere als erbaulich, letzte Woche fiel die Aktie zwischenzeitlich gar erstmals unter 10 Franken. Durch den Kurszerfall droht der CS nun auch der Ausschluss aus dem Stoxx Europe 50. Und solange keine positiven Reformschritte erkennbar sind, wird auch die Kritik an CEO Tidjane Thiam und Verwaltungsratspräsident Urs Rohner nicht leiser.

Performance europäischer Banktitel seit Jahresbeginn

Beste Performance Schlechteste Performance
Titel Performance seit 1.1.16, in % Titel Performance seit 1.1.16, in %
Standard Chartered (England) +4 Banco Popolare (Italien) -77
Danske Bank (Dänemark) -8 Unicredit (Italien) -63
Swedbank (Schweden) -9 UBI Banca (Italien) -59
DNB ASA (Norwegen) -10 Banca Popolare di Milano (Italien) -58
Bankinter (Spanien) -12 Banco Popular Espanol (Spanien) -57
HSBC (England) -12 Credit Suisse (Schweiz) -50
Svenska Handelsbanken (Schweden) -14 Bank of Ireland (Irland) -49
Banca Mediolanum (Italien) -16 Deutsche Bank (Deutschland) -48
Jyske Bank (Dänemark) -18 Royal Bank of Scotland (Schottland) -44
Skandinaviska Enskilda (Schweden) -21 Intensa Sanpaolo (Italien) -43

Quelle: Bloomberg, Stand 09.07.2016