«Obszön hohe Zinsen» in Brasilien

Als brasilianische Anlagewerte im vergangenen Jahr ausverkauft wurden, traf Hedgefonds-Manager Luiz Fernando Figueiredo eine mutige Aussage: Die Angst um eine Finanzkrise des Landes sei übertriebe.
02.08.2016 19:35
Dank einem Leitzins von 14,25 Prozent lässt sich mit dem brasilianischen Real zurzeit viel Gewinn machen.
Dank einem Leitzins von 14,25 Prozent lässt sich mit dem brasilianischen Real zurzeit viel Gewinn machen.
Bild: Pixabay

Der Markt werde sich wieder erholen, prophezeite Figeiredo. Jetzt, nach überdurchschnittlichen Rallys in vielen Bereichen des brasilianischen Finanzmarktes, sieht es nicht danach aus, als werde er aussteigen und Gewinne mitnehmen. Er argumentiert, dass sich noch mehr Geld machen lasse. Das gelte besonders mit Blick auf die Währung - wegen der 14,25 Prozent hohen Leitzinsen, die seiner Meinung nach viele ausländische Investoren, die auf der Suche nach Rendite sind, angesichts der abnehmenden Sorgen um die Staatsverschuldung ins Land locken werden.

Der amtierende Präsident Michel Temer hatte sofort nach Amtsübernahme nach Massnahmen Ausschau gehalten, um Finanzen und Wirtschaft Brasiliens zu stabilisieren. Vorgängerin Dilma Rousseff war im Mai wegen einer Amtsenthebungsverfahrens aus dem Posten gedrängt worden.

"Da sich das Land in die richtige Richtung bewegt, ist es nahezu unmöglich, dass ein Land mit obszön hohen Zinsen keine grossen Kapitalzuflüsse erfährt", sagt Figueiredo, ein ehemaliger Notenbank-Direktor und Gründer von Maua Capital in Sao Paulo.

Vom Real überzeugt

Figueiredo prognostiziert, dass der Real um rund 9 Prozent auf 3 Real je Dollar bis Jahresende steigen wird. Das steht im Gegensatz zum Konsens in einer Bloomberg-Umfrage, der auf einen schwächeren Real in diesem und im nächsten Quartal deutet.

Im bisherigen Jahresverlauf ist der Real bereits um 20 Prozent nach oben geschossen. Das Plus fällt fast doppelt so hoch aus wie bei der nächstbesten Währung eines Schwellenlandes. Im vergangenen Jahr hatte die Devise noch 33 Prozent ihres Wertes verloren.

Figueiredos optimistische Einschätzung von Ende vergangenen Jahres hat seinen Kunden dicke Dividenden beschert. Der 241Millionen Real schwere Flaggschiff-Fonds von Maua, der vor allem in Staatsbonds und Unternehmensanleihen investiert, hat im bisherigen Jahresverlauf rund 16 Prozent eingebracht und damit 98 Prozent aller vergleichbaren Fonds schlagen.

Er war selbstverständlich nicht der einzige, der den Tiefpunkt bei brasilianischen Anlagewerten richtig vorhergesagt hatte. So erklärte beispielsweise die Asset-Management-Sparte von J.P. Morgan Chase im November, dass die lokalen Staatsanleihen zu billig seien, um nicht zuzuschlagen. Und im Dezember empfahl Société Générale, die Auslandsbonds des Landes zu kaufen.

Als Aktien-Broker begonnen

Figueiredo ist seit Jahrzehnten an den brasilianischen Märkten engagiert. Als er noch zur Universität ging, startete er seine Karriere als junger Aktien-Broker. Im Jahr 1999 trat er in die Zentralbank ein - nur Monate nach der Abwertung des Real. Zu einer weiteren Krise kam es drei Jahre später, als die sich abzeichnende Wahl des Arbeitervertreters Luiz Inacio Lula da Silva zu Sorgen führte, das Land werde möglicherweise seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen. Die Renditen der Benchmark-Dollar-Bonds stiegen auf über 20 Prozent an, bevor Lula versprach, dass Haushaltsdefizit des Landes einzudämmen.

Mehr als ein Jahrzehnt später kämpft das Land erneut damit, seine Verschuldung in den Griff zu bekommen. Zwar steckt die Wirtschaft weiter in einer Rezession fest, doch bei Umfragen zu Unternehmens- und Konsumentenvertrauen zeichnet sich eine Trendumkehr ab.

Auf der Agenda von Temer steht nun ein Gesetz ganz oben, das den Anstieg der öffentlichen Ausgaben auf die Inflationsrate des Vorjahres begrenzen würde.

Das Ausmass der Rally beim Real "hängt vom Umfang der Reformen und der fiskalischen Anpassungen ab, zu denen die Regierung in der Lage sein wird", sagt Figueiredo.

(Bloomberg)