Oerlikon baut nach Gewinneinbruch Organisation um

Der Industriekonzern Oerlikon hat im zweiten Quartal 2016 einen niedrigeren Umsatz und Bestellungseingang erzielt. Der Halbjahres-Konzerngewinn halbierte sich und die Organisation wird angepasst.
02.08.2016 08:57
Der CEO von Oerlikon: Rolf Fischer.
Der CEO von Oerlikon: Rolf Fischer.
Bild: ZVG

Die Profitabilität von Oerlikon konnte im grössten Segment Surface Solutions gesteigert werden, war in den übrigen beiden Divisionen jedoch rückläufig. Insgesamt halbierte sich der Konzerngewinn in den ersten sechs Monaten. Die Holdingstruktur wird bei Oberflächentechnologie aufgelöst, und der Gruppen-CEO übernimmt die operative Leitung. Der Ausblick für das Gesamtjahr wird unverändert beibehalten.

Der Umsatz war in der Berichtsperiode um rund 16% auf 577 Mio CHF gegenüber dem Vorjahreszeitraum rückläufig. Zu konstanten Wechselkursen betrug der Wert 562 Mio, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilt. Der Bestellungseingang sank um 7% auf 594 Mio. Der Bestellungsbestand per Mitte Jahr betrug 401 Mio, was gegenüber Ende erstes Quartal 2016 einem Minus von 4,5% und entspricht im Jahresvergleich von rund -26%.

Der EBITDA brach um 35% auf 80 Mio CHF ein und die entsprechende Marge ging auf 13,9% nach 17,8% im Vorjahreszeitraum zurück. Für den Konzerngewinn gibt es nur einen Halbjahreswert: Er halbierte sich auf 43 Mio von 87 Mio im Vorjahr. Der Konzern hatte den Verkauf des Segments Vacuum angekündigt, und die Vorjahreszahlen wurden entsprechen bereinigt.

Die ausgewiesenen Zahlen liegen beim Bestellungseingang leicht über, bei Umsatz und Betriebsgewinn unter den Prognosen der Experten. Analysten hatten gemessen am AWP-Konsens einen Auftragseingang von 583 Mio CHF, einen Umsatz von 589 Mio und einen EBITDA von 84 Mio prognostiziert.

Manmade Fibers: Nachfrageschwäche in China

Das Segment Surface Solutions steigerte den Umsatz um 1,9% auf 315 Mio CHF und der EBITDA wuchs um 2,9% auf 71 Mio. Die positive Dynamik aus dem ersten Quartal habe angehalten und die Nachfrage im Automobil- und Luftfahrtsektor sei intakt geblieben, heisst es weiter. Im Werkstoff- und Anlagengeschäft sowie in der US-amerikanischen Stromerzeugungsbranche wurde ein Rückgang der Nachfrage registriert.

Der Bereich der additiven Fertigung (AM) wurde durch strategische Partnerschaften, etwa in den USA und China, weiter ausgebaut. Oerlikon prüfe derzeit den Aufbau von Standorten in der Nähe potenzieller US-amerikanischer AM-Kunden, so das Unternehmen weiter.

Rückläufig war aufgrund der Nachfrageschwäche in China die Entwicklung bei der Division Manmade Fibers. Der Umsatz verbuchte ein Minus von 34% auf 209 Mio CHF, der EBITDA fiel mit -2 Mio negativ aus. Der wichtige Markt für Filamentanlagen sei schwierig geblieben und der Abwärtstrend halte weiter an, schreibt das Unternehmen. In den mit 20% Umsatzanteil vergleichsweise kleinen Stapelfaser- und Anlagenbaubereichen habe es weiter positive Signale gegeben.

Das Geschäft des Segments Drive Systems werde nach wie vor durch ein anspruchsvolles Marktumfeld in der Landwirtschaft, Bau, Transport sowie Energie/Bergbau geprägt. Der Umsatz ging gegenüber dem Vorjahr um 4,1% auf 164 Mio CHF zurück und der EBITDA sank um 29% auf 12 Mio.

Belastend habe der Rückgang in margenstärkeren Geschäftsbereichen wie dem Öl- und Gassektor gewirkt. Positiv wird das Plus beim Bestellungseingang um rund 11% gewertet und sequentiell zum ersten Quartal konnte der Umsatz (Q1 159 Mio) gesteigert und die EBITDA-Marge auf 7,1% von 5,8% verbessert werden.

CEO Fischer übernimmt neue Funktionen

Der CEO des Unternehmens, Roland Fischer, übernimmt den Chefposten der Division Surface Solutions. Zudem werden der Konzernhauptsitz und die Division in eine gemeinsame Organisation integriert. Er löst damit Roland Herb ab, der per 1. August 2016 zum Chief Commercial Officer des Segments ernannt wurde, heisst es weiter.

Er sei für das beschleunigte Wachstum und die strategische Zusammenarbeit mit Schlüsselkunden verantwortlich. Seine Funktion als CEO des Segments und als Mitglied der Konzernleitung (Executive Committee) gibt er ab. Per Anfang 2017 werde die Organisation angepasst, wobei die Position des Divisions-CEO entfalle. Dann werden die Bereichsleiter direkt an den Oerlikon-CEO Fischer berichten.

Der Konzern will weiterhin den Fokus auf die operative Ertragskraft legen. Auf Basis der Ergebnisse hat Oerlikon die Guidance bekräftigt. Für das laufende Jahr 2016 rechnet das Management weiter mit einem Bestellungseingang und Umsatz zwischen 2,3 und 2,5 Mrd CHF sowie einer EBITDA-Marge im mittleren Zehnprozentbereich. Die weltwirtschaftlichen und geopolitischen Entwicklungen sowie deren Auswirkungen auf die Märkte seit Anfang des Jahres würden eine Herausforderung darstellen und dürften weiterhin schwierig bleiben.

(AWP)