Oerlikon-CEO: «2016 wird schwieriges Jahr»

Der Industriekonzern Oerlikon richtet die drei verbliebenen Sparten neu aus. Dabei kommt es zum Stellenabbau ausserhalb der Schweiz. CEO Brice Koch erläutert im Video-Interview die Massnahmen.
30.11.2015 15:10
Brice Koch ist CEO von OC Oerlikon.
Bild: cash

Das Technologieunternehmen aus Pfäffikon SZ will sich nach dem Verkauf der Sparte Vakuum neu ausrichten. Während das grösste Segment Surface Solutions gestärkt werden soll, kommt es in den Bereichen Manmade Fibers (Anlagenbau zur Herstellung von Chemiefasern) und Drive Systems (Antriebssysteme für Land- und Baumaschinen sowie Sportwagen) zu einer Reorganisation. Oerlikon hatte sich bereits in den letzten Jahren neu aufgestellt. Verlustreiche Bereiche wurden ins Ausland verkauft und das Kerngeschäft Oberflächenbehandlung mit der Übernahme von Sulzer Metco verstärkt.

"Wir wollen die Produktivität an unseren Stanorten verbessern, indem wir automatisieren und die Prozesse vereinfachen", sagt Oerlikon-CEO Brice Koch im Video-InterviewAls Ursache für die Massnahmen gibt Koch die schlechte Konjunkturlage an vor allem in der Erdöl- und Erdgasindustrie, in der Landwirtschaft sowie im Bergbau an. In China laufen zudem die Geschäfte so schlecht, dass der Konzern auch in diesem eigentlich als Wachstumsmarkt klassifizierten Land markante Stellenstreichungen vornehmen muss. Oerlikon gab die Massnahmen am Montag anlässlich eines Investorentages bekannt. Bereits früher hatte Oerlikon die Sparten Solar und Naturfasern sowie das Segment Advanced Technologies veräussert.

Die geplanten Massnahmen werden laut Koch sowohl bei Drive Systems als auch Manmade Fibers jeweils zum Abbau von "hunderten Stellen" führen. Genauere Angaben wollte der 51-jährige Koch, der seit November 2013 Oerlikon-CEO ist und von ABB kam, unter Verweis auf die laufenden Gespräche mit Arbeitnehmervertretungen nicht machen. Dabei werde etwa die Zahl der Zeitarbeitskräfte reduziert. Auch Frühpensionierungen und freiwillige Austritte werde es geben. Manmade Fibers beschäftigt demnach derzeit rund 2'500 Menschen. Betroffen seien vor allem die Standorte in Deutschland und China.

Aktie fällt deutlich

Auch bei Drive Systems ist ein Abbau geplant. Hier arbeiten rund 6'000 Personen, und die betroffenen Standorte sind in China, Indien und Italien. In den USA hatte das Unternehmen bereits zuvor aufgrund der Nachfrageschwäche im Landmaschinenbereich Stellen abgebaut. Insgesamt beschäftigt Oerlikon 15'000 Mitarbeiter an 140 Standorten weltweit.

Die strukturellen Massnahmen dürften laut einem Communiqué im Jahr 2015 einmalige Kosten in Höhe von 90 bis 100 Millionen Franken generieren. Ausserdem muss das Unternehmen infolge der Reorganisation im Segment Drive Systems sowie der Nachfrageflaute einen Abschreiber von 470 Millionen Franken verkraften. Unter dem Strich erwartet das Management für das Geschäftsjahr 2015 einen Verlust um die 400 Millionen Franken.

Investoren reagieren ungehalten über die Massnahmen von Oerlikon. Die Aktie verliert am Montag an der SIX über 6 Prozent. Seit April 2014 hat der Titel über 30 Prozent eingebüsst. Einige Analysten stören sich an der überraschenden Höhe Kosten und der Goodwill-Wertberichtigung. Gerätselt wird auch über den Geschäftsgang von Manmade Fibers und Drive Systems. Andere Analysten begrüssen die Schritte von Oerlikon.

"Bei Drive Systems befinden wir uns in einem perfekten Sturm", sagte Koch an einer Medienorientierung vor dem Investorenanlass. Ausgenommen der einmaligen Kosten bleibe die Gesamtjahresprognose des Konzerns aber unverändert. Die Massnahmen von Oerlikon kommen auch im Blick auf das nächste Jahr. Denn "2016 wird an den Märkten, so wie es aussieht, ein schwieriges Jahr", sagt Koch im Video-Interview.

Die Beteiligungsgesellschaft Renova des russischen Investors Viktor Vekselberg hält 43 Prozent an OC Oerlikon.

(cash/SDA/AWP)