Ökonomen zum Inflationsanstieg in der Eurozone

Die Preise in der Eurozone sind Ende 2016 wegen höherer Energiekosten so kräftig gestiegen wie seit über drei Jahren nicht mehr. Erste Reaktionen von Ökonomen.
04.01.2017 11:34
Euro-Symbol vor der ehemaligen Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Euro-Symbol vor der ehemaligen Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Bild: cash

Waren und Dienstleistungen kosteten im Dezember durchschnittlich 1,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistikamt Eurostat am Mittwoch mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit 1,0 Prozent gerechnet, nachdem die Inflationsrate im November noch bei 0,6 Prozent gelegen hatte. In ersten Reaktionen hiess es:

HOLGER SANDTE, NORDEA:

"Die Inflation im Euroraum ist wie erwartet gestiegen, aber von einem spürbaren Preisauftrieb auf breiter Front kann bisher keine Rede sein, auch in Deutschland nicht. Solange sich die Kerninflationsrate nur langsam nach oben bewegt, wird die EZB an ihrem expansiven Kurs festhalten."

ALEXANDER KRÜGER, BANKHAUS LAMPE:

"Die Zeit der Null-Teuerung ist vorbei. Das hängt in erster Linie mit dem Ölpreis zusammen und nicht mit der Konjunktur oder den EZB-Wertpapierkäufen. Die Teuerungsrate dürfte vorerst knapp über der Ein-Prozent-Marke bleiben."

JÖRG ZEUNER, KfW:

"Euroland startet 2017 mit einer guten Nachricht: Bei der Inflationsrate steht zum ersten Mal seit September 2013 wieder eine Eins vor dem Komma. Das ist ein Vorgeschmack auf den Januar, wenn sogar die Zwei in Reichweite kommt. Dahinter stehen vor allem höhere Ölpreise, die vor einem Jahr am Boden lagen. Doch die robuste Konjunktur, steigende Löhne bei einem sich bessernden Arbeitsmarkt und allgemein anziehende Preise für Rohstoffe sind Zutaten für eine auch perspektivisch höhere Inflation. Die EZB wird dies wohlwollend zur Kenntnis nehmen, aber noch einige Bestätigungen abwarten, bevor sie mit ihrer Geldpolitik reagiert."

THOMAS GITZEL, VP BANK:

"Rechnet man die Energie- und Nahrungsmittelpreisentwicklung heraus, ist der Anstieg minimal: Die Kerninflationsrate steigt nur geringfügig von 0,8 auf 0,9 Prozent. An dieser Grundkonstellation wird sich in den kommenden Monaten kaum etwas ändern. Die Teuerungsraten werden aufgrund der im Jahresvergleich höheren Ölpreise weiter steigen, die Entwicklung der Kerninflationsrate bleibt lethargisch.

Darüber hinaus sollte auch bedacht werden, dass die Ölpreise beginnend mit dem März 2016 wieder deutlich zulegten. Der Teuerungseffekt der Ölpreise wird also ein kurzes Intermezzo sein. Die EZB muss sich also weiterhin in Demut üben. Der Geldhahn bleibt deshalb vorerst weit geöffnet." 

(Reuters)