Ökonomen zur Geldpolitik der Schweizer Notenbank

Die Schweizerische Notenbank (SNB) hält am eingeschlagenen geldpolitischen Kurs fest und setzt zur Schwächung des Frankens weiterhin auf Negativzinsen und Devisenmarktinterventionen. Erste Reaktionen.
16.06.2016 11:35
Nach wie vor beliebt bei ausländischen Investoren: Der Schweizer Franken.
Nach wie vor beliebt bei ausländischen Investoren: Der Schweizer Franken.
Bild: cash

Kommentare von Ökonomen zur vierteljährlichen Lagebeurteilung der SNB:

SANDRA HOLDSWORTH, INVESTMENT MANAGER FIXED INCOME BEI KAMES CAPITAL, EDINBURGH

"Wie erwartet hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre Geldpolitik nicht geändert und hält an ihrem Ziel fest, den Franken zu schwächen. Sie hält den Franken nach wie vor für signifikant überbewertet. Die Wirtschaftsprognosen wurden kaum verändert und die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft bleiben grossmehrheitlich positiv. Wir erwarten, dass die SNB an der Geldpolitik mit dem negativen Einlagezins noch für einige Zeit festthält."

"Ein grosses Risiko ist das bevorstehende Referendum über den Verbleib Grossbritanniens in der Europäischen Union." Sollte der Franken bei einem `Ja` zum Brexit erstarken, dürfte die SNB weitere Massnahmen ergreifen. "Dies könnte eine weitere Senkung des Liborsatzes und des Einlagezinses in ähnlichem Ausmass bedeuten."

CORNELIA LUCHSINGER, CHEFÖKONOMIN BEI DER ZÜRCHER KANTONALBANK (ZKB)

Das Risiko besteht, dass Grossbritannien die Europäische Union verlässt. Wenn dies geschieht, wird die SNB stärker unter Druck geraten. Nach den jüngsten Marktturbulenzen ist es sehr wahrscheinlich, dass die SNB aggressiver intervenieren wird.

DANIEL HARTMANN, ÖKONOM BEI BANTLEON BANK, ZUG

In ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung hat die SNB heute kein neues geldpolitisches Signal gegeben. Vielmehr wurden Wording und Prognosen weitgehend unverändert belassen (trotz Brexit-Gefahr). Insgesamt spielt die SNB auf Zeit und wartet das Brexit-Referndum ab. Sollt sich danach die Lage an den Finanzmärkten stabilisieren und der Franken wieder leicht abwerten, werden die Währungshüter ihren Kurs der ruhigen Hand fortsetzen (keine zusätzlichen Massnahmen). Wir gehen allerdings davon aus, dass sich das weltwirtschaftliche Umfeld im Laufe des 2. Halbjahr 2016 nochmals eintrübt und damit die Wahrscheinlichkeit einer nochmaligen Leitzinssenkung zunimmt.

Sollte es zum Brexit kommen beziehungsweise keine Beruhigung nach dem Referendum eintreten (trotz "remain") wird die SNB aus unserer Sicht noch schneller unter Druck geraten. Sie dürfte dann um eine Leitzinssenkung auf minus 0,90 Prozent oder sogar minus 1,0 Prozent nicht umhinkommen. Eine Abwertung des Euros gegenüber dem Franken auf unter 1,05 - 1,07 Franken wird sie mit allen Mitteln zu verhindern versuchen. Devisenmarktinterventionen sind in diesem Zusammenhang aus unserer Sicht kein glaubwürdiges Instrument, da die Devisenreserven der Notenbank bereits bei fast 100 Prozent des BIP liegen.

RICHARD MOSER, HEAD OF FIXED INCOME BEI AXA INVESTMENT MANAGERS, ZÜRICH

Erwartungsgemäss verblieb die SNB "Gewehr bei Fuss" und erwähnte in ihren Kommentaren einen moderat positiven Wachstumsausblick mit angestiegenen Inflationserwartungen hinsichtlich der jüngsten Erholung des Ölpreises. Nicht wirklich überraschend ist auch der Hinweis auf die bestehenden Risiken für die Weltwirtschaft und namentlich eines allfälligen Austritts von Grossbritannien aus der EU. Die SNB wird sich daher bis auf weiteres auf ihre fortwährenden Interventionen im Devisenmarkt beschränken, wobei die Wahrscheinlichkeit zusätzlicher Massnahmen im Falle eines "Brexit" als relativ hoch einzuschätzen ist.

(Reuters)