Öl-Rivalen der Nordsee teilen zur Kostensenkung Ersatzteile

Der grösste Einbruch am Ölmarkt seit Jahrzehnten lässt die Unternehmen der Branche in einem Ausmass kooperieren, das sie nie für möglich gehalten hätten.
26.06.2016 19:15
Auf der Nordsee spannen die Öl-Firmen zusammen.
Auf der Nordsee spannen die Öl-Firmen zusammen.
Bild: Bloomberg

Eine der teuersten Ölregionen der Welt übernimmt dabei eine Führungsrolle. Vergangenen Monat begannen Firmen, die in der Nordsee aktiv sind, damit, Ersatzteile und Werkzeuge zu bündeln. Sie teilen selbst Pläne zu Bohrungen, so dass sie schneller und billiger arbeiten können. Das verrät Paul Goodfellow, Vice President bei Royal Dutch Shell mit Verantwortung für Großbritannien und Irland.

Das ist eine Kehrtwende gegenüber der Ölboom-Zeit, als die Kosten ein nicht so großes Thema waren, solange sich 100 Dollar je Barrel am Markt erzielen ließen.

"Wir waren nicht besonders auf die Kosten mit derartiger Dringlichkeit fokussiert, als die Preise für Öl und Gas hoch lagen", gibt auch Colette Cohen, Senior Vice President für Großbritannien und die Niederlande beim Erdgasanbieter Centrica Plc, zu. "Dieser Tage kommt man jeden Tag rein und grübelt darüber nach, wie man es besser machen kann. Oder wie man die Kosten reduzieren kann."

Die Unternehmen der Branche haben auf den Preiseinbruch mit geringeren Ausgaben reagiert. Bis 2020 werden sie potenziell bis zu einer Billionen Dollar einsparen.

Kosten konnten gesenkt werden

Laut Analyst Malcolm Dickson vom Beratungsunternehmen Wood Mackenzie hat der Sektor die Kosten insgesamt um 10 bis 15 Prozent reduziert. Doch in Großbritannien beispielsweise würden rund drei Viertel dieser Einsparungen mit Dingen wie Mietraten für Ölpattformen in Verbindungen stehen. Bei denen sei davon auszugehen, dass sie wieder steigen, sobald es bei den Ölpreisen erneut nach oben gehe.

Die von Shell vorangetriebene Initiative in der Nordsee versucht, genau das zu vermeiden.

Shell und Partner wie EnQuest , Marathon Oil, Apache, Centrica und Talisman (Repsol SA) hätten im vergangenen Jahr mit Gesprächen dazu begonnen, einen Pool für Ersatzteile anzulegen - von Schrauben bis hin zu Kompressoren, berichtet Goodfellow.

Sie bildet eine Gruppe für das Management der Lagerbestände, brachten ihre überschüssige Ausrüstung ein, legten einen Katalog an und fanden ein Lagerhaus in Aberdeen, um mehr als 200.000 Teile einzulagern. Das System, das von einem Unternehmen namens Ampelius Trading verwaltet wird, ist vor ein paar Wochen an den Start gegangen.

Bohrpläne werden untereinander geteilt

Wenn jetzt beispielsweise Shell ein Ventil für eine Anlage in der Nordsee braucht, kann sich das Unternehmen in das System einloggen, sich den Katalog ansehen, eine Bestellung aufgeben und sich das Teil am nächsten Tag liefern lassen, statt "sechs Wochen, sechs Monate" zu warten", sagt Goodfellow.

Shell führt seinen Worten zufolge auch eine Gruppe mit dem Namen Wells Forum an. Es bittet seine Mitglieder darum, ihre Bohrpläne zu teilen, damit andere ihre Meinung dazu abgeben können mit dem Ziel, die Kosten niedrig zu halten.

Shell, BP  and Engie SA seien die ersten Unternehmen gewesen, die ihre Pläne veröffentlichten, verrät Goodfellow. Sieben weitere seien gefolgt. Letztlich habe das dazu beigetragen, die Kosten um mindestens zehn Prozent zu senken. Unter dem Strich ist es Goodfellow zufolge gelungen, die operativen Kosten in dem Gebiet in den vergangenen 24 Monaten um bis zu 40 Prozent zu drücken. 

(Bloomberg)