Ölpreis-Kollaps fordert erste «Opfer»

Der kollabierende Ölpreis stellt auch einige Schweizer Unternehmen vor Probleme. Nun treffen in diesem Zusammenhang erste Aktienrückstufungen aus der Analystengemeinde ein. cash sagt wo.
05.12.2014 08:15
Von Lorenz Burkhalter
Der Ölpreis-Kollaps dürfte ABB stärker treffen als gedacht.

Nach dem Entscheid der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) die Fördermenge unverändert beizubehalten, hat sich die Talfahrt beim Rohöl noch einmal beschleunigt. In den letzten Tagen brach der Preis für ein Fass der Sorte Brent Crude vorübergehend auf 67,53 Dollar ein. Alleine seit Mitte Juni hat das "schwarze Gold" rund 40 Prozent eingebüsst.

Obschon die Öl- und Gasindustrie am Schweizer Aktienmarkt eine vernachlässigbare Rolle spielt, stellt der Ölpreis-Kollaps einige Unternehmen zunehmend vor Probleme.

Verkaufsempfehlung für ABB-Aktie

Kurz vor dem Wochenende treffen in diesem Zusammenhang nun erste Aktienrückstufungen aus demAnalystenlager ein. Weitere dürften folgen, sollte sich beim Ölpreis nicht bald eine Erholung abzeichnen.

ABB gilt zwar nur am Rande von den jüngsten Entwicklungen betroffen. Schätzungen zufolge tragen Kunden aus der Öl- und Gasindustrie weniger als 10 Prozent zum Jahresumsatz bei. Dennoch stuft die Deutsche Bank die Aktie des in Zürich beheimateten Industriekonzerns mit einem 19,50 Franken lautenden Kursziel von "Halten" auf "Verkaufen".

Der verantwortliche Analyst bezeichnet die nächstjährigen Wachstumsziele als ambitiös hoch. Er sieht nicht nur im schwierigeren Wirtschaftsumfeld, sondern auch im Ölpreiszerfall Gefahren für ABB. Auf den ersten Blick seien dessen Auswirkungen auf die Auftragslage in den Bereichen Discrete Automation und Process Automation zwar überblickbar. Indirekt drücke der stark gefallene Ölpreis jedoch auf die vom Gedanken der Energieeffizienz getriebene Investitionstätigkeit.

Bei den firmeneigenen Mittelfristzielen sei ABB von einem Ölpreis von über 100 Dollar je Fass ausgegangen, was eigentlich bereits alles sage, so der Analyst.

Mit SGS ein weiteres prominentes «Opfer»

In einer Studie zum europäischen Warenprüfsektor schlägt der für die UBS-Investmentbank tätige Verfasser ungewohnt vorsichtige Töne an. Der Analyst befürchtet, dass ein längerfristiger Ölpreis von unter 70 Dollar das Fass die Erträge aus der Öl- und Gasindustrie zwischen 20 und 55 Prozent einbrechen lassen würde.

Diese Risiken in Zahlen zu fassen, sei schwierig. Dennoch sieht er sich bei der Aktie von SGS zu einer Rückstufung von "Kaufen" auf "Neutral" gezwungen. Nach einer Reduktion seiner Gewinnschätzungen um durchschnittlich 6 Prozent errechnet der Analyst neu ein 12-Monats-Kursziel von 2100 (2300) Franken. Am Donnerstag ging die Aktie bei 2087 Franken aus dem Handel.

Da der Genfer Warenprüfkonzern rund 28 Prozent mit Kunden aus der Öl- und Gasindustrie erzielt, könnten weitere Banken dem Beispiel der UBS Investmentbank folgen.

Droht Sulzer ein ähnliches Schicksal?

Ein weiterer Kandidat für verhaltenere Wortmeldungen aus der Analystengemeinde ist Sulzer. Mit dem Verkauf der Tochter Metco hat das Winterthurer Traditionsunternehmen seine Abhängigkeit vom Öl- und Gasbereich sogar noch erhöht. Gut 50 Prozent des Jahresumsatzes werden mit Kunden aus diesem Wirtschaftszweig erzielt. Dass der jüngste Ölpreiszerfall Folgen für die Auftragslage von Sulzer hat, ist damit ziemlich sicher. Solche kämen für das Unternehmen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, befindet es sich doch inmitten einer strategischen Neuausrichtung und Restrukturierung.

Anders als bei den Aktien von ABB und SGS wird die Aktie von Sulzer in Analystenkreisen allerdings schon seit längerer Zeit eher negativ beurteilt. Das könnte sich jetzt als Vorteil erweisen.