WEF 2015

«Ölpreis treibt Autoverkäufe an»

Der stark gefallene Ölpreis heizt den Automarkt an, sagt Branchenanalyst Tim Armstrong. Im WEF-Interview sagt der Experte auch, was die letztlich grösste Herausforderung für die Schweizer Autozulieferer bildet.
27.01.2015 01:05
Von Marc Forster
Tim Armstrong, Vice-President Automotive beim Beratungsunternehmen IHS.
Bild: cash

Der tiefe Ölpreis wirke sicherlich verkaufsfördernd, und das wohl noch für einige Zeit: "Wir glauben, dass dadurch in den nächsten Jahren immerhin eine Million Autos pro Jahr mehr verkauft werden", sagt Tim Armstrong, der für das Beratungsunternehmen IHS arbeitet, im cash-Video-Interview. Ein Markt, wo sich der tiefe Ölpreis merklich auswirke, seien die USA.

2016 dürften 85 bis 88 Millionen Fahrzeuge verkauft werden. Die Automobilbranche wachse mit zwei bis drei Prozent im Jahr gut, sagt Armstrong. Unterscheide gebe es aber in den verschiedenen Märkten: "Der Charakter des Wachstums verschiebt sich." China bleibe der grösste Wachstumsmotor für die Autobranche und trage etwa zur Hälfte des Wachstums bei. Die erstarkende US-Wirtschaft verlagere den Fokus der Branche aber geographisch.

Dazu ist auch Europa, das wegen Schuldenkrise und Rezession eine tiefe Absatzkrise erlebt hat, wieder auf dem Wachstumspfad und bildet die drittgrösste Wachstumsregion. Europa werde aber nicht mehr zu den Wachstumsraten zurückkehren, wie sie noch vor der Finanzkrise bestanden hätten, sagt Armstrong. Bessere globale Wachstumsraten für die Industrie verhinderten indessen die derzeit schwachen Märkte in Russland und Südostasien.

Wettbewerbsfähigkeit entscheidend

Für die Schweizer Autozulieferer - zu den wichtigsten gehören Autoneum, Ems-Chemie, Feintool, Georg Fischer oder Sulzer - ist laut dem Analysten der erstarkte Franken schwierig. Eine noch wichtigere Herausforderung für die Branche sei aber die Konsolidierung in der gesamten Autobranche. Diese drückt sich unter anderem dadurch aus, dass die grossen Autokonzerne mehr und mehr mit Plattformen arbeiten, die für zahlreiche Auitomodelle und Fahrzeugkategorien immer vereinheitlichtere technische Systeme mit sich bringen.

"Es werden immer grössere Plattformen erforderlich: Firmen, die erfolgreich für diese Plattformen zuliefern wollen, müssen globalen Zuschnitt haben. Es lohnt sich, für eine der Mega-Plattformen wie VW tätig zu sein. Wenn man nicht dabei ist, verliert man Geschäft." Die Zulieferer müssten also den globalen Charakter der Industrie verstehen und bedienen lernen.

Der Trend zu sparsameren und umweltfreundlicheren Autos ist laut Tim Armstrong vor allem auf strengere Gesetze zurückzuführen. Der Experte gibt im cash-Video-Interview eine Einschätzung, ob die Branche selbst genug für den Umweltschutz leistet.