Online ist bei Migros nicht immer besser

Digitalisierung ist bei der Migros ein grosses Thema. Im Video-Interview mit cash sagt Migros-Chef Herbert Bolliger, in welchen Bereichen das Potenzial gross ist und weshalb die Erwartungen im Food-Bereich zu hoch waren.
13.04.2016 15:55
Von Pascal Züger
Herbert Bolliger, CEO des Migros-Genossenschafts-Bundes.
Bild: cash

Die Migros hat im letzten Jahr unter dem Einkaufstourismus und der Frankenstärke gelitten. Der orange Riese hat zwar gleich hohe Einnahmen erzielt wie im Vorjahr. Die Marge und damit der Gewinn sind jedoch um 4,2 Prozent gesunken, wie am Mittwoch an einer Pressekonferenz bekannt gegeben wurde.

Auffallend stark angestiegen ist hingegen das Online-Geschäft. 2015 resultierte aus diesem Bereich ein Umsatz von 1,6 Milliarden Franken, was ein Wachstum von hohen 47,3 Prozent ergibt. Rund ein Drittel dieses Online-Umsatzes stammt vom Shopping-Portal Digitec Galaxus, welches im letzten Jahr vollumfänglich in die Migros integriert wurde.

Wird die Migros nun noch digitaler? "Nicht alle Gebiete sind gleich onlineaffin", sagt Migros-Chef Herbert Bolliger im cash-Video-Interview. Während die Bereiche Bücher und Musik praktisch nur noch online existierten, habe es wiederum Bereiche wie der Baumarkt "do it", wo nur geringes Online-Potenzial erkennbar sei. Stark zunehmen werde das Online-Geschäft für Schuhe und Textilien.

Erwartungen an Online-Food waren zu hoch

Einen grossen Dämpfer erfuhr die Migros im Online-Geschäft für Lebensmittel. Zwar ist man mit Le Shop in diesem Bereich marktführend, doch ursprünglich ging man davon aus, dass Online-Käufe einmal 10 Prozent des Umsatzes aller Lebensmittel-Käufe ausmachen würden.

10 Prozent des Food-Umsatzes, das wären bei der Migros aktuell 1,5 Milliarden Franken. Effektiv erzielte man im Online-Food-Bereich 2015 aber einen Umsatz von gerade mal 176 Millionen Franken und ist somit weit von dieser Zielmarke entfernt. Das sieht auch Bolliger: "Wir wären schon sehr hoch, wenn wir einmal bei 5 Prozent des Umsatzes wären".

Der Kunde will vor Ort gehen, einen Service geleistet bekommen, erkärt sich Bolliger die eher magere Entwicklung im Online-Geschäft von Lebensmitteln. "Eine schöne Fisch- oder Käsetheke ist immer noch etwas, was 'gluschtig' macht."

Auch beim Thema Zukäufe dreht sich beim grössten Detailhändler der Schweiz alles um das Thema Digitalisierung: Man habe immer wieder interessante Kaufmöglichkeiten auf dem Tisch, sagt Bolliger, "wobei diese in der aktuellen Situation eher im digitalen Bereich liegen."

Für 2016 deutliche Gewinnerhöhung erwartet

Auch in diesem Jahr geht die Migros weiterhin von einem im Vergleich zum Euro starken Franken aus, was den Einkaufstourismus weiterhin auf einem hohen Niveau halten wird und entsprechend die Migros und auch andere Schweizer Detailhändler Einnahmen kostet.

"Vom Umsatz erwarte ich ein leichtes Wachstum, den Gewinn werden wir wieder deutlich erhöhen", zeigt sich der Migros-Chef trotz allem sehr optimistisch. Der Umsatz wachse deshalb, weil die Negativteuerung im Verlaufe des Jahres leicht zurückgehen werde. Im Moment verzeichnet die Migros allerdings noch immer eine stark negative Preisentwicklung von 1,5 Prozent auf ihrem Sortiment, nach minus 1,7 Prozent im letzten Jahr. Bolliger rechnet damit, dass diese bis Ende Jahr auf minus 1 Prozent zu stehen kommt.

Im Video-Interview mit cash sagt Bolliger ausserdem, weshalb er mit dem Geschäftsverlauf 2015 zufrieden ist und ob eine Umwandlung der Migros in eine Aktiengesellschaft ein Thema ist.

(Mit Material von AWP)