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Online-Reisebüro - Geht es mit Lastminute.com endlich aufwärts?

Bereits der Börsengang 2014 misslang gründlich. Auch in der Folge gab es für die Aktionäre von Lastminute.com kaum Grund zur Freude. Seit einem Monat ist nun aber ein kursmässiges Aufbäumen erkennbar.
05.09.2017 16:05
Von Pascal Züger
Die Buchungsplattform von Lastminute.com.
Die Buchungsplattform von Lastminute.com.
Bild: cash

Es war im April 2014, als die Online-Reiseagentur Lastminute.com mit Hauptsitz in Chiasso - damals noch unter dem exotisch klingenden Namen Bravofly Rumbo Group - an die Schweizer Börse ging. Ursprünglich für 48 Franken ausgegeben, fiel die Aktie bereits am ersten Handelstag auf 44,50 Franken.

Und dieser missglückte Start sollte nur ein Vorgeschmack dessen sein, was in den kommenden Monaten und Jahren noch kommen sollte: Die Aktie fiel in der Folge auf einen Bruchteil des Ausgabepreises und erreichte im März 2016 ihren Tiefpunkt bei knapp 9 Franken - das ist weniger als ein Fünftel des Ursprungpreises. Mittlerweile kostet der Titel 12,60 Franken.

Entwicklung der Lastminute.com-Aktie seit Börsengang im April 2014, Quelle: cash.ch

Der Wettbewerb in der Branche der Reiseportale stellte sich als stärker heraus, als ursprünglich erwartet. Folglich war auch der Preisdruck höher und die Margen niedriger. Kritisiert wurden auch die CS und UBS, die beim Börsengang federführend waren und gleichzeitig (zu) optimistische Analystenempfehlungen für die Aktie veröffentlichten.

So setzte die UBS beispielsweise bei der Erstabdeckung Ende Mai 2014 für Lastminute.com ein 12-Monats-Kursziel von 52 Franken. Eine massive Fehleinschätzung, wie sich später herausstellte: Der Kurs lag ein Jahr später bei 18 Franken. Aktuell empfiehlt die Grossbank die Aktie übrigens wieder zum Kauf - mit einem Kursziel bei 15 Franken.

Bad news, good news

Die Aktie bewegte sich in diesem Jahr lange nahe bei diesen 15 Franken, ehe (einmal mehr) die Ernüchterung folgte: Anfang Mai reagierten die Anleger enttäuscht auf die Guidance für das laufende Jahr. Lastminute.com setzte sich darin ein Betriebsergebnis auf Stufe Ebitda zum Ziel, welches "im Wesentlichen" demjenigen des Vorjahres entspreche. Vereinzelte Experten erhofften sich ein Ebitda-Wachstum von über 30 Prozent.

Im Juli folgten noch mehr schlechte Neuigkeiten: Lastminute.com warnte in einer Mitteilung davor, dass sich der operative Gewinn im ersten Halbjahr zur Vorjahresperdiode halbiert habe und der Umsatz leicht rückläufig sei. Eine Woche darauf schmiss auch noch der Finanzchef Stefano Biffi den Bettel hin, welcher erst seit Februar im Amt war.

Nach dem Motto "schlimmer kann es nicht mehr werden", gibt es beim Online-Reisebüro seither immerhin Lichtblicke, die den Kurs vom 7. August bis heute um 9 Prozent anstiegen liessen. Zum einen stellten sich die Halbjahreszahlen als nicht ganz so schlimm wie im Vormonat angekündigt heraus. Als erfolgreichste Marke innerhalb der Lastminute.com-Gruppe erweist sich die Metasuchmaschine Jetcost - ein Vergleichsportal für Flüge verschiedener Anbieter. "Jetcost wächst stark und nimmt unserer Meinung nach in der Gruppe zunehmend eine Schlüsselrolle ein", ist in einem Analystenkommentar der CS zu lesen.

Gleichzeitig gab Lastminute.com ein massives Aktienrückkaufprogramm bekannt: Ein Sonderausschuss prüft den Rückkauf von einem Drittel des gesamten Aktienkapitals innerhalb von 18 Monaten, welcher an einer ausserordentlichen Generalversammlung am 21. September noch abgesegnet werden muss. Gemäss Schätzungen eines Kepler-Chevreux-Analysten wird dieses Vorhaben rund 65 Millionen Franken kosten.

CEO vergleicht Lastminute.com mit Amazon

Lastminute.com versucht weiterhin, sich in einer hart umkämpften Branche zu behaupten. Um überleben zu können, muss die Firma mehr Traffic (also Besucher) für ihre Seiten generieren können. Einerseits kann dies mit weiteren Zukäufen bewerkstelligt werden, andererseits muss das bestehende Angebot aggressiv beworben werden.

Tatsächlich sind die Marketingaktivitäten gross: Für die Marken Volagratis.com, Rumbo.com und lastminute.com werden etwa in Italien, Spanien und Frankreich Fernsehwerbungen geschaltet. Investiert wird auch viel in den eigenen Internetauftritt. Die verschiedenen Online-Portale sollen schliesslich möglichst kundenfreundlich sein.

All das macht sich kurzfristig aber negativ im Portmonnaie bemerkbar: "Wir könnten mehr liefern, aber wir wollen stark in unser Geschäft investieren - wie Amazon", sagte CEO Fabio Cannavale im Febuar gegenüber Finanz und Wirtschaft. Was klar ist: Vom Erfolg Amazons ist Lastminute.com noch meilenweit entfernt. Derzeit spricht kaum etwas für einen Einstieg.