Oppositionelle Aktionäre - Comet geht auf Konfrontationskurs

Comet will nichts von der Wahl des früheren VAT-Chefs an die Spitze des Verwaltungsrats wissen. Damit stellt sich das Unternehmen gegen seine Grossaktionäre. Trotz der Angst vor einem Machtkampf fängt sich die Aktie.
06.12.2018 11:51
Von Lorenz Burkhalter
Der Hauptsitz der Comet Gruppe in Flamatt.
Der Hauptsitz der Comet Gruppe in Flamatt.
Bild: ZVG

Der Halbleiterzulieferer Comet kann sich einen weiteren Seitenhieb in Richtung der Grossaktionäre um den bekannten Vermögensverwalter Veraison nicht verkneifen: Das Unternehmen nominiert mit Christoph Kutter einen eigenen Kandidaten zur Wahl an die Spitze des Verwaltungsrats.

Der für seine aktive Einflussnahme bei Firmen berüchtigte Vermögensverwalter Veraison hatte seinerseits den ehemaligen Chef der VAT Group, Heinz Kundert, als Nachfolger des zurücktretenden Verwaltungsratspräsidenten Hans Hess ins Spiel gebracht.

Davon will man bei Comet allerdings nichts wissen - ebensowenig wie von der geforderten strategischen Neuausrichtung. Obwohl das Unternehmen die diesjährigen Zielvorgaben innerhalb weniger Monate gleich zweimal reduzieren musste, liess es am Investorentag von Mitte November durchblicken, dass man an der eingeschlagenen Strategie festhalten werde (cash berichtete).

Beobachter sehen die Situation bei Comet eskalieren, nachdem der Halbleiterzulieferer nun auch bei der Personalie des zukünftigen Verwaltungsratspräsidenten auf Konfrontationskurs geht.

Was das für die Comet-Aktie bedeuten würde, lasse sich allerdings nur schwer abschätzen, so heisst es. An der Schweizzer Börse SIX kann sich die Aktie am Donnerstagmorgen dem schwachen Gesamtjahr jedenfalls nicht ganz entziehen. Zur Stunde verliert sie noch 1 Prozent auf 85,10 Franken. Die Tagestiefstkurse liegen gar bei 82,50 Franken.

Angst vor einer Beeinträchtigung des Tagesgeschäfts

Die Bank Vontobel begrüsst in einem Kommentar den starken technologischen Hintergrund des firmeneigenen Verwaltungsrats-Kandidaten Christoph Kutter. Er sei gespannt, wie er die zukünftige Strategie prägen werde, so schreibt der Autor. Gleichzeitig räumt er ein, dass das Unternehmen den Vorschlag von Veraision nicht aufgegriffen habe. Nichtsdestotrotz wird die Comet-Aktie bei der Zürcher Bank mit einem Kursziel von 115 Franken zum Kauf empfohlen.

Der für Baader-Helvea tätige Berufskollege befürchtet hingegen, dass sich der Machtkampf zwischen dem Verwaltungsrat und dem Vermögensverwalter Veraison das Tagesgeschäft beeinträchtigen und zu Verzögerungen beim Turnaround führen könnte. Er stuft die Aktie deshalb weiterhin nur mit "Hold" und einem Kursziel von 95 Franken ein.

Der Technologieanalyst der Zürcher Kantonalbank sieht in Christoph Kutter einen Fachmann für die Halbleiterindustrie und einen geeigneten Nachfolger für Hans Hess. Zu den Kernaufgaben des neuen Verwaltungsratspräsidenten werde vor allem die Fokussierung der Geschäftsfelder zählen. Denn bei der immensen Anzahl potenzieller Applikationen bestehe die Kunst vor allem darin, diejenigen herauszufiltern, bei denen eine Kommerzialisierung lohnenswert sei, so der Analyst. Aufgrund der aktuellen Unsicherheit im Halbleitergeschäft hält er am "Marktgewichten" lautenden Anlageurteil fest.

Stellen sich die Tetra-Pak-Erben auf die Seite der Firma?

Um sich mit ihren Forderungen durchsetzen zu können, müssten die Grossaktionäre ihren Einfluss weiter stärken. Eigenen Angaben zufolge hält Veraison 8,7 Prozent der Stimmen. Am Investorentag von Mitte November waren es noch 7,3 Prozent. Über die 8,7 Prozent hinaus kann der Vermögensverwalter auf die Unterstützung der Genfer Privatbank Pictet & Cie zählen. Diese hält immerhin gut 5 Prozent der Stimmen.

So schneidet die Comet-Aktie seit Jahresbeginn ab (Quelle: www.cash.ch)

Grösster Aktionär mit 10,1 Prozent der Stimmen ist Tringle Investment. Hinter dieser Investmentgesellschaft verbirgt sich niemand geringeres als die Erben des Verpackungsimperiums Tetra Pak. Comet und Tetra Pak entwickeln seit 2012 gemeinsam die e-beam Sterilisationstechnologie. Gut möglich deshalb, dass sich Tringle Investment auf die Seite des Unternehmens stellt.

Oppositionelle Aktionäre könnten weitere Aktien zukaufen

Noch bedeckt gibt sich hingegen der mit etwas mehr als 3 Prozent an Comet beteiligte Camox Master Fund. Wie Veraison ist auch der in London beheimatete, aber von einem Schweizer geführte Hedgefonds für seine aktive Einflussnahme berüchtigt. Der Camox Master Fund gilt neben RBR als treibende Kraft hinter dem Verkauf der früheren Swissair-Tochter Gategroup nach China.

Beobachter schliessen nicht aus, dass der Vermögensverwalter Veraison und der Camox Master Fund gemeinsame Sache machen und sich mit Pictet & Cie zu einer Aktionärsgruppe zusammenschliessen. Womöglich werden die oppositionellen Aktionäre aber nicht darum herum kommen, auf die ordentliche Generalversammlung vom April nächsten Jahres hin weitere Titel zuzukaufen. Das könnte der Comet-Aktie kurzfristig wieder etwas Auftrieb verleihen. Das hat sie auch dringend nötig, errechnet sich doch alleine seit Ende Oktober ein Minus von fast 16 Prozent. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus sogar satte 44 Prozent.