Oppositionelle Aktionäre - Eskaliert die Situation bei Comet nun?

Comet setzt am Investorentag die nächstjährigen Zielvorgaben aus. Der Halbleiterzulieferer will an der eingeschlagenen Strategie festhalten, was ihm den Zorn der Grossaktionäre einbringen könnte.
13.11.2018 11:35
Von Lorenz Burkhalter
Der Hauptsitz der Comet Gruppe in Flamatt.
Der Hauptsitz der Comet Gruppe in Flamatt.
Bild: ZVG

Gleich zweimal sah sich der Halbleiterzulieferer Comet in den letzten Monaten zu einer Reduktion der diesjährigen Zielvorgaben gezwungen. Am heutigen Dienstag lädt das Unternehmen nun zum diesjährigen Investorentag nach Flamatt.

Nur wenige Stunden vor Beginn der Veranstaltung kappt Comet die nächstjährigen Zielvorgaben. Angesichts geopolitischer Unsicherheiten, der schlechten Vorhersehbarkeit der Nachfrage aus der Halbleiterindustrie sowie den strukturellen Veränderungen im Bereich "ebeam" sei eine operative Marge (EBIT) von 16 bis 18 Prozent bei einem Jahresumsatz von 500 Millionen Franken nicht länger realistisch, so lässt man durchblicken.

Wer sich zusätzliche Massnahmen zur Verbesserung der Rentabilität oder erste Anhaltspunkte in Bezug auf die zukünftige strategische Ausrichtung erhoffte, wird enttäuscht. Stattdessen hält der Halbleiterzulieferer an der bisherigen, auf vier Geschäftsbereiche ausgerichteten Strategie fest.

Obwohl oder gerade weil das Unternehmen damit auf Konfrontationskurs mit den Grossaktionären geht, wird die Comet-Aktie an der Schweizer Börse SIX mit einem Minus von 3,5 Prozent auf 90,30 Franken abgewatscht. Die Tagestiefstkurse liegen gar bei 89,70 Franken. Beobachter halten für möglich, dass die Situation eskaliert. Auch dass einer oder mehrere Aktionäre weitere Aktien zukaufen, um zusätzlichen Druck auf den Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung ausüben zu können, wird dabei nicht ausgeschlossen.

Machen die Grossaktionäre in Zukunft gemeinsame Sache?

Einer der Grossaktionäre ist Veraison. Nach dem Einstieg von Anfang September mit 3,2 Prozent, hält der Vermögensverwalter mittlerweile rund 7,3 Prozent der Stimmen. Für seine aktive Einflussnahme bei Unternehmen berüchtigt, fordert er eine Fokussierung von vier auf zwei Bereiche und pocht auf Veränderungen im Verwaltungsrat. Geht es nach dem Wunsch von Veraison, soll Heinz Kundert, der ehemalige Chef des Vakuumventileherstellers VAT Group, Hess an der Spitze des Verwaltungsrats beerben. Unterstützung erhält der Vermögensverwalter dabei von der Genfer Privatbank Pictet. Sie hält gut 5 Prozent der Stimmen.

Die Kursentwicklung der Comet-Aktie dürfte in den letzten 12 Monaten nicht gerade zur Aktionärszufriedenheit beigetragen haben (Quelle: www.cash.ch)

Noch bedeckt gibt sich hingegen der mit etwas mehr als 3 Prozent an Comet beteiligte Camox Master Fund. Wie Veraison ist auch der in London beheimatete, aber von einem Schweizer geführte Hedgefonds für seine aktive Einflussnahme berüchtigt. Der Camox Master Fund gilt neben RBR als treibende Kraft hinter dem Verkauf der früheren Swissair-Tochter Gategroup nach China.

Analysten bleiben mehrheitlich vorsichtig

In einer ersten Stellungnahme zeigt sich die UBS nicht sonderlich überrascht von der Aussetzung der nächstjährigen Zielvorgaben durch Comet. Der Autor verspricht sich im kommenden Jahr alleine schon aufgrund wegfallender Restrukturierungskosten in Höhe von 17 Millionen Franken eine spürbare Entlastung beim operativen Gewinn (EBITDA). Darüber hinaus rechnet er mit ersten Kosteneinsparungen aus den zuletzt eingeleiteten Massnahmen. Dennoch wird die Comet-Aktie bei der UBS nur mit "Neutral" und einem 12-Monats-Kursziel von 90 Franken eingestuft.

Auch der für Baader-Helvea tätige Berufskollege prognostiziert für 2019 eine Gewinnerholung, wenn auch von einer tieferen Basis aus als ursprünglich erwartet. Angesichts der geringen Vorhersehbarkeit der Nachfrage aus der Halbleiterindustrie bleibt der Analyst bei seiner vorsichtigen Haltung für die mit "Hold" und einem Kursziel von 95 Franken eingestufte Aktie.

Angesichts der geringen Visibilität und der aktuellen Turbulenzen sei der Verzicht auf quantitative Ziele nachvollziehbar, heisst es hingegen bei der Zürcher Kantonalbank. Bei der hohen Anzahl an potenziellen Applikationen bestehe die Kunst nun darin, diejenigen herauszufiltern, bei denen eine Kommerzialisierung lohnenswert sei. Bis die neue Stossrichtung greift, ist der Zürcher Kantonalbank zufolge aber Geduld gefragt. In Erwartung eines weiterhin gedrückten Kurses wird die Comet-Aktie weiterhin nur mit "Marktgewichten" eingestuft.

Die Bank Vontobel nimmt den Investorentag zum Anlass, um hinter die Gründe für das Festhalten an der bisherigen Strategie blicken zu können. Im ersten Moment hält die Zürcher Bank aber sowohl an der Kaufempfehlung als auch am Kursziel von 115 Franken fest.

 

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