Orascom-Aktie sackt auf Allzeittief ab

Eine kritische Studie der UBS über den Immobilienentwickler Orascom lässt die Aktie ins Bodenlose fallen. Mit einer baldigen Erholung ist nicht zu rechnen.
03.04.2013 12:54
Von Frédéric Papp
Hohe Buchverluste für Orascom-Mehrheitsaktionär Samih Sawiris (Bild). Die Aktie sackt am Mittwoch ab.

Die Aktie des Immobilienentwicklers Orascom durchbricht am Mittwoch erstmals die 10-Franken-Marke und notiert mit 9,90 Franken so tief wie noch nie. Vor fast fünf Jahren hatte das Unternehmen des Ägypters Samih Sawiris die Aktien zu 152 Franken herausgegeben. Anleger, die damals den Titel gekauft hatten, erlitten bis heute einen Verlust von 93 Prozent. 

Hinter dem Kursrutsch steckt eine Analyse der UBS. Diese hat bei den Gewinnschätzungen substanzielle Änderungen vorgenommen. Der Analyst geht für das 2013 von einem geschätzten Verlust pro Aktie von 1,42 Franken aus. Zuvor wurde noch mit einem Gewinn pro Aktie von 42 Rappen gerechnet. Auch im 2014 müssten Anleger mit einem Verlust von 32 Rappen pro Aktie rechnen (vorher 1,50 Franken). Ein positiver Beitrag sei erst 2015 realistisch, so die UBS.

Die Grossbank passt auch ihr Zwölf-Monats-Kursziel der Orascom-Aktie an. Es beträgt neu 10 Franken – zwei Franken weniger als zuvor. Diese Kursmarke wurde am Mittwoch bereits unterschritten. Mit höheren Kursen sei nur zu rechnen, wenn sich in den kommenden Monaten der Tourismussektor in Ägypten – der Heimmarkt von Orascom - wesentlich verbessere, so die UBS. Eine Besserung ist aber aufgrund der wiederaufgeflammten politischen Unruhen in weite Ferne gerückt.

Heikle Zepterübernahme durch Sawiris

Ein Filetstück der Orascom Holding ist das Tourismusprojekt in Andermatt. Für rund 1,8 Milliarden Franken will der ägyptische Investor Samih Sawiris in Andermatt ein Tourismus-Resort der Luxusklasse schaffen. Sechs Hotels, knapp 500 Wohnungen und 25 Villen sollen auf einem ehemaligen Militärgelände aus dem Boden gestampft werden. Doch das Projekt geht nur schleppend voran. Die zähen Verkäufe in Andermatt führen zu Bauverzögerungen.

Um das Tourismusprojekt durchzuziehen, griff Sawiris vergangene Woche nochmals tief in die Tasche. Er wandelte seine Kredite im Umfang von 150 Millionen Franken an Orascom in Eigenkapital der für das Projekt zuständigen Andermatt Swiss Alps um. Damit hält die Familie Sawiris knapp 62 Prozent der Aktien – auf Sawiris persönlich entfallen 51 Prozent. Sawiris übernimmt auch wieder das Verwaltungsratspräsidium der Andermatt Swiss Alps. Dieses Amt hatte Sawiris schon bis letzten Sommer inne.

Analysten sehen die erneute Zepterübernahme durch Sawiris durchaus kritisch. So kommentierte die Zürcher Kantonalbank jüngst in einer Analyse, dass die Orascom-Aktionäre "auf Gedeih und Verderben" den Plänen von Samih Sawiris ausgeliefert seien.  

Nächster Kursimpuls Mitte April

Probleme auf dem Heimmarkt Ägypten bereiten Orascom grosse Schwierigkeiten, ebbt doch der Cash Flow stetig ab. Doch auch hier tritt Sawiris als Retter in der Not auf.  Er übernimmt mit einer Kapitalspritze von 60 Millionen Franken das erwartete Defizit im laufenden Geschäftsjahr, und auch für 2014 garantierte er für den geschätzten Fehlbetrag von gegen 50 Millionen Franken. Unklar bleibt indes, ob er auch bereit ist, noch mehr Mittel einzuschiessen, falls die Defizite höher ausfallen.

Nach den aktuellsten Schätzungen des Wirtschaftsmagazins «Forbes» ist Sawiris 525 Millionen Dollar schwer.

Der nächste Kursimpuls der Orascom-Aktie ist am 16. April zu erwarten. Dann will Sawiris über die Details der Transaktion informieren und über den Fortschritt des Luxusferienresorts berichten.