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Orell Füssli: Eine Wette auf den Turnaround

Die Aktie von Orell Füssli beeindruckt in diesem Jahr mit einem kräftigen Wachstum. Sind das Vorboten der anstehenden Halbjahreszahlen?
12.08.2015 14:26
Von Ivo Ruch
Die Orell-Füssli-Filiale Kramhof in Zürich.

Klammheimlich hat sich die Aktie von Orell Füssli (OF) im laufenden Jahr nach vorne gedrückt. Seit Ende Januar ist sie um rund 45 Prozent nach oben geklettert. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) und Dieter Meier dürfte es freuen. Die SNB ist mit 33 Prozent grösste Aktionärin von Orell Füssli, der Künstler und Unternehmer Meier via Campdem Development mit 16 Prozent zweitgrösster Besitzer.

Eine Entschädigung für die eher mageren letzten Jahre. Weil der Titel in der Vergangenheit stetig an Wert verlor, wird er derzeit von keinem Analysten mehr abgedeckt. Noch im Sommer 2008 notierte die Aktie von Orell Füssli bei mehr als 200 Franken. Im Januar des laufenden Jahres, beim SNB-Schock, erreichte sie ihren Tiefpunkt bei 81 Franken.

Grund für die nun erfolgte Erholung dürfte unter anderem ein neuer Grossaktionär sein. Der unabhängige Vermögensverwalter Veraison Capital um deren Gründer Gregor Greber und den früheren Sonova-CEO Valentin Chapero hält seit Mitte Juni 8,4 Prozent an der Handels- und Industriegruppe Orell Füssli. Kurz vor der Bekanntgabe der Beteiligung durch Veraison zogen die OF-Aktie in zwei Handelstagen um knapp 10 Prozent an.

Wenn es nach Veraison geht, dann müsste Orell eine Anlegerperle sein. Veraison investiert in Schweizer Value-Aktien, die sie für unterbewertet hält. 

Warten auf Dividende

Ein weiterer Grund für den jüngsten Kursanstieg  könnten die morgen Donnerstag anstehenden Zahlen zum Halbjahr sein. Erwarten Börsianer gute Unternehmensnachrichten greifen sie in der Regel bereits im Vorfeld zu. Nach einem Verlust von 17 Millionen Franken im Vorjahr verzeichnete Orell Füssli für 2014 nur noch ein Minus von 0,5 Millionen Franken. Insgesamt geht die Gruppe für 2015 von einer weiteren Verbesserung der Ertragssituation aus, wie sie im März sagte. Auf eine Dividende müssen die Aktionäre aber weiterhin verzichten.

Der seit Anfang Oktober 2014 amtierende CEO Martin Buyle hat denn auch viel Aufräumarbeit vorgefunden. Das grösste Missgeschick war der Diebstahl von 1800 unfertigen Tausendernoten im Jahr 2012. Während des Produktionsprozesses wurden die Noten aus der Sicherheitsdruckerei von Orell Füssli entwendet.

Ebenfalls Druckerei-Probleme hatte Orell Füssli mit der Produktion der neuen Schweizer Banknotenserie. Ursprünglich auf Herbst 2010 geplant, muss noch bis mindestens 2016 auf das neue Geld gewartet werden. Nichtsdestotrotz ist die Division Sicherheitsdruck jene mit den besten Wachstumsperspektiven. Daneben ist Orell Füssli über die Division Altantic Zeiser im Bereich digitales Bedrucken und Kodieren tätig. Auch in diesem Geschäftsbereich deuten sich Effizienzsteigerungen an.

Rückläufiger Buchmarkt

Der breiten Öffentlichkeit dürfte Orell Füssli vor allem aufgrund des Buchhandels bekannt sein. Das Joint Venture Orell Füssli Thalia erreichte im letzten Jahr ein Betriebsergebnis von drei Millionen, leidet aber unter dem allgemein rückläufigen Schweizer Buchmarkt.

Wenn der Konzern noch weiter in ruhiges Fahrwasser vorstösst, die Turbulenzen im Sicherheitsdruck ganz aus dem Weg räumt und und sogar eine Ausschüttung in Aussicht stellen kann, dürfte die Aktie weiteren Raum nach oben haben. Der Einstieg von Veraison ist ein Zeichen, dass Marktteilnehmer an einen Turnaround glauben.