«Paradise Papers» - Rohstoffmulti Vitol geht rechtlich gegen Public Eye vor

Das Schweizer Rohstoffunternehmen Vitol hat gegen Public Eye rechtliche Schritte eingeleitet.
17.11.2017 15:03
Firmenschild Vitol Group, Genf.
Firmenschild Vitol Group, Genf.
Bild: iNg

Die Nichtregierungsorganisation (NGO) habe mit unwahren und verleumderischen Aussagen die Rechte des Unternehmens verletzt. Anwälte von Vitol hätten Public Eye aufgefordert, die entsprechenden Aussagen in ihrer Publikation "The Paradise Papers Switzerland and Commodities" sowie in ihrer Medienmitteilung zurückzuziehen, heisst es in einem Communiqué vom Freitag.

Vitol sei sich der wichtigen Rolle vieler NGOs im öffentlichen Leben bewusst, wird Geschäftsführer Gerard Delsad zitiert. Die unbegründeten und fehlerhaften Behauptungen von Public Eye entsprächen aber nicht den hohen Standards, die die meisten NGOs hochhalten.

Im Zusammenhang mit den "Paradise Papers" stehen derzeit die vier grössten Rohstoffhändler der Schweiz in den Negativschlagzeilen: Neben Glencore, Louis Dreyfus und Trafigura ist auch Vitol betroffen. Ihnen wird vorgeworfen, mit Hilfe von Offshore-Finanzkonstrukten Steuern hinterzogen und korrupte Zahlungen getätigt zu haben.

Die Genfer Staatsanwaltschaft untersucht Korruptionsvorwürfe, die im Zusammenhang mit den "Paradise Papers" stehen. Das Strafverfahren gegen die Ölgesellschaft Vitol mit Sitz in Genf wurde vergangenen Sonntag eröffnet.

Laut Angaben von Public Eye geht es bei dem Verfahren um angebliche Bestechungszahlungen des nigerianischen Geschäftsmannes Kola Aluko an den ehemaligen nigerianischen Ölminister Diezani Alison-Madueke. Die Verträge zwischen der Vitol-Gruppe und Aluko würden derzeit von den Gerichten geprüft.

Im Rahmen der Untersuchung seien bereits Gelder blockiert worden, sagte der Genfer Justizsprecher Henri Della Casa letzten Samstag auf Anfrage. Er bestätigte entsprechende Informationen der Zeitung "La Liberté". In diesem Fall existierten seit 2016 mehrere Rechtshilfegesuche vonseiten Grossbritanniens.

Vitol dementiert die Vorwürfe

Vitol wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe. Man habe nie einen Vertrag mit dem nigerianischen Geschäftsmann Aluko unterschrieben, heisst es in der Mitteilung. Vitol sei im Jahr 2015 eine geschäftliche Vereinbarung mit Seven Energy eingegangen. Dort habe Aluko aber nur bis 2012 gearbeitet.

«Paradise Papers»: Justizministerin Simonetta Sommaruga droht der Rohstoffbranche mit neuen Regulierungen

Auch sei Vitol derzeit nicht Gegenstand von Ermittlungen durch die Genfer Staatsanwaltschaft noch hätten diese gegen das Unternehmen ein Strafverfahren in diesem Zusammenhang eingeleitet. Die veröffentlichten "Paradise Papers" beinhalten laut Vitol keine Hinweise, die das Unternehmen mit Steuervermeidung, Korruption und Interessenskonflikten in Verbindung bringen.

Für Public Eye, die seit Jahren auf Probleme der Schweizer Rohstoffbranche hinweist, belegen die "Paradise Papers", dass Rohstoffhandel das gefährlichste Geschäft der Schweiz sei. Die Organisation fordert "spezifische Regulierungen", wie es in einer Mitteilung von Anfang November heisst.

Die Basis der "Paradise Papers"-Enthüllungen ist ein Datenleck. Die 13,4 Millionen Dokumente wurden der "Süddeutschen Zeitung" zugespielt und von einem internationalen Journalistennetzwerk ausgewertet. Aus der Schweiz war ein Rechercheteam von Tamedia beteiligt. Die "Paradise Papers" geben Einblicke in die Arbeit hochspezialisierter Berater, die komplizierte Konstrukte zur Steuervermeidung schaffen.

(AWP)