Passive FondsETF-Markt ist für die meisten Anbieter in Europa kaum profitabel

Das heisseste Segment des Investment-Universums zahlt sich für die Anbieter nicht unbedingt aus.
13.04.2017 19:25
ETF versuchen einen bestimmten Index möglichst genau nachzubilden.
ETF versuchen einen bestimmten Index möglichst genau nachzubilden.
Bild: ©stockWERK/fotolia.com

Börsengehandelte Fonds (ETF) aus Europa haben ihr Anlagevolumen in den letzten fünf Jahren auf 550 Milliarden Euro verdoppelt. Doch ist der Markt so fragmentiert, dass weniger als ein Drittel der ETF gross genug sind, um für die Fondsanbieter profitabel zu sein. Das geht aus Daten von Vanguard Group hervor.

Die Ausbreitung der ETF bedeutet, dass nur die stärksten überleben werden, während Europa sich anschickt, zu den USA aufzuholen. Dort liegt das durchschnittliche Volumen eines Fonds bei rund 1,4 Milliarden Dollar, auf der hiesigen Seite des Atlantiks nur bei 260 Millionen Dollar. Die ETF-Anbieter nehmen Verluste in Kauf, weil sie darauf setzen, Anlagegelder von neuen Kunden oder Konkurrenten, die im Wettbewerb nicht standhalten können, zu gewinnen.

"Man ist nicht profitabel, solange man keine erhebliche Grösse hat", sagt Paul Stratford, Executive Director im Bereich Asset Management bei EY in Edinburgh. "Die Marktteilnehmer sind langfristig in dem Bereich. Wettbewerber, die nicht in der Lage sind, Geld zu verdienen, werden aus dem Markt ausscheiden."

Passive Investments sind sehr populär

ETF ermöglichen dem Anleger, in einem einzigen Wertpapier ganze Körbe von Aktien oder Anleihen zu besitzen. Ihre Popularität ist zusammen mit anderen so genannten passiven Investments rapide gestiegen, da sie üblicherweise preisgünstiger sind als traditionelle Investmentfonds - zumal in einer Welt der rekordniedrigen Zinsen und gedämpften Erträgen. Seit der originale ETF, der SPDR von State Street, 1993 aufgelegt wurde, ist das Anlagevolumen der Produkte auf über 4 Billionen Dollar weltweit angeschwollen.

In Europa gibt es rund 2200 ETF. Mehr als 1500 davon sind weniger als 100 Millionen Dollar gross. Das ist die Grenze, ab der sie für den Anbieter üblicherweise Geld abwerfen, wie Andreas Zingg, Leiter Vertrieb für das ETF-Geschäft in Kontinentaleuropa bei der US- Fondsgesellschaft Vanguard in Zürich, sagt. Bei Vanguard, die in Europa auf rund 4 Prozent Marktanteil kommt, ist ein Drittel der 18 ETF kleiner. Dazu zählen die neuesten und preiswertesten Produkte. Blackrock, die weltgrösste Fondsgesellschaft, ist der grösste Anbieter von ETF und kontrolliert fast die Hälfte des Markts.

Die ETF konkurrieren zumeist über den Preis und benötigen ein ausreichendes Anlagevolumen, um die Provisionen zu generieren, die für die laufenden Betriebskosten erforderlich sind. Den kleineren Fonds mangele es an allen grossen Vorteilen eines ETF - Kosteneffizienz und Liquidität, erklärt Zingg.

Produkte für unterschiedliche Märkte nachbauen

Die typische Provision für einen ETF liegt in Europa bei rund 30 Basispunkten oder 0,3 Prozent. Das ist weniger als die Hälfte der 0,75 Prozent für einen aktiv investierten Anlagefonds, zeigen Daten von Vanguard. Ein Investor zahlt also 3 Dollar je 1000 Dollar Anlagesumme statt 7,50 Dollar. Bei europäischen Aktienfonds, für die Fondsmanager die grössten Unternehmen der Region auswählen, liegt die Gebühr nach Angaben des Fondsbeobachters Morningstar bei 1,67 Prozent oder 16,70 Dollar.

Die ETF-Anbieter wollen die volle Bandbreite an Produkten offerieren, um Kunden in einem expandierenden Markt anzulocken - ein bisschen wie ein Supermarktbetreiber, wie Kenneth Lamont von Morningstar sagt. Der Analyst schätzt, dass die europäischen ETF bis 2020 ein Volumen von eine Billion Euro übertreffen werden. Anders als in den USA müssen die ETF-Anbieter in Europa Produkte in unterschiedlichen Märkten nachbauen, mit unterschiedlichen Steuer- und Aufsichtsregelungen.

Ende Februar gab es in den USA 1995 ETF von 190 Anbietern an drei Börsen, wie aus Angaben der Londoner Research-Gesellschaft ETFGI hervorgeht. In Europa waren es 2233 ETF von 58 Anbietern auf 25 Börsen in 21 Ländern.

"Wenn man einen Fonds auflegt, geht man von Wachstum in der Branche aus, was eine recht realistische Annahme ist", sagt Lamont. "Alle diese Anbieter wollen sich so positionieren, dass sie von den Zuflüssen profitieren können, wenn sie kommen."

(Bloomberg)