Passive IndexfondsAuf diese ETF setzen Anleger in diesem Jahr

Passive Indexfonds erlebten im März einen Aufschwung. cash zeigt die zehn umsatzstärksten ETF seit Jahresbeginn und sagt, welche Trends beim passiven Investieren in Europa zu beobachten sind.
06.04.2017 06:51
Von Pascal Züger
ETF versuchen einen bestimmten Index möglichst genau nachzubilden.
ETF versuchen einen bestimmten Index möglichst genau nachzubilden.
Bild: cash

Anleger wollen wieder handeln: Der März war punkto Handelsumsätze seit Jahresbeginn der stärkste Monat, teilte die Schweizer Börse SIX Anfang Woche mit. Besonders stark konnten Exchange Traded Funds (ETF) zulegen, deren Umsatz im März im Vergleich zum Vormonat um 45 Prozent auf 12,8 Milliarden Franken angewachsen ist. Und seit Jahresbeginn hat sich im Vergleich zur gleichen Periode des Vorjahres der ETF-Umsatz um 31 Prozent erhöht.

ETF sind an der Börse gehandelte Fonds, die einen bestimmten Index nachbilden. Sie investieren diversifiziert in einen Korb von Wertschriften. Mit ETF will der Anleger die Performance des zugrundeliegenden Index möglichst genau nachbilden, ohne aktiv Einzeltitel auszutauschen. Deshalb nennt man ETF auch passive Anlagen. An der Schweizer Börse werden ETF seit dem Jahr 2000 gehandelt.

Europa- und Schwellenland-ETF mit Potenzial

Am gefragtesten unter Schweizer Anlegern ist in diesem Jahr bisher ein ETF von iShares, welcher den amerikanischen S&P 500 abbildet (zur Tabelle mit den umsatzstärksten ETF 2017). Möglich, dass hier die Nachfrage im Jahresverlauf etwas nachlassen wird. Denn der US-Aktienmarkt befindet sich seit 2009 in einem Bullenmarkt. Immer mehr Stimmen behaupten, die Luft sei bei amerikanischen Titeln draussen. Nicht zuletzt, da solche Aktien inzwischen sehr teuer bewertet sind. Auch der "Trump-Effekt" lässt nach. Das Scheitern des US-Präsidenten bei der Gesundheitsreform stimmt Anleger bezüglich US-Aktien skeptischer.

Beliebt sind 2017 bisher auch ETF auf Schweizer Indizes. Das hat einerseits mit dem "Home Bias" zu tun, da man als Anleger dazu tendiert, zu stark in den Heimmarkt zu investieren. Andererseits aber auch mit der ansprechenden Performance des Schweizer Aktienmarktes in diesem Jahr (SMI plus 5 Prozent). Unter die Top 10 der beliebtesten ETF seit Jahresbeginn schaffen es Produkte, welche die Entwicklung des SMI ("iShares SMI", Rang 3), des SPI ("iShares SPI", Rang 10), von Schweizer Staatsanleihen mittlerer Laufzeit ("iShares Dom Gov3-7", Rang 6) und von Schweizer Unternehmensanleihen ("iShares Core CHF Corp Bonds", Rang 9) abbilden. 

Aufholpotenzial wird vor allem europäischen Aktien attestiert. Allerdings sind die politischen Risiken derzeit noch hoch. Viele Anleger warten zumindest die Frankreich-Wahl ab, bevor sie wieder in grossem Masse in Europa investieren. Der erste Wahlgang ist am 23. April, der zweite am 7. Mai. Europäische Aktien sucht man unter den Top-10-ETF daher vergebens. Immerhin schafft es mit dem "PIMCO Euro Short Mat ETF (EUR)" ein Produkt auf die Liste, welches europäische Anleihen mit sehr kurzen Laufzeiten abbildet.

Weiterhin gefragt dürften ETF auf Aktien von Schwellenländern bleiben. Der "UBS ETF –MSCI EM SF USD" steht derzeit auf Rang 2 in der Anlegergunst, wobei Experten in den "Emerging Markets" noch weiteres Potenzial orten: "Den Schwellenländern geht es so gut wie seit fünf Jahren nicht mehr",  schreibt die GAM in einem Kommentar Ende März. Die Einkaufsmanagerindizes und die Automobilabsätze verbessern sich in diesen Ländern stetig. Doch gerade Investitionen in Schwellenländer bergen hohe Risiken: Eine - allerdings nicht erwartete - globale Konjunktureintrübung würde Aktien aus solchen Regionen besonders hart treffen.

Trend hin zu Obligationen und «Smart Beta»

Wie die Top 10 der beliebtesten ETF zeigt, müssen passive Produkte nicht zwingend Aktienindizes abbilden. Der Anteil an Obligationen-ETF machte 2016 knapp 30 Prozent am ETF-Gesamtvolumen aus. Noch vor 10 Jahren waren es nicht einmal 5 Prozent. "Fixed-Income-ETF sind definitiv ein Trend, welcher anhalten wird", sagt dazu Andreas Zingg, Head ETF Distribution Management Vanguard Europe. Vanguard ist der zweitgrösste Vermögensverwalter der Welt und mit einem Marktanteil von 18 Prozent auch die Nummer zwei unter den globalen ETF-Anbietern hinter iShares (37 Prozent Marktanteil).

Das derzeitige Markumfeld spielt jedoch Obligationen gar nicht in die Hände. Steigende Zinsen machen festverzinsliche Anleihen unattraktiver. Grundsätzlich gilt: Ein Zinsanstieg wirkt sich auf eine Anleihe umso negativer aus, je geringer ihr Nominalzins und je länger die Restlaufzeit ist.

Ein anderer ETF-Trend sind die sogenannten "Smart-Beta-Produkte", die in Europa knapp 8 Prozent des ganzen ETF-Marktes ausmachen (zum cash-Interview vom Februar 2017 mit dem Smart-Beta-Erfinder Robert Arnott). Diese setzen nicht mehr auf einen nach reiner Marktkapitalisierung berechneten Index, sondern suchen nach "renditeoptimierenderen" Lösungen. Gemäss Vanguard sind in Europa mit einem Anteil von 43 Prozent unter den Smart-Beta-ETF ganz klar auf dividendenstarke Titel ausgerichtete Produkte führend. Es folgen volatilitätsminimierende ETF (19 Prozent) und Multifaktor-ETF, die gleich mehrere Kriterien gleichzeitig berücksichtigen (13 Prozent).

Die Gesamtkosten können stark variieren

Das Problem von Smart-Beta-ETF: Die Produkte werden immer komplexer, der Privatanleger versteht sie kaum mehr. Was eigentlich genau dem Grundgedanken von ETF, möglichst einfach und verständlich zu sein, widerspricht. Teilweise sind die Produkte für Privatinvestoren auch schlicht nicht attraktiv: Wie bei normalen ETF sollten Anleger auch hier auf die Gesamtkosten und die Abweichung der Performance zum abgebildeten Index achten. "Ein Smart-Beta-ETF, welcher 50 bis 60 Basispunkte kostet, ist zu teuer", so Zingg.

Wie hoch die Gesamtkostenquote (TER) schlussendlich ist, hängt stark vom abzubildenden Index ab. Gemäss Berechnungen von Vanguard liegt die durchschnittliche TER von ETF für den S&P 500 bei 0,13 Prozent. Mit 0,30 Prozent im Schnitt sind hingegen ETF mit dem MSCI Europe als Grundlage deutlich teurer. Dieser Kostenunterschied hat zu einem grossen Teil mit der unterschiedlichen Konkurrenzsituation unter den Anbietern für das jeweilige Produkt zu tun. Spielt der Markt, sinken die Kosten für den Kunden.

Top 10 ETF nach Umsatz seit Jahresbeginn 2017 an der Schweizer Börse

Produktname Beschreibung Umsatz seit 01.01.17 (in Mio. CHF) Performance seit 01.01.17 Gesamtkostenquote (TER)
ISHARES S&P 500 UCITS (USD) Aktien USA 1374 +5 Prozent 0,07 Prozent
UBS ETF - MSCI EM SF USD A (USD) Aktien Schwellenländer 1193 +11 Prozent 0,32 Prozent
ISHARES SMI (CHF) Aktien Schweiz 912 +5 Prozent 0,35 Prozent
PIMCO Euro Short Mat ETF (EUR) Anleihen Europa 740 0 Prozent 0,35 Prozent
UBSETF ACWI hdg to CHF A-acc (CHF) Aktien Global 737 +5 Prozent 0,31 Prozent
ISHARES DOM GOV3-7 (CHF) Anleihen Schweiz 681 -1 Prozent 0,15 Prozent
UBSETF ACWI hdg to USD A-acc (USD) Aktien Global 640 +6 Prozent 0,31 Prozent
UBSETF ACWI hdg to EUR A-acc (EUR) Aktien Global 540 +5 Prozent 0,31 Prozent
iShares Core CHF Corp Bond CHF (CHF) Firmenanleihen Schweiz 531 0 Prozent 0,15 Prozent
iShares Core SPI (CH) (CHF) Aktien Schweiz 512 +5 Prozent 0,10 Prozent

Quelle: SIX, Daten vom  4. April 2017