Pauli: «150 Millionen Franken reichen weit»

Im Video-Interview äussert sich Meyer-Burger-CEO Peter Pauli zur angekündigten Kapitalerhöhung und sagt, wie es mit dem Stellenabbau weitergeht. Derweil sinkt die Aktie auf den tiefsten Stand seit vier Monaten.
25.03.2013 13:59
Von Pascal Meisser
Peter Pauli nimmt im Video-Interview Stellung zur Kapitalerhöhung.
Bild: cash

Mit 150 Millionen Franken frischem Geld will der angeschlagene Thuner Solarzulieferer Meyer Burger die Bilanz und Liquidität stärken. Damit macht das Unternehmen eine Kehrtwende, nachdem während Monaten die Notwendigkeit einer solchen Kapitalmassnahme verneint wurde. Erst Ende Januar schloss CEO Peter Pauli im Interview mit cash eine Kapitalerhöhung nicht mehr explizit aus.

"150 Millionen Franken werden weit reichen, um Raum nach vorne zu haben", sagt Pauli im Video-Interview. Meyer Burger habe interessante Projekte am Laufen, zudem gehe er davon aus, dass sich die Situation im Auftragseingang noch dieses Jahr verbessern werde, sagt Pauli.

Das Jahr 2012 war für Meyer Burger "tiefe Nacht", wie es die Analysten der Privatbank Notenstein wie gewohnt blumig formulieren. Unter dem Strich resultierte ein Verlust von 115,9 Millionen Franken. Noch im Vorjahr hatte Meyer Burger einen Gewinn von 35,8 Millionen Franken geschrieben. 

«Wir verfolgen keine Salamitaktik»

Nebst der angekündigten Kapitalerhöhung versucht das Thuner Unternehmen, mit drastischen Kostensenkungen Gegensteuer zu geben. Damit will Meyer Burger die Kosten in diesem Jahr um 50 bis 60 Millionen Franken senken. 2014 wird die Kostenbasis um weitere 15 Millionen Franken tiefer liegen, was den Break-Even-Punkt auf Stufe Umsatz auf 485 Millionen drücken würde.

Der letztes Jahr in Angriff genommene Stellenabbau wird wie geplant fortgesetzt, weitere Jobstreichungen sind vorerst nicht vorgesehen. "Wir verfolgen keine Salamitaktik. Das Unternehmen hat substanzielle Veränderung vorgenommen, und mit dieser wollen wir in die Zukunft gehen", sagt Pauli. Ende 2012 betrug der Personalbestand 2186 Vollzeitstellen, bis Mitte dieses Jahres werden noch 2000 Personen für den Solarkonzern arbeiten.

An der Börse werden die Titel von Meyer Burger wegen der bevorstehenden Gewinnverwässerung abgestraft. Zwischenzeitlich notierte die Aktie bis zu 6 Prozent tiefer als noch am letzten Freitag, im Tagesverlauf pendelte sich der Verlust zwischen 4 und 5 Prozent ein. Mit 6,65 Franken notiert die Aktie so tief wie seit vergangenem Dezember nicht mehr.

Ernüchterte Analysten

Mit Ernüchterung reagieren die Analysten auf die vorgelegten Zahlen für das Geschäftsjahr 2012. "Das Set ist wenig elektrisierend", schreibt die Privatbank Notenstein in ihrer Morgennotiz. Notenstein geht davon aus, dass Meyer Burger auch 2013 deutlich rote Zahlen schreiben wird und sich die Erholung im Solarmarkt weiter hinauszögert.

Die Unsicherheiten um Meyer Burger dürften deshalb weiterhin bestehen bleiben, so die Analysten von Notenstein. Für den Fall hingegen, dass sich der Solarmarkt erholen würde, sei Meyer Burger bestens positioniert. Doch vorderhand sei die Aktie nur sehr risikofreudigen Anlegern vorbehalten.

Auch die Zürcher Kantonalbank weist in ihrer "Daily Market Opinion" darauf hin, dass sich 2013 sich Verbesserung einstellen wird und der Ausblick unter der Konsenserwartung ausfällt. Die ZKB geht davon aus, dass die Kapitalerhöhung zu einer starken Verwässerung führen wird.

"Die Performance und der Ausblick für Meyer Burger spiegeln die trübe Stimmung auf dem Solarmarkt", schreibt die Bank Vontobel. Zwar sei Meyer Burger in den nächsten zwölf Monaten nicht gefährdet, allerdings dürfte die Durststrecke anhalten. Vontobel rechnet für 2014 mit einer Umsatzsteigerung von 70 Prozent.

Im Video-Interview äussert sich Pauli zu einer möglichen Produktionsverlagerung ins Ausland und zu seiner Kritik am Verband Swissmem in der Energiefrage.