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Pauli: «Noch zwei schwierige Jahre vor uns»

Meyer-Burger-CEO Peter Pauli sagt im cash-Interview, wieso sich ein Aufschwung in der Solarbranche weiter hinauszögert und warum er eine Kapitalerhöhung nicht mehr kategorisch ausschliesst.
04.02.2013 08:45
Interview: Pascal Meisser
Meyer-Burger-CEO Peter Pauli sieht erst 2014 oder 2015 eine substanzielle Markerholung.
Meyer-Burger-CEO Peter Pauli sieht erst 2014 oder 2015 eine substanzielle Markerholung.
Bild: cash

cash: Herr Pauli, man hört, dass Sie in den letzten Wochen auf der Suche nach neuen Aufträgen um die ganze Welt gereist sind. Gibt es Ergebnisse?

Peter Pauli: Ich sehe am Horizont weitere Silberstreifen. Einige Firmen sind wieder ausgelastet und haben Vollbeschäftigung, andere hingegen spüren die Krise noch immer stark. Wichtig für mich ist zu sehen, dass sich der Markt allmählich beruhigt und der Boden durch den Nebel hindurch wieder sichtbar ist.

Wie äussert sich das bei den Aufträgen?

Es gibt da und dort positive Signale. Unsere langfristigen Kunden haben wieder stabile Verhältnisse. Sie verdienen aber noch nicht viel Cash mit ihren Tätigkeiten.

Aus China, dem wichtigsten Markt für Meyer Burger, kommen wieder positivere Wirtschaftsdaten. Spüren Sie das?

Vereinzelt ist das Interesse wieder vorhanden. Es ist noch keine Euphorie sichtbar, aber die Branche kommt langsam wieder in Bewegung. Unsere Kunden werden eher wieder investieren, wenn sie ein positives Umfeld verspüren.

Im Januar sind verschiedene Investoren in der Solarbranche eingestiegen - unter ihnen Warren Buffett. Die Solaraktien reagierten mit einem Kurssprung. Auch der Titel von Meyer Burger hat sich deutlich von den Tiefstkursen erholt. Eine Entspannung für das Management?

Nein, das sind Reaktionen von der Börse, die langfristig vorausgreifen. Auf das operative Geschäft hat das keinen Einfluss.

Investoren schenken aber der Solarbranche wieder Vertrauen. Erleichtert?

Man hat hier und dort positive Reaktionen. Ich bin aber Realist genug, um mich nicht zurückzulehnen. Wir haben noch viel Arbeit vor uns.

Mit Platinum ist im Januar ein australischer Hedgefonds als Grossaktionär eingestiegen. Was heisst das für Meyer Burger?

Es ist ein Bekenntnis zu unserer Firma und zur Solarindustrie im Allgemeinen. Der Aktionär glaubt, dass sich Meyer Burger nach vorne entwickeln kann, und dass er mit uns Geld verdienen wird. Wir profitieren insofern davon, dass Hedgefonds für eine gute Liquidität in der Aktie sorgen. Ebenso wichtig ist uns aber auch der andere Grossaktionär Generation Investment, der Fonds von Al Gore, sowie die anderen rund 20‘000 Aktionäre.

Gab es Gespräche zwischen den Grossaktionären und Ihnen?

Nein, es sind rein finanzielle Beteiligungen, keine strategischen.

Sie sprechen von mehreren positiven Anzeichen. Werden sich diese in den kommenden Monaten auf die Nachfrage auswirken?

Wir sind als Anbieter von komplexen Systemanlagen in der Investitionsgüterindustrie tätig. Bis sich eine Trendwende in der Branche bei uns in den Zahlen niederschlägt, dauert es einige zusätzliche Monate. Ein Hersteller, der wieder ausgelastet ist, hat zu Beginn noch nicht das Kapital, um im grossen Stil Kapazitäten auszubauen. Ich gehe davon aus, dass 2013 noch kein Jahr ist, das bei den Zahlen für Entspannung sorgt. Es dürfte noch eine längere Zeit dauern, bis bei Meyer Burger wieder Normalität eintritt.

Ein Aufschwung ist also nicht vor 2014 oder 2015 zu erwarten?

Einen deutlich spürbaren Aufschwung, der sich in den Zahlen niederschlägt, nicht. Das ist korrekt.

Wann rechnen Sie wieder mit den ersten grösseren Aufträgen?

Das ist eine schwierige Prognose. Wir arbeiten daran. Für mich hat aber auch ein Kleinstauftrag Signalwirkung. Massgebend ist nicht die Höhe des Auftrags, sondern die Anzahl. Mir sind mehrere kleinere Bestellungen lieber als wenige grosse.

Die Kritik an der zu teuren Roth & Rau-Übernahme vom Vorjahr hallt nicht ab. War der Zukauf nicht doch ein Fehler?

Nein, im Nachhinein ist man immer schlauer. Zunächst wurde ich in der deutschen Presse und den Anlegern kritisiert, dass ich zu wenig bezahlen würde, und später wurde mir vorgehalten, dass die Übernahme zu teuer war. Fakt ist, dass der Markt den Preis fixierte. Hätten wir auf eine Übernahme verzichtet, wären wir das Risiko eingegangen, dass ein Konkurrent den Deal macht.

Was bringt die Roth & Rau-Übernahme konkret?

Wir haben die Chance erhalten, mit Technologien wie Heterojunction unser Angebot nach vorne zu bringen. Das treibt den Technologiewandel voran und setzt bei Modullinien und Wafer Impulse. Ohne die Heterojunction könnten wir nicht unseren Joker von dünneren Wafer spielen. Wir wollen weiterhin die Industrie weiterentwickeln und unsere Vision von Innovationen leben.

Sie sagten im Dezember, dass die Mittel noch bis 2014 reichen, schlossen aber eine Kapitalerhöhung bislang aus. Wie wollen Sie die Finanzierung sicherstellen?

Um 24 Monate zu überbrücken, müssen wir sämtliche Finanzierungsmöglichkeiten evaluieren. Aus diesem Grund sind wir auch damals an die Börse gegangen, um den Zugang zum Kapitalmarkt zu vereinfachen.

Sie schliessen also eine Kapitalerhöhung nicht mehr explizit aus?

Nein.

Sie stellen für das Jahr 2012 eine Umsatzhalbierung auf knapp über 600 Millionen Franken in Aussicht. Halten Sie an dieser Aussage fest?

Plus minus sollten wir diese Zahl erreichen.

Meyer Burger hat sich zum Ziel gesetzt, die Abhängigkeit von China zu reduzieren und neue Märkte zu erschliessen. Mit welchen Mitteln?

Jede Marktentwicklung kostet, und die nötigen Mittel werden bereitgestellt. Ich spreche da nicht von Millionen. Es geht primär um Verkaufsaktivitäten, und da hat Meyer Burger einige Mitarbeiter vor Ort, die sich um Kunden kümmern. Das geht mit überschaubaren Kosten über die Bühne.

Welche Märkte stufen Sie als besonders interessant ein?

Länder in Südamerika und Südostasien, die wegen ihrem Wachstum grössere Energieprobleme haben und deshalb die Möglichkeit sehen, mit Solarenergie schnell entgegenzuwirken. Ein spannendes Land ist Indien. Dort liegt das Problem darin, dass in abgelegene Gebiete keine Energie geliefert werden kann. Solarenergie ist hier ein Ausweg. Oder die Stromversorgung von Mobilfunksendemasten. Hier kann ein Riesenvolumen entstehen. Eine weitere Region mit Potenzial ist der arabische Ölfördergürtel. Diese Länder haben einen steigenden Energiebedarf und sind interessiert, diesen mit alternativen neuen Energien zu stillen, um nicht das eigens geförderte Öl dafür verwenden zu müssen.