Pensionsfonds wittern Rendite bei Tech-Investments

In einem extremen Niedrigzinsumfeld sehen die beiden grössten dänischen Pensionsfonds in direkten Beteiligungen an Technologieunternehmen eine Chance auf Rendite.
09.07.2016 13:45
Produktion von Computerchips: Viele Tech-Unternehmen wachsen mit hohem Tempo.
Produktion von Computerchips: Viele Tech-Unternehmen wachsen mit hohem Tempo.
Bild: ZVG

Dafür wollen die beiden ihre Zusammenarbeit verstärken und eine Private-Equity-Gesellschaft mit Anlagegeldern speisen.

Henrik Noehr Poulsen, für die Kapitalanlagen bei PFA Asset Management verantwortlich, sagte im Interview mit Bloomberg, dass sich sein privater Pensionsfonds mit der staatlichen ATP zusammentun wird, um direkt in nordische Unternehmen zu investieren. PFA hat ein Anlagevolumen von umgerechnet rund 74 Mrd. Euro, ATP betreut etwa 108 Mrd. Euro für das staatliche dänische Pensionssystem.

Mit dem Vorhaben wird eine am Montag verkündete Vereinbarung ausgeweitet. PFA wird nun ebenso wie ATP 499 Mio. Kronen an einen Private-Equity-Fonds geben, der in nordische Technologiefirmen investieren soll.

"Wir gehen davon aus, dass es bedeutende Co-Investments geben wird", sagte Poulsen. "Angesichts der niedrigen Zinsen halten wir aktiv Ausschau nach Bereichen, in den wir unser Geld anlegen können."

Brexit sorgt für zusätzliche Turbulenzen

Negative Zinsen auf Staatsanleihen, sinkende Kurse an den Aktienmärkten, und nun zusätzliche Turbulenzen nach der Entscheidung der Briten, die Europäische Union zu verlassen, zwingen die Pensionsfonds und die Versicherungskonzerne, sich auf neue Wege zu begeben.

PFA-Chef Allan Polack hatte bereits im Dezember gesagt, der Fonds mit Sitz in Kopenhagen erwäge seine Ressourcen mit anderen Pensionsfonds und Banken zu poolen, um in neue Branchen und geografische Regionen zu investieren.

Andere Pensionsfonds geben einfach auf. Im vergangenen Monat hat PFA den kleineren Fonds Bankpension übernommen, der dazu sagte, er wolle die Pensionszahlungen "zukunftssicher" machen.

Der Druck, Erträge zu generieren, die hoch genug sind, damit unter derart schwierigen Marktbedingungen die Pensionszahlungen geleistet werden können, hat zu Besorgnis bei den Aufsichtsbehörden geführt. Dänemarks Rat für Systemische Risiken hat in diesem Jahr bereits darauf hingewiesen, dass die Pensionsfonds ausreichend kapitalisiert sein müssen, um Verluste verkraften zu können, für den Fall, dass die Märkte abrupt drehen und es zu "Notverkäufen" kommt.

Fonds müssen grössere Risiken eingehen

Die ausserordentlich niedrigen Zinsen zwingen die Fonds grössere Risiken einzugehen, um Erträge zu erwirtschaften, wie die dänische Finanzaufsicht in der vergangenen Woche sagte. Selbst eine Rückkehr zu einem normalen Niveau beinhalte Risiken, da die Preise für Vermögenswerte jetzt eng an das Zinsniveau angebunden seien.

Poulsen zufolge entschloss sich sein Pensionsfonds sich bei den Technologieinvestments ATP anzuschliessen, weil PFA dadurch Zugang zur Expertise von Via Venture Partners erhält, der Gesellschaft, die die neuen Anlagen verantworten wird und bereits zwei Fonds für ATP betreut. Es finden bereits Gespräche mit ATP und Via Venture über direkte Investments statt, wie Poulsen weiter sagte.

"Es ist ein fundierter Einblick erforderlich, um zu erkennen, dass eine neue Technologie entsteht, die der heutigen überlegen ist", sagte Pulsen. "Die Bemühungen, um die Unternehmen zu verstehen und ein gutes Investment zu tätigen, sind viel grösser als bei einen traditionellen, reifen Unternehmen."

"Die nordische Region ist in Bezug auf Technologie allgemein eine sehr innovative Region, daher gehen wir davon aus, dass es viele interessante Möglichkeiten geben wird", sagte Poulsen.

(Bloomberg)