Pessimismus regiert die Wall Street

Sorgen um die Weltwirtschaft haben am Donnerstag auch an der Wall Street für weitere Kursverluste gesorgt. Wie in Europa standen vor allem Bankaktien unter Druck.
11.02.2016 22:35
Vorsicht herrscht vor: Händler an der Wall Street am Donnerstag.
Vorsicht herrscht vor: Händler an der Wall Street am Donnerstag.
Bild: Bloomberg

Gesucht waren dagegen vor allem als sicher geltende Werte wie Gold und der japanische Yen. "Hauptfaktor ist der immense Pessimismus an den Märkten", sagte Steven Englander, Währungsstratege bei der Citigroup. Die Anleger seien ausschliesslich auf Sicherheit bedacht.

Investoren zweifeln daran, dass die lockere Geldpolitik der Notenbanken ausreichen wird, um die Konjunktur zu stützen. "Die Zentralbanken haben zu ausserordentlichen Massnahmen gegriffen in den vergangenen Jahren", sagte Anlagestratege Brad McMillan vom Handelshaus Commonwealth Financial Network. "Und jetzt sehen wir, dass dies nicht so effektiv war, wie wir alle dachten."

Im späten Handel verringerten sich die Kursverluste etwas. Händler verwiesen auf einen Medienbericht, wonach die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) zu einer Zusammenarbeit zur abgestimmten Kürzung der Förderung bereit ist. Der vergleichbar niedrige Ölzeit hält gegenwärtig die Weltwirtschaft in Atem.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 1,6 Prozent schwächer mit 15'660 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 fiel 1,2 Prozent auf 1829 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,4 Prozent auf 4266 Punkte.

Viele Börsianer fürchten, dass die Weltwirtschaft ins Straucheln gerät, sich Kreditausfälle häufen und die Finanzwirtschaft deshalb Probleme bekommt. Auch an der Wall Street rutschten Bankaktien in den Keller. Bank of America sanken knapp 7 Prozent, Goldman Sachs gut 4 Prozent und Citigroup mehr als 6 Prozent.

Boeing im Sturzflug

Steil bergab ging es auch mit den Aktien von Boeing, die fast 7 Prozent einbrachen. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge prüft die US-Börsenaufsicht SEC, ob der Flugzeugbauer die Kosten und die voraussichtlichen Verkaufszahlen von zwei seiner bekanntesten Modelle korrekt verbucht hat.

Im Fokus standen ferner Twitter-Aktien, die 4,4 Prozent absackten. Erstmals seit dem Börsengang 2013 ist die Zahl der Twitter-Nutzer zurückgegangen. Die Anteilsscheine des Pharmakonzerns Mylan verbilligten sich um 18 Prozent. Viele Analysten beurteilen den Kaufpreis für den schwedischen Konkurrenten Meda als überteuert.

Andere Vorzeichen gab es dagegen bei Tesla. Die Aktie legte 4,7 Prozent zu. Der Elektroautobauer will im laufenden Jahr aus den roten Zahlen herauskommen. Der Netzwerkspezialist Cisco gehörte mit einem Kursplus von 9,6 Prozent ebenfalls zu den Gewinnern. Der Gewinn des Unternehmens fiel höher aus als erwartet.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,36 Milliarden Aktien den Besitzer. 572 Werte legten zu, 2539 gaben nach und 75 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,79 Milliarden Aktien 851 im Plus, 1954 im Minus und 132 unverändert.

Die US-Kreditmärkte waren angesichts der Sorgen um die Weltwirtschaft als sicherer Hafen gefragt und legten zu. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 24/32 auf 100-1/32. Die Rendite sank auf 1,625 Prozent. Der 30-jährige Bond erhöhte sich um 1-4/32 auf 110-30/32 und rentierte mit 2,478 Prozent.

(Reuters)