PharmaDas müssen Anleger zu den Roche-Zahlen wissen

cash.ch beantwortet die wichtigsten Fragen zu den Jahreszahlen 2016 und zu den Wertpapieren von Roche.
01.02.2017 12:19
Von Daniel Hügli, Basel
Severin Schwan, CEO von Roche.
Severin Schwan, CEO von Roche.
Bild: cash

Hat Roche mit den Jahreszahlen die Markterwartungen erfüllt?

Nicht ganz. Der Umsatz stieg um fünf Prozent auf 50,58 Milliarden Franken. Von AWP befragte Experten hatten im Durchschnitt aber einen Gruppen-Umsatz von 50,8 Milliarden Franken erwartet. Kleine Enttäuschung auch beim operativen Kerngewinn: Dieser nahm ebenfalls um fünf Prozent auf 18,42 Milliarden Franken zu.  Von Analysten wurden aber 18,5 Milliarden prognostiziert. "Das Umsatzwachstum ist immer noch ansehnlich, hat aber in der Tat im zweiten Halbjahr 2016 an Dynamik etwas verloren", schreibt die Zürcher Kantonalbank.

Was ist sonst auffällig an den Roche-Resultaten?

Der bereinigte Gewinn je Titel soll 2017 etwa wie der Umsatz anziehen, so der Ausblick. Roche ist damit etwas weniger zuversichtlich: In den vergangenen Jahren war der angepeilte Gewinn jeweils noch stärker angezogen als der Umsatz. Investitionen in den Marktstart von neuen Medikamenten werden das Ergebnis schmälern, sagte Roche-CEO Severin Schwan am Mittwoch in Basel. Zudem werde Roche in Europa auch die Generika-Konkurrenz für wichtige Umsatzbringer zu spüren bekommen. 

Wie ist die Erhöhung der Dividende einzuschätzen?

Roche erhöhte zum 30. Mal in Folge die Dividende. Dieses Jahr sollen Titelinhaber 8,20 Franken je Genussschein und Inhaberaktie erhalten und damit 0,10 Franken mehr. Einige Analysten, etwa diejenigen der UBS, hatten mit einer deutlicheren Erhöhung der Ausschüttung an die Aktionäre gerechnet.

Weshalb steigt der Kurs des Roche-Genussscheins am Mittwoch trotz der durchwachsenen Zahlen?

Fast alle Beobachter hatten am Mittwoch mit einer negativen Marktreaktion gerechnet. Dennoch steigen am Mittwoch die Kurse von Inhaberaktie und Genussschein von Roche (plus 1,7 Prozent) - wie auch andere Pharma-Aktien. Die Anleger sehen den Ausgang des Treffens von internationalen Pharmavertretern mit US-Präsident Trump positiv. Trump hielt am Dienstag zwar an Preisverhandlungen fest, stellte den Firmen aber auch tiefere Steuern, geringere staatliche Kontrollen und eine schnellere Zulassung von Medikamenten in Aussicht. Roche-CEO Severin Schwan hat Trump noch nicht persönlich getroffen, ist aber an einem "persönlichen Dialog interessiert", wie Schwan an einer Medienorientierung in Basel sagte.

Wie steht Roche 2016 im Vergleich zu Novartis da?

Besser. Novartis musste 2016 ein Umsatzminus von 2 Prozent auf 48,5 Milliarden Dollar und einen Rückgang des Reingewinns von 5 Prozent 6,7 Milliarden Dollar verzeichnen. Neue Produkte sollen bei Novartis ab 2018 für einen Wachstumsschub sorgen.

Was macht Roche anders als Novartis?

Im Gegensatz zu Novartis hat sich Roche schon vor Jahren entschieden, sauf Pharma und Diagnostik zu konzentrieren. So verkaufte Roche seine Sparte der verschreibungsfreien Medikamente schon im Jahre 2010 an Bayer. Novartis dagegen hält mit der Marke Sandoz an dem so genannten OTC-Geschäft fest und führt zum Beispiel auch die Augenheilsparte Alcon. Novartis hat somit etwas den Anstrich eines Gesundheits-Gemischtwarenladens. Roche dagegen ist dank der Spezialisierung zum weltgrössten Hersteller von Krebsmitteln geworden. Das Geschäft macht rund zwei Drittel der Pharmadivision aus.

Warum hat Roche eigentlich zwei Arten von Beteiligungspapieren?

Die Aufteilung der Roche-Beteiligungspapiere bringt es mit sich, dass die Nachkommen der Gründerfamilie mit Inhaberaktien (die relativ wenig Anteile am Gesamtkapital ausmachen, aber stimmberechtigt sind) die Kontrolle über den Konzern ausüben - und sich so theoretisch vor Übernahmen absichern. Die Genussscheine dagegen machen zwar die Mehrheit am Roche-Kapital aus - sie sind aber nicht stimmberechtigt. Somit kontrollieren die Nachkommen der Gründerfamilie mit relativ wenig Kapital, aber 50,1 Prozent der Stimmen den Konzern. Lokalkonkurrent Novartis hält seit dem Jahr 2001 33,3 Prozent der Stimmen. Damit wollte ex-Firmenlenker Daniel Vasella Roche quasi zur Firmenhochzeit auffordern. 

Was passiert mit dem Novartis-Anteil an Roche?

Diese Frage wird seit letztem Jahr wieder diskutiert. Novartis will den Anteil an Roche, der Jahr für Jahr fette Dividenden in die Novartis-Kassen spült, offenbar loswerden. Es ist aber zu erwarten, dass Roche selber einen Grossteil der Titel zurückkaufen wird, damit das Paket nicht in die Hände eines strategisch oder finanziell orientierten Investors fällt - obwohl dieser nichts an den Kontrollverhältnissen bei Roche ausrichten könnte. Die Börsenkurse von Roche werden sich kaum verändern, sollte die Transaktion zwischen den beiden Konzernen über die Bühne gehen. 

Soll man nun die Roche-Genussscheine kaufen?

Die Titel von Roche sind klassische Langzeit-Investments. Im Vergleich zu Zeiten vor etwa zehn Jahren ist die Dividendenrendite mittlerweile auch ansprechend (3,5 Prozent) geworden. Von seinem Allzeithoch im Januar 2015 hat der Genussschein aber fast 20 Prozent eingebüsst. Der Druck lastet nicht nur auf Roche, sondern auf der gesamten Pharmabranche. Gründe dafür sind ablaufende Patente sowie Sparzwang und Kostendruck im Gesundheitswesen. Das unklare Vorgehen des US-Präsidenten Trump im Gesundheitsbereich und damit mögliche Preisdeckelungen in den USA bleiben ein Thema. Es ist daher nicht davon auszugehen, dass sich die Titel der Pharmahersteller in den nächsten Monaten deutlich erholen werden. Ein Kauf von Genussscheinen drängt sich also nicht unmittelbar auf.